Neues Buch über Bad Doberan im Jahr 1945 erschienen


Bad Doberan 1945

Vor wenigen Tagen erschien das Buch „Bad Doberan 1945 – Zusammenbruch und Neuanfang“ (Autor: Martin Heider). Der 330 Seiten starke Band bietet zahlreiche, bislang unveröffentlichte Dokumente, thematische Exkurse, Zeichnungen und Fotos.


Auf der Grundlage umfangreicher schriftlicher Quellen und Zeitzeugenberichte entstand eine Zeittafel, die die Monate von Januar bis Juni 1945 im Doberaner Kontext nachzeichnet. Im Zentrum stehen vom Autor transkribierte Originalquellen aus dem Stadtarchiv Bad Doberan, dem Archiv des Landkreises Rostock, dem Landeshauptarchiv und dem Landeskirchlichen Archiv Schwerin, dazu Einträge in der Pfarrchronik, zeitgenössische Zeitungsberichte, Inhalte aus den Gesprächsrunden „80 Jahre Kriegsende“ (2025) sowie private Briefe und Berichte; Tag für Tag – für die ersten Maitage oft Stunde für Stunde – werden Flucht, Luftkrieg, Volkssturm, Gewalt, Wohnungsnot, Entnazifizierung und organisatorische Neuordnung dokumentiert und durch Exkurse zu Personen, Orten und Institutionen vertieft. Diese thematischen Einschübe liefern u.a. Informationen zu Todesfällen, besonderen Funktionsträgern, der im Krieg besonders geschützten Innenausstattung des Münsters sowie zu Einrichtungen und Straßennamen.

Nach den letzten Kriegswochen treten im Mai die Ambivalenzen der „Befreiung“ deutlich hervor: Für Verfolgte, Zwangsarbeiter und Gegner des Regimes markiert sie das Ende der NS-Herrschaft, für viele Einheimische und Flüchtlinge zugleich eine Phase massiver Gewalt, Plünderungen, Vergewaltigungen und Not. Die für Bad Doberan und Heiligendamm dokumentierten Suizide machen sichtbar, wie sich Fluchttraumata, Propagandabilder drohender „Schmach“ und Besatzungserfahrungen so verdichten, dass der Tod als letzter! Ausweg erscheint.

Parallel dazu beginnt in den ersten Maitagen ein pragmatischer, von Improvisation geprägter Neuanfang. Die Quellen zeigen, wie tastend und brüchig dieser bleibt: unter sowjetischer Kommandantur, umfassenden Beschlagnahmungen und anhaltender Versorgungs- und Wohnungsnot. Dass die Stadt von Bombardierungen und Frontkämpfen verschont blieb, ermöglicht zwar eine relativ rasche infrastrukturelle und verwaltungstechnische Neuordnung, doch diese ist von Mangel und Fremdbestimmung geprägt.

Lokale Akteure aus Verwaltung, Handwerk, Technik und Medizin arbeiten mit der sowjetischen Kommandantur zusammen, um Versorgung, Krankenpflege, Wohnraumverwaltung und eine minimale Stadtverwaltung zu sichern. Die Neuanfänge bleiben fragil; Requirierungen, neue Machtverhältnisse, Denunziationen, Entnazifizierung und die prekäre Versorgungslage führen zu Engpässen, Wohnkonflikten und Arbeitsverpflichtungen.

Die neue Publikation liefert ein umfassendes Bild von Kriegsalltag im NS-Staat, Zusammenbruch, Besatzung und tastenden Neuanfängen unter sowjetischer Kommandantur. Der Offizier der Roten Armee, Boris Belikow, blickt später als Angehöriger des sowjetischen „Siegervolkes“ auf 1945 zurück und benennt ausdrücklich auch das Leid der deutschen evölkerung: „Es gab so viel Elend; Man fragte sich: Wofür das alles?“

Die Zeittafel soll helfen, diesen außergewöhnlichen Abschnitt der Doberaner Geschichte genauer zu verstehen und damit eine Grundlage schaffen, aus der Vergangenheit Verantwortung für Gegenwart und Zukunft zu entwickeln.

