Viele Todesfälle von Personen sind dokumentiert, die erst kurz zuvor nach Bad Doberan geflohen waren. Die amtlichen Sterbebücher listen Todesopfer mit Herkunft aus Ostpreußen, Pommern, Westpreußen, dem Warthegau sowie dem Inneren Reich.
Beispielhafte Einzelfälle für März 1945: -Udo Willy Franke aus Rostock, Kleinkind, 01.03., Durchfall und Grippe -Gerhard Immisch aus Thüringen, Soldat, 02.03., Hirnschuss, gestorben im Teillazarett Kurhaus -Emma Zimmerriemer, Witwe aus Ostpreußen, 14.03., Herzschlag am Bahnhof im Flüchtlingszug -Heidemarie Dillei, Neugeborenes, 14.03., Lebensschwäche, geboren an Bord eines Schiffes auf der Flucht von Ostpreußen, gestorben in Bad Doberan -Kurt Müller, Rittergutbesitzer aus Stettin, 17.03., Herzschwäche.
01.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„C. Nr. 91. Bad Doberan, den 5. März 1945. Das Kind Udo Willy Franke, wohnhaft in Rostock-Dierkow, Hermann-Löns-Weg 5, ist am
1. März 1945 um 23 Uhr 30 Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)4 Todesursache: Durchfall und Grippe“5
02.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„C1. Nr. 93. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Gerd Uwe Raupach, wohnhaft in Posen, Dr. Wilhelmstraße 35, ist am 2. März 1945 um 13 Uhr Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)6 Todesursache: Pneumonie.“7 Flüchtling aus Posen (Wartheland).
4 „Der Verstorbene war geboren am 4. Januar 1945 in Seestadt Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 28/1945). Vater: Zimmermann Ernst Willy Franke, wohnhaft in Rostock-Dierkow. Mutter: Olga Helene Franke geborene Steinmüller, wohnhaft in Rostock-Dierkow. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan, Der Standesbeamte, In Vertretung, Starck.“ 5 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 6 „Der Verstorbene war geboren am 31. Dezember 1943 in Elbing (Standesamt Elbing Nr. 9/1944). Vater: Hauptgefreiter Gerhard Erich Willi Raupach, wohnhaft in Posen. Mutter: Annemarie Edith Raupach geborene Konietzko, wohnhaft in Posen. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte, In Vertretung: Starck.“ 7 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 8 „Der Verstorbene war geboren am 30. November 1926 in Driebisch in Thüringen (Standesamt Nr. -). Vater: -. Mutter: -. Der Verstorbene war nicht verheiratet. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung des Reserve-Lazaretts in Bad Doberan. Der Standesbeamte, In Vertretung: Starck.“
03.03.-02.05.1945 – Folgender dritter Abschnitt aus dem Fluchtbericht von Margit Wolf schildert, wie die Flucht ihrer Familie von Elbing (Ostpreußen) im März 1945 zur Ankunft in Bad Doberan führte. Die erste Zeit war geprägt von Unterkunft bei freundlichen Gastgebern, Nachrichten aus der Familie und den Ereignissen der letzten Kriegsphase:
„(…) [Wir] landeten am 3.3.45 in Doberan. Gleich der Bahnhof war uns sympathisch. Wir fanden hier bei netten, alten Herrschaften ein
9 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. Laut Kriegssterbefallanzeigen des Reserve-Lazaretts Bad Doberan Beisetzung am 06.03.1945. Stadtarchiv Bad Doberan Sammelakte 99 – Reserve-Lazarett, Kriegssterbefallanzeigen / Beisetzungen Friedhof „Ehrenhain“. 10 „Der Verstorbene war geboren am 23. Mai 1944 in Flatow, (Grenzmark) (Standesamt Flatow Nr. 140/1944). Vater: Versicherungsangestellter Richard Friedrich Gustav Höfke, wohnhaft in Stettin. Mutter: Luise Albertine Höfke geborene Kohls, wohnhaft in Stettin. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte, in Vertretung: Starck.“ 11 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. 12 „Die Verstorbene war geboren am 18. Februar 1945 in Seestadt Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 306/1945). Vater: -. Mutter: Witwe Martha Balden geborene Lenz, wohnhaft in Bischofsburg. Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte. In Vertretung: Starck.“ 13 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.
02.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„C1. Nr. 99. Bad Doberan, den 6. März 1945. Der Füsilier, Tischlergeselle, Gerhard Immisch, wohnhaft in Driebisch/Thür. Zeichenrotherstraße 28 ist am 2. März 1945 um 22 Uhr 10 Minuten in Bad Doberan, Teillazarett Kurhaus, verstorben. (…)8 Todesursache: Hirnschuß.“9
03.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„C1. Nr. 95. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Christian Helmut Ewald Höfke, wohnhaft in Stettin, Am Hufeisen 32, ist am 3. März 1945 um 0 Uhr 15 Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)10 Todesursache: Lungenentzündung.“11 Flüchtling aus Pommern.
03.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„C1. Nr. 96. Bad Doberan, den 6. März 1945. Das Kind Annelore Lenz, wohnhaft in Bischofsburg, Brunnenstraße 17, ist am 3. März 1945 um 16 Uhr in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)12 Todesursache: Dyspepsie.“13 Flüchtling aus Ostpreußen.
