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"850 Jahre: Althof kommt ganz groß raus"


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Die OSTSEE-ZEITUNG berichtete: Doberaner Ortsteil Althof feiert im Jahr 2021 die Gründung des Klosters Doberan.

Von Lennart Plottke

Althof. 2021 feiert der kleine Doberaner Ortsteil Althof ein ganz besonderes Jubiläum. „Wir wollen uns gezielt mit der 850-jährigen Geschichte dieses Ortes auseinandersetzen“, erklärt Martin Heider, Mitglied einer Redaktionsgruppe „Althof Historie“. Gemeinsam mit dem Kustos des Doberaner Münsters engagieren sich hier auch Christel und Joachim Frenkel vom Verein Althof e.V., Antje Benesch vom Klosterverein, Lisa Riess, Leiterin des Stadt- und Bädermuseums sowie Stadtarchiv-Leiterin Andrea Gläwe. „Diese Aufmerksamkeit hat Althof ohne Frage verdient“, ist Heider überzeugt. Bislang habe die Ortschaft meist nur im Kontext mit Bad Doberan oder der Kloster-Gründung eine Rolle gespielt: „Das wollen wir ändern – zum 850-jährigen Jubiläum soll es deshalb eine eigene Publikation geben.“

Ziel sei es, eine Chronik zu erstellen, die im Jahr 1171 beginnt, erklärt Joachim Frenkel. Dabei sollen vor allem Althöfer, aber auch alle anderen Bad Doberaner aktiv mit eingebunden werden, macht Martin Heider deutlich. „Wir rufen dazu auf, in privaten Archiven nach Foto-Schätzen zu stöbern – der Schwerpunkt sollte dabei auf Gebäuden liegen.“ Ob Klosterscheune mit und ohne Dach, die mehrfach umgestaltete Kapelle oder zeitlich veränderte Ortskarten – „wir suchen wertvolle Aufnahmen, die Althofs Entwicklung in den vergangenen Jahrhunderten widerspiegeln“. Auch frühere Beiträge aus der Ostsee-Zeitung wären hilfreich, erklärt Heider: „Am besten originale Artikel mit passenden Fotos – das können auch Leihgaben sein.“

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Althof-Chronik-Buch und Ausstellung geplant


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Denn zum Orts-Geburtstag ist nicht nur ein Buch geplant. „Ab Mai soll es im Stadt- und Bädermuseum eine große Ausstellung geben“, blickt Leiterin Lisa Riess voraus. „Zunächst wird in Althof am 1. Mai der traditionelle Handwerkermarkt veranstaltet, am 2. Mai ist ein Gottesdienst in der Kapelle geplant – damit sich die Termine nicht überschneiden, könnte die Ausstellung in der zweiten Maiwoche eröffnet werden.“ Vorausgesetzt, die Entwicklungen in der Corona-Pandemie machen den Initiatoren nicht einen Strich durch die Jubiläums-Rechnung.

Im zweiten Quartal 2021 soll auch die Publikation vorliegen – ein ambitioniertes Ziel. „Nach mehreren Besuchen im Landeshauptarchiv in Schwerin ist die Datensammlung schon erheblich angewachsen“, sagt Martin Heider. Dabei besonders im Fokus: „Die Zeit zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert – die ist bislang ziemlich aus der Betrachtung herausgefallen.“ Hier gebe es tatsächlich ein „Loch in der Doberaner Geschichte“, bestätigt Andrea Gläwe: „Das trifft auf Althof auch zu.“

Nach seiner Auffassung ebenfalls ein Schwerpunkt: „Das 20. Jahrhundert“, meint Joachim Frenkel, der sich seit Jahren für die Entwicklung seines Wohnortes stark macht. „Die Abschaffung des Adels im Jahr 1919, die Kriegszeit bis 1945 und der Übergang Althofs nach Bad Doberan, die Bodenreform: Das haben wir ein bisschen auf unseren Schautafeln zur Natur, Bebauung und Geschichte dargestellt – aber natürlich nur in Bruchteilen.“

Es existierten Fotos, auf denen innerhalb der Ortschaft Baracken zu sehen sind, sagt Martin Heider. „Noch wissen wir nicht genau, wo sie genau standen und wofür sie genutzt wurden.“ Möglicherweise für die Heinkel-Flugzeugwerke im Rahmen des Reichsarbeitsdienstes und später als Unterkunft für Flüchtlinge [Anm.: Diese Frage ist mittlerweile geklärt. Dazu mehr im Buch sowie in einem der späteren Newsletter]: „Wir wollen, wenn möglich, mit alteingesessenen Althöfern ins Gespräch kommen und viele noch unbeantwortete Fragen klären.“ Im Fotoarchiv des Landkreises Rostock habe er darüber hinaus jede Menge Aufnahmen aus der LPG-Zeit gefunden, so Heider: „Und auch die Zeit nach der Wende gehört natürlich in unsere geplante Publikation.“

Ob Fragen zur Ziegelei, zum längst nicht mehr existenten Restaurant, zum geänderten Bachverlauf oder zu älteren Karten aufgeführten Windmühlen: „Es gibt noch so viel Material, das noch nicht erschlossen ist“, meint Joachim Frenkel. „Vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der uns bei unserer Spurensuche behilflich sein kann.“

 

OSTSEE-ZEITUNG, Freitag, 30. Oktober 2020.