Das Buch ist an der Münsterkasse zum Preis von 37 Euro erhältlich und wird auf Wunsch zuzüglich Verpackungs- und Versandkosten zugesandt. Versandbestellungen bitte per E-Mail-Adresse an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.@muenster-doberan.de . Da ein Zeitzeuge bereits 28 Exemplare bestellt hat, könnte die erste überschaubare Auflage schnell vergriffen sein. Weitere Exemplare sind im Druck und sollten in den nächsten zehn Tagen eintreffen.

Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus den Ausführungen zum März 1945 in Bad Doberan.

Martin Heider

Auszug: März 1945 – Sowjets in Pommern, Fanatismus, weiter steigende Sterberaten


In Bad Doberan stand der März 1945 im Zeichen massiver Flüchtlingsströme, hoher Sterblichkeit unter Kindern und alten Menschen sowie eines von NS-Propaganda und totalem Krieg geprägten Alltags. Zugleich blieb u.a. die Verwaltung, das lokale religiöse weitgehend, das schulische Leben nur in Resten funktionsfähig. Die Frontkämpfe wurden noch in einiger Entfernung ausgetragen. Die Stadt lag noch abseits der unmittelbaren Kampfzone. Die großen Offensiven der Roten Armee richteten sich vor allem gegen Ostpommern und den Raum Stettin/Altdamm, wo die 3. Panzerarmee zurückgedrängt und der Brückenkopf Altdamm bis spätestens 21.3. aufgegeben wurde.

Der Zeitzeugenbericht des Lothar Blask zeigt, wie Doberaner Reichsarbeitsdienst-Angehörige im März bei Stettin als faktische Kindersoldaten in völlig aussichtslose Abwehrkämpfe gerieten und dort den Zusammenbruch aller heroischen Kriegsmythen erlebten.

Das Stadtbild war von Flüchtlingstrecks u.a. aus Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und dem Warthegau geprägt; viele Ankommende erreichten Bad Doberan in desolatem gesundheitlichem Zustand.

Die „Doberaner Nachrichten“ verbinden großspurige Durchhalteparolen (Abwehrschlachten am Rhein, „Heldenkampf von Posen“, Hetze gegen „Bolschewisten“ und Alliierte) mit lokalen Bekanntmachungen.

Dazu gehören Anordnungen zur Tierkörperverwertung, eine reichsweit angeordnete Rattenbekämpfungsaktion, Bekanntmachungen zu Stromsperren, zur Erfassung weiblicher Dienstpflichtiger des Jahrgangs 1927 (viele aus „geräumten Gebieten“) sowie Hinweise zu Lebensmittelkarten und Bekleidungsbewirtschaftung. Anzeigen für die „Kamp-Lichtspiele“ mit Ufa-Filmen zeigen, dass ein rudimentäres Kulturangebot auch als propagandistisches Normalitätssignal aufrechterhalten wurde.

Trotz Raummangels konnte an der Mädchenvolksschule, im ansonsten sehr eingeschränkten Schulbetrieb, zeitweise wieder Unterricht stattfin­den.

Am 26. März fanden in Bad Doberan und Um­gebung HJ-Aufnahmeappelle statt: Zehnjährige wurden als „Pimpfe“ bzw. „Jungmädel“ vereidigt und auf Treue zum „Führer“ verpflichtet, was die tiefe ideologische Durchdringung des Alltags gerade im Jugendbereich belegt.

Junge aus Jungvolk

Abb. 1: Junge aus Jungvolk (DJ) der Hitlerjugend, sog. Pimpf (1940). Deutsche Fotothek df_hauptkatalog_0746660.

Kirchlich blieb das Leben in reduzierter Form bestehen: Die Pfarrchronik meldet am 18. März eine Konfirmation „in alter Ordnung“ mit vielen Flüchtlingskindern und kirchliche Veranstaltungstermine wurden weiterhin in der Zeitung angekündigt.

Ein Soldat schildert auf einer Feldpostkarte Bad Doberan, Kühlungsborn und Heiligendamm als Stationen einer „Bäderfahrt“. Möglicherweise handelt es sich um einen Verletzten in einem der Reserve-Lazarette oder im kurzen Fronturlaub.