03.03.-02.05.1945 – Folgender dritter Abschnitt aus dem Fluchtbericht von Margit Wolf schildert,
wie die Flucht ihrer Familie von Elbing (Ostpreußen) im März 1945 zur Ankunft in Bad Doberan
führte. Die erste Zeit war geprägt von Unterkunft bei freundlichen Gastgebern, Nachrichten aus der Familie und den Ereignissen der letzten Kriegsphase:
„(…) [Wir] landeten am 3.3.45 in Doberan.
Gleich der Bahnhof war uns sympathisch. Wir fanden hier bei netten, alten Herrschaften ein kleines, bescheidenes Zimmerlein und Dank an Gott für die Gnade und Liebe, die wir täglich erleben durften und dürfen.“
9 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21. Laut Kriegssterbefallanzeigen des Reserve-Lazaretts Bad Doberan
Beisetzung am 06.03.1945. Stadtarchiv Bad Doberan Sammelakte 99 – Reserve-Lazarett, Kriegssterbefallanzeigen / Beisetzungen
Friedhof „Ehrenhain“.
10 „Der Verstorbene war geboren am 23. Mai 1944 in Flatow, (Grenzmark) (Standesamt Flatow Nr. 140/1944). Vater: Versicherungsangestellter Richard Friedrich Gustav Höfke, wohnhaft in Stettin. Mutter: Luise Albertine Höfke geborene Kohls, wohnhaft in Stettin.
Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte,
in Vertretung: Starck.“
11 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.
12 „Die Verstorbene war geboren am 18. Februar 1945 in Seestadt
Rostock (Standesamt Seestadt Rostock Nr. 306/1945).
Vater: - . Mutter: Witwe Martha Balden geborene Lenz, wohnhaft in Bischofsburg.
Eingetragen auf schriftliche Anzeige der Verwaltung der Universitäts-Kinderklinik Rostock in Bad Doberan. Der Standesbeamte.
In Vertretung: Starck.“
13 Stadtarchiv Bad Doberan – Sterbebuch Band 21.
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Bad Doberan, Bahnhof (um 1930). Bildrechte: Deutsche Fotothek df_hauptkatalog_0045522
Aus weiteren Notizen: „4. März in Doberan, Bismarckstr. 6 bei Frühsorge angekommen.
16.3. Pappa Geburtstag – Nachricht von Tante Erna, Marta Hannchen, Hedwig, Lydia u. Anna. Ostern regnerisches Wetter, Pappa und ONKEL Ernst in Doberan. Am 1. Mai 1945 ist die weiße Flagge auf Doberan gehisst. Am 2. Mai Panzer auf Doberan.“14 (Fortsetzung siehe „08.05.1945-20.05.1946“)
04.03.1945 – Todesfall laut Sterbebuch:
„Nr. 101. C1. Bad Doberan, den 8. März 1945. Das Kind Reinhard Christian Trembitzki, wohnhaft in Allenstein, Soldauerstraße, ist am 4. März 1945 um 15 Uhr -Minuten in Bad Doberan, Kinderklinik, verstorben. (…)15 Todesursache: Sepsis, Grippe.“16 Flüchtling aus Ostpreußen.
05.03.1945 – Die Doberaner Nachrichten berichten auf der Titelseite über die militärische Lage im Westen, verbreiten propagandistische Durchhalteparolen und beschwören Kampfbereitschaft für die Zukunft.
Themen im Doberaner Kontext sind die Erfassung weiblicher Dienstpflichtiger des Jahrgangs 1927, betreffend diejenigen, die aus den geräumten Ostgebieten stammen, organisatorische Hinweise zur Tierkörperverwertung und Beratungsangebote für Freiwillige für die Wehrmacht und Waffen-SS. Zudem gibt es Hinweise auf örtliche Kinoveranstaltungen und eine propagandistische Parole Adolf Hitlers:
Ostsee-Bote / Doberaner Nachrichten – Schlagzeilen auf der Titelseite (Auswahl): „Den Blick vorwärts – Alle Kräfte im Kampf für die Zukunft“ / „Die große Westschlacht“ / „ ,Humane Kriegsführung‘ – Roosevelt findet den Bombenkrieg ,ideal und anständig‘ „ / „Kampf bis aufs Messer – Ribbentrop zu Churchills Unterhauserklärung“ / „Die Rede des Falschspielers – Roosevelt verlogener Bericht über Jalta“
„Bekanntmachungen. Die Erfassung der, aus den geräumten Gebieten, zurückgeführten weiblichen Dienstpflichtigen des Geburtsjahrganges 1927 erfolgt am Donnerstag, dem 8. März 1945, nachmittags von 14 – 16 Uhr, im Rathaus Zimmer 7. Bad Doberan, den 5. März 1945. Der Bürgermeister als Ortspolizeibehörde.
14 „Meine Flucht“ von Elbing (Ostpreußen) nach Bad Doberan vom 21.01. bis 03.03.1945 – von Margit Wolf, Jahrgang 1937 – Auszug 4: Die erste Zeit in Bad Doberan bis zum 2. Mai (Fortsetzung von „21.01.-26.01.1945“, „27.01.27.02.1945“ u. „27.02.-03.03.1945“). 15 „Der Verstorbene war geboren am 24. Januar 1945 in Königsberg /Pr. (Standesamt Königsberg/Pr. Nr. 122/1945).