Angesichts der vorrückenden Roten Armee ordnete der Oberkirchenrat am 20. März heimliche Sicherungsmaßnahmen für die „vasa sacra“ der Kapelle in Althof an. Die liturgischen Geräte wurden in speziell angefertigten Kästen nahe der Kapelle vergraben und nur einem engen Personenkreis lokalisierbar gemacht. Was berichten die Archivalien und Zeitzeugendokumente über den März 1945 im Einzelnen [hier ein Auszug der Einträge vom 01.-09.03.1945]:

1 Lothar Blask (*11.11.1929): „Episoden aus meinem Leben“

– Ende 1944 bis Anfang 1946. Veröffentlicht im September 2013. Akte Stadtarchiv Bad Doberan ZS 1301. Fortsetzung des Berichts siehe hier im Buch unter Ende März 1945, An­fang April, 29.04.1945, 30.04.1945, 02.05.1945.

03.1945: Der oben [im Buch] aufgeführte Auszug 1 (s. Januar 1945) des Berichts des Lothar Blask (*11.11.1929) schildert im Rückblick seine Erfah­rungen als Jugendlicher, als er im Herbst 1944 als Flüchtlingsschüler zunächst Unterricht in Waren (Müritz) erhält und dann als Vierzehnjähriger zum Reichsarbeitsdienst nach Bad Doberan eingezogen wurde.

Im März kommt der nun 15jährige an der Front bei Stettin (Ostfront) als Kindersoldat zum Einsatz und gerät später in britische Kriegsgefangenschaft. Die Aufzeichnungen zeugen von Not und Schrek-ken auf diesem Marsch und der Er­kenntnis, dass der Krieg jeglichen Heldenmythos zerstört hatte:

„Im März 1945 erhielten wir den Marschbefehl, südöstlich von Stettin, in einer neu errichte­ten Hauptkampflinie mit unserer Batterie in Stellung zugehen. Das bedeutete, wir waren für den Erdkampf zur Panzerbekämpfung eingesetzt.

Der Marsch alleine dahin war für mich, und sicherlich für alle meine Kameraden, ein sehr tiefes deprimierendes Erlebnis. Ständig kamen uns auf dem Weg zur Front Flüchtlingstreck verwundete Soldaten und auch Kolonnen sowjetischer Kriegsgefangener entgegen.

 


Die Ränder der Straßen waren mit verschossenen Militärfahrzeugen und zerbrochenen Leiterwagen von Flüchtlingen gesäumt. In dieser Stimmung erreichten wir die Hauptkampflinie. Am Rande eines Dorfes gingen wir in Stellung. Wir hatten einfach Angst.

Die Helden waren schon lange gestorben.“1

März/ April 1945 – Im März und April 1945 konnten an der Mädchenvolksschule Bad Doberan (ab 14.11.1947 Mädchenoberschule, ab 1953 Lessingschule) nach Schließungen und Raummangel zeitweise wieder Unterrichtsstunden gehalten werden. Die Schulchronik vermittelt somit seltene Einblicke in das eingeschränkte, aber nicht vollständig unterbrochene Schulleben dieser schwierigen Zeit:

„Im März und April 1945 wurden die Räume zeitweise wieder frei, und es konnte Unterricht erteilt werden.“2

2 Akte Stadtarchiv Bad Doberan ZS393. Chronik der Mädchenvolksschule Bad Doberan (Lessingoberschule) 1945-51. Weitere Einträge aus der Schulchronik siehe Januar 1945, ab Ende April, ab Juli, ab 1.10.1945.

Doberaner Stadtschule Mädchenschule 1947

Doberaner Stadtschule (Mädchenschule), 1947, Klasse 6a mit Schülerin Erika Stubbig (oben, 3. von rechts), Jahrgang 1933, eingeschult 1940. Sammlung des Sohns Peter Zimmermann (Kröpelin)

Anfang 03.1945: Die Sowjetarmee war nach Pommern vorgestoßen. Sie ließ Flugblätter verteilen, die an die Mecklenburger gerichtet waren. Darin baten 75 deutsche kriegsgefangene Offiziere und Soldaten, unauffällig ihren Angehörigen mitzuteilen, dass sie entgegen der deutschen Propaganda nicht in der Sowjetunion getötet wurden, sondern am Leben seien. Unter den Adressen war die eines Oberzahlmeisters aus Bad Doberan.3

Exkurs: Todesfälle im März

Auch für den März 1945 sind eine hohe Zahl an Todesfälle in Bad Doberan verzeichnet. Die für diese Publikation ausgewählten Einträge aus den Sterbebüchern betreffen vor allem Flüchtlinge aus den deutschen Ostgebieten sowie Soldaten.

Viele Todesfälle betrafen auch in diesem Monat Säuglinge und Kleinkinder, deren Familien sich auf der Flucht befanden, und die nach extremen Strapazen in der Kinderklinik an Krankheiten wie Grippe, Lungenentzündung, Durchfall, Ruhr, Sepsis oder Ernährungsstörungen sowie Lebensschwäche starben. Zahlreiche Kinder waren erst kurz zuvor auf der Flucht oder sogar „im Treck“ bzw. an Bord von Flüchtlingsschiffen geboren worden.

Häufig starben ältere Menschen und Fluchtgeschwächte an Herzschwäche, Altersschwäche oder infolge der Strapazen der Flucht, oft in Flüchtlingsunterkünften, etwa im Großherzoglichen Palais, und am Bahnhof.

Blick vom Wohnhaus Althoefer Straße 16 im Jahr 1941 nach ueum Doberaner Bahnhof

Blick vom Wohnhaus Althöfer Straße (Clara-Zetkin-Straße) 16 im Jahr 1941 nach Südwesten zum Doberaner Bahnhof. Ältere Flüchtlinge und durch die Strapazen der Flucht Geschwächte kamen im Frühjahr 1945 am Bahnhof zu Tode, überwiegend infolge von Herz-und Altersschwäche, teils noch in den Zügen. Im Vordergrund sind die Anlagen der Kleinbahn Bad Doberan–Kühlungsborn zu erkennen, dahinter die Gleisanlagen der Deutschen Reichsbahn im Regelspurbetrieb auf der Strecke Rostock–Bad Doberan–Wismar. Im Hintergrund ein heute nicht mehr erhaltener Wasserturm. Weitere Aufnahmen der Bahnanlagen finden sich hier im Buch unter dem Datum 08.06.1945. Diese bislang unveröffentlichten Fotos erlauben einen Einblick in den früheren betrieblichen Umfang des Bahnhofs.

Bildnachweis: „Doberan-Album“ / H.-J. Seeger (Berlin). Sammlung Robert Dröse (Kühlungsborn).

3 Hermann Langer: „Alltag unterm Hakenkreuz (Teil 16) – Kampf bis fünf nach zwölf!“ Ostsee-Zeitung 16.04.1993.

Viele Todesfälle von Personen sind dokumen­tiert, die erst kurz zuvor nach Bad Doberan geflo­hen waren. Die amtlichen Sterbebücher listen Todesopfer mit Herkunft aus Ostpreußen, Pommern, Westpreußen, dem Warthegau sowie dem Inneren Reich.

Beispielhafte Einzelfälle für März 1945: -Udo Willy Franke aus Rostock, Kleinkind, 01.03., Durchfall und Grippe -Gerhard Immisch aus Thüringen, Soldat, 02.03., Hirnschuss, gestorben im Teillazarett Kurhaus -Emma Zimmerriemer, Witwe aus Ostpreußen, 14.03., Herzschlag am Bahnhof im Flüchtlingszug -Heidemarie Dillei, Neugeborenes, 14.03., Le­bensschwäche, geboren an Bord eines Schiffes auf der Flucht von Ostpreußen, gestorben in Bad Doberan -Kurt Müller, Rittergutbesitzer aus Stettin, 17.03., Herzschwäche.

01.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C. Nr. 91. Bad Doberan, den 5. März 1945. Das Kind Udo Willy Franke, wohnhaft in Rostock-Dierkow, Hermann-Löns-Weg 5, ist am

1. März 1945 um 23 Uhr 30 Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)4 Todesur­sache: Durchfall und Grippe“5

02.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C1. Nr. 93. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Gerd Uwe Raupach, wohnhaft in Po­sen, Dr. Wilhelmstraße 35, ist am 2. März 1945 um 13 Uhr Minuten in Bad Doberan, Kinderkli­nik, verstorben. (…)6 Todesursache: Pneumonie.“7 Flüchtling aus Posen (Wartheland).

4 „Der Verstorbene war geboren am 4. Januar 1945 in Seestadt Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 28/1945). Vater: Zimmermann Ernst Willy Franke, wohnhaft in Rostock-Dierkow. Mutter: Olga Helene Franke geborene Steinmüller, wohnhaft in Rostock-Dierkow. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan, Der Standesbeamte, In Vertretung, Starck.“ 5 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 6 „Der Verstorbene war geboren am 31. Dezember 1943 in Elbing (Standesamt Elbing Nr. 9/1944). Vater: Hauptgefreiter Gerhard Erich Willi Raupach, wohnhaft in Posen. Mutter: Annemarie Edith Raupach geborene Konietzko, wohnhaft in Posen. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standes­beamte, In Vertretung: Starck.“ 7 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 8 „Der Verstorbene war geboren am 30. November 1926 in Driebisch in Thüringen (Standesamt Nr. -). Vater: -. Mutter: -. Der Verstorbene war nicht verheiratet. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung des Reserve-Lazaretts in Bad Doberan. Der Standesbeamte, In Vertretung: Starck.“

03.03.-02.05.1945 – Folgender dritter Abschnitt aus dem Fluchtbericht von Margit Wolf schildert, wie die Flucht ihrer Familie von Elbing (Ostpreußen) im März 1945 zur Ankunft in Bad Doberan führte. Die erste Zeit war geprägt von Unterkunft bei freundlichen Gastgebern, Nachrichten aus der Familie und den Ereignissen der letzten Kriegsphase:

„(…) [Wir] landeten am 3.3.45 in Doberan. Gleich der Bahnhof war uns sympathisch. Wir fanden hier bei netten, alten Herrschaften ein

9 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. Laut Kriegssterbefallanzeigen des Reserve-Lazaretts Bad Doberan Beisetzung am 06.03.1945. Stadtarchiv Bad Doberan Sammelakte 99 – Reserve-Lazarett, Kriegssterbefallanzeigen / Beisetzungen Friedhof „Ehrenhain“. 10 „Der Verstorbene war geboren am 23. Mai 1944 in Flatow, (Grenzmark) (Standesamt Flatow Nr. 140/1944). Vater: Versicherungsangestellter Richard Friedrich Gustav Höfke, wohnhaft in Stettin. Mutter: Luise Albertine Höfke geborene Kohls, wohnhaft in Stettin. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte, in Vertretung: Starck.“ 11 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 12 „Die Verstorbene war geboren am 18. Februar 1945 in Seestadt Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 306/1945). Vater: -. Mutter: Witwe Martha Balden geborene Lenz, wohnhaft in Bischofsburg. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte. In Vertretung: Starck.“ 13 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.

02.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C1. Nr. 99. Bad Doberan, den 6. März 1945. Der Füsilier, Tischlergeselle, Gerhard Immisch, wohnhaft in Driebisch/Thür. Zeichenrotherstraße 28 ist am 2. März 1945 um 22 Uhr 10 Minuten in Bad Doberan, Teillazarett Kurhaus, verstorben. (…)8 Todesursache: Hirnschuß.“9

03.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C1. Nr. 95. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Christian Helmut Ewald Höfke, wohnhaft in Stettin, Am Hufeisen 32, ist am 3. März 1945 um 0 Uhr 15 Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)10 Todesursache: Lungenentzündung.“11 Flüchtling aus Pommern.

03.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C1. Nr. 96. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Annelore Lenz, wohnhaft in Bischofs­burg, Brunnenstraße 17, ist am 3. März 1945 um 16 Uhr in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)12 Todesursache: Dyspepsie.“13 Flüchtling aus Ostpreußen.

03.03.-02.05.1945 – Folgender dritter Abschnitt aus dem Fluchtbericht von Margit Wolf schildert,
wie die Flucht ihrer Familie von Elbing (Ostpreußen) im März 1945 zur Ankunft in Bad Doberan
führte. Die erste Zeit war geprägt von Unterkunft bei freundlichen Gastgebern, Nachrichten aus der Familie und den Ereignissen der letzten Kriegsphase:
„(…) [Wir] landeten am 3.3.45 in Doberan.
Gleich der Bahnhof war uns sympathisch. Wir fanden hier bei netten, alten Herrschaften ein kleines, bescheidenes Zimmerlein und Dank an Gott für die Gnade und Liebe, die wir täglich erleben durften und dürfen.“


9 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. Laut Kriegssterbefallanzeigen des Reserve-Lazaretts Bad Doberan
Beisetzung am 06.03.1945. Stadtarchiv Bad Doberan Sammelakte 99 – Reserve-Lazarett, Kriegssterbefallanzeigen / Beisetzungen
Friedhof „Ehrenhain“.
10 „Der Verstorbene war geboren am 23. Mai 1944 in Flatow, (Grenzmark) (Standesamt Flatow Nr. 140/1944). Vater: Versicherungsangestellter Richard Friedrich Gustav Höfke, wohnhaft in Stettin. Mutter: Luise Albertine Höfke geborene Kohls, wohnhaft in Stettin.
Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte,
in Vertretung: Starck.“
11 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.
12 „Die Verstorbene war geboren am 18. Februar 1945 in Seestadt
Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 306/1945).
Vater: - . Mutter: Witwe Martha Balden geborene Lenz, wohnhaft in Bischofsburg.
Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte.
In Vertretung: Starck.“
13 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.

Bad Doberan Bahnhof um 1930

Bad Doberan, Bahnhof (um 1930). Bildrechte: Deutsche Fotothek df_hauptkatalog_0045522

 

Aus weiteren Notizen: „4. März in Doberan, Bismarckstr. 6 bei Frühsorge angekommen.

16.3. Pappa Geburtstag – Nachricht von Tante Erna, Marta Hannchen, Hedwig, Lydia u. Anna. Ostern regnerisches Wetter, Pappa und ONKEL Ernst in Doberan. Am 1. Mai 1945 ist die weiße Flagge auf Doberan gehisst. Am 2. Mai Panzer auf Doberan.“14 (Fortsetzung siehe „08.05.1945-20.05.1946“)

04.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„Nr. 101. C1. Bad Doberan, den 8. März 1945. Das Kind Reinhard Christian Trembitzki, wohnhaft in Allenstein, Soldauerstraße, ist am 4. März 1945 um 15 Uhr -Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)15 Todesursache: Sepsis, Grippe.“16 Flüchtling aus Ostpreußen.

05.03.1945 – Die Doberaner Nachrichten berichten auf der Titelseite über die militärische Lage im Westen, verbreiten propagandistische Durchhalteparolen und beschwören Kampfbereitschaft für die Zukunft.

Themen im Doberaner Kontext sind die Erfassung weiblicher Dienstpflichtiger des Jahrgangs 1927, betreffend diejenigen, die aus den geräumten Ostgebieten stammen, organisatorische Hinweise zur Tierkörperverwertung und Beratungsangebote für Freiwillige für die Wehrmacht und Waffen-SS. Zudem gibt es Hinweise auf örtliche Kinoveranstaltungen und eine propagandistische Parole Adolf Hitlers:

Ostsee-Bote / Doberaner Nachrichten Schlagzeilen auf der Titelseite (Auswahl): „Den Blick vorwärts – Alle Kräfte im Kampf für die Zukunft“ / „Die große Westschlacht“ / „ ,Humane Kriegsführung‘ – Roosevelt findet den Bombenkrieg ,ideal und anständig‘ „ / „Kampf bis aufs Messer – Ribbentrop zu Churchills Unterhauserklärung“ / „Die Rede des Falschspielers – Roosevelt verlogener Bericht über Jalta“

Bekanntmachungen. Die Erfassung der, aus den geräumten Gebieten, zurückgeführten weiblichen Dienstpflichtigen des Geburtsjahrganges 1927 erfolgt am Donnerstag, dem 8. März 1945, nachmittags von 14 – 16 Uhr, im Rathaus Zimmer 7. Bad Doberan, den 5. März 1945. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde.

 

14 „Meine Flucht“ von Elbing (Ostpreußen) nach Bad Doberan vom 21.01. bis 03.03.1945 – von Margit Wolf, Jahrgang 1937 – Auszug 4: Die erste Zeit in Bad Doberan bis zum 2. Mai (Fortsetzung von „21.01.-26.01.1945“, „27.01.27.02.1945“ u. „27.02.-03.03.1945“). 15 „Der Verstorbene war geboren am 24. Januar 1945 in Königsberg /Pr. (Standesamt Königsberg/Pr. Nr. 122/1945).

 

Beratung von Freiwilligen und Bewerbern für die aktiven Offizier- bzw. Führerlaufbahnen, die Reserveoffizier- bzw. Reserveführerlaufbahnen  und die Unteroffizier- bzw. Unterführerlaufbahnen
des Heeres und der Waffen-SS sowie die Auskunfterteilung an die Eltern erfolgt schriftlich und
mündlich durch den Nachwuchsführer des Heeres und der Waffen-SS, Rostock, Füsilierkaserne. Beratungsstunden Montag 8–18 Uhr.
Neuzugezogene Freiwillige und Führernachwuchs von Heer und Waffen-SS mit vorläufigen oder endgültigen Annahmescheinen melden sich mündlich oder schriftlich beim Nachwuchsführer, ebenso Bewerber für obige Laufbahnen.


[Anzeige:] Kamp-Lichtspiele Doberan. Eine ganze Woche Dienstag bis einschl. Montag 21.15 Uhr. Mittwoch 15 u. 21.15 Uhr, Donnerstag 15 u. 21.15 Uhr, Sonnabend 15 u. 21.15 Uhr, Sonntag 13 ½, 16 u. 21.15 Uhr, Montag 15 u. 21.15 Uhr.
„Die Neigungsehe!“ / Jugendliche unter 18 Jahren haben keinen Zutritt.

Foyer im Kino Kamp Lichtspiele

 

Saal Kino Kamp Lichtspiele

Filmtechnik im Kino Kamp Lichtspiele

Filmtechnik im Kino „Kamp-Lichtspiele“. Bildquelle (3 Fotos): Buch ROCHOW / HAVEMANN 1993

Adolf Hitler – ,Den jüdisch-bolschewistischen Volksvernichtern und ihren westeuropäischen und amerikanischen Zuhältern gegenüber gilt nur ein Gebot: mit äußerstem Fanatismus und verbissener Standhaftigkeit auch die letzte Kraft einzusetzen, die ein gnädiger Gott den Menschen in schweren Zeiten zur Verteidigung seines Lebens läßt.‘ “17

08.03.1945 – Die Doberaner Nachrichten liefern

u.a. folgende Schlagzeilen auf der Titelseite: „Sowjetische Kräftegruppe bei Lauban eingeschlossen – Starke bolschewistische Angriffe bei Frankfurt und Küstrin scheiterten in Gegenstößen – Durchbruch zum Stettiner Haff verhindert – In Westpreußen feindlich Panzerangriffe nach tiefen Ein­brüchen zum Stehen gebracht – Verlustreiche ka­nadische Angriffe auf Xanten – Rheinberg ging verloren – Straßenkämpfe in Köln – Der Fein im Vorgehen auf die Ahr – Terrorflieger warfen deutsches Lazarettschiff bei Angriff auf Saßnitz in

Brand“ / „Der Deutsche verteidigt jeden Meter Boden – Britisches Eingeständnis“18

09.03.1945 Todesfall laut Sterbebuch:

„C1. Nr. 106. Bad Doberan, den 15. März 1945. Das Kind Roswitha Brigitte Bombe, wohnhaft in Sensburg/Ostpreußen, Blocksberg 4, ist am 9. März 1945 um 20 Uhr Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)Todesursache: Ernährungsstörung.“19 Flüchtling aus Ost­preußen.

Abb. 8: Saal im Kino „Kamp-Lichtspiele“.

17 Ostsee-Bote / Doberaner Nachrichten vom 05.03.1945, Stadtarchiv Bad Doberan, Akte ZF001. 18 Ostsee-Bote / Doberaner Nachrichten vom 08.03.1945, Stadtarchiv Bad Doberan, Akte ZF001. Keine Doberanspezifischen Beiträge. Die Zeitung besteht offensichtlich ressourcenbedingt längst nur noch aus wenigen Seiten.

19 „(…) geboren am 2. Februar 1945 in Braunsberg (Standesamt Köslin Nr. -). Vater: Streckenwärter Johann Bombe, wohnhaft in Sensburg. Mutter: Marta Bombe geborene Sierke, wohnhaft in Sensburg. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.

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