Historische Fotos und Pläne von Althof gesucht

Zur Vorbereitung des 850-jährigen Jubiläums suchen die Initiatoren historische Fotos und Texte. Ansprechpartner ist dafür:

Martin Heider

Münsterverwaltung der Ev.-Luth. Kirchengemeinde

Klosterstraße 2

18209 Bad Doberan

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tel. 038203-779590

 

 

Die Historie der Kloster-Jubiläen – Das Jahr 1921


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Bad Doberan mit seinem Stadtteil Althof, der Stelle der ersten Klostergründung, beging in den letzten 100 Jahren mehrere Kloster-Jubiläen bzw. Gedenken.

So gab es Jubiläumsveranstaltungen in den Jahren 1921 (750 Jahre) und 1971 (800 Jahre), basierend auf dem nicht eindeutig überlieferten Gründungsjahr 1171 im heutigen Althof. Die großen Feierlichkeiten 1986 (800 Jahre) und 2011 (825 Jahre) basieren auf dem Jahr der Neueröffnung des Klosters an heutiger Stelle im Jahr 1186, nachdem die Erstgründung einem Thronfolgekrieg zum Opfer fiel. Auf diese Frühzeit des Klosters soll heute nicht eingegangen werden, sondern auf das Jubiläum im Jahr 1921.

Damals beging Doberan mit diversen Feierlichkeiten und Veranstaltungen sein 750jähriges Jubiläum, im Verständnis eines Ortsjubiläums. Am 1. März, dem offiziellen Gründungstag des Klosters, fand um 10 Uhr ein Festgottesdienst mit Superintendent D. Kliefoth in der Kapelle zu Althof statt. Der Doberaner Kirchenchor sang. Abends 8 Uhr gab es im Rathaussaal zu Doberan einen Familienabend unter größter Beteiligung. Der Sängerbund sang unter Leitung des Lehrers Bura, der Kirchenchor unter Leitung von Organist Wierow. Es gab drei Ansprachen: 1. Doberan einst, 2. Doberan jetzt (Pastor Walter), 3. Doberan in Zukunft (Superintendent D. Kliefoth). Die Hauptfeier fand aufgrund der Witterung erst Anfang Juli statt.

Für den 1. März verfasste der Oberkirchenrat eine Grußbotschaft an die Gemeinde. Diese bezieht sich zunächst auf die Historie, um dann auf die Gegenwart zu kommen: „Aber wie die alte Kapelle zu Althof, so steht in hehrer Schöne, von kunstsinnigen Fürsten und Baumeistern gepflegt und verjüngt, in Doberan das alterhrwürdige Münster, und in beiden Gotteshäusern erschallt das lautere Gotteswort zur Erbauung der Gemeinde auf dem Grunde, der unbeweglich steht. Der allmächtige, ewigtreue Gott walte mit seinem gnädigen Schutz und Segen bis in fernste Zukunft über diese Stätten und lasse sie durch die Kraft des in ihnen verkündeten Evangeliums allezeit Quellorte freudigen Christenglaubens und Pflanzstätten christlicher Bekennertreue sein, dieser Erweisungen des heiligen Geistes, die wir in unseren Tagen zum kirchlichen Neubau wie zum Aufbau unseres zerschlagenen Vaterlandes dringender als je bedürfen. Der Herr höre und erhöre solchen Gebetswunsch, in dem der Oberkirchenrat sich mit der feiernden Gemeinde Doberan-Althof zusammenschliesst! Der Oberkirchenrat. Giese.“

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Althof wird in diesem Schreiben, mitunter auch in der Presse, wiederholt als Alt-Doberan bezeichnet, die Doberaner Kirche als Münster. Beides damals eher selten verwendete Begriffe. Am 19. Juni war Missionsfest in Althof für die Gemeinden Doberan, Althof und Hohenfelde, der unfreundlichen Witterung wegen in der Kapelle. Trotzdem herrschte recht guter Besuch. Ansprachen hielten Superintendent D. Kliefoth über den Spruch: „Ach daß die Hilfe aus Zion kam und Gott sein gefangen Volk erlösete!“, Hilfsprediger Stüwer: „Überblick über den gegenwärtigen Stand der Leipziger Mission“ und Pastor Walter über die Missionsarbeit der Gesellschaft „Licht dem Osten!“ unter den russischen Kriegsgefangenen. Die Kollekte für die Herstellung der Althöfer Orgel betrug brutto 187,85 Mark.

 

Die Jubiläumswoche vom 3. bis 8. Juli 1921


 Die Jubiläumswoche veranstaltete man vom 3. bis 8. Juli. Obwohl die Klostergründung auf den heutigen Stadtteil Althof zurückgeht, konzentrierten sich die Feierlichkeiten auf das Stadtgebiet Doberans.

Die Zeitungen berichteten umfänglich, zumeist in volkstümlicher Erzählweise, über die Geschichte und die Bauten Doberans, kaum jedoch über die Althöfer. Wiederholt verweist man auf die aktuelle „schicksalsschwere Zeit“ und damit auf den verlorenen Krieg und die Wirtschaftskrise.

Wenige Jahre nach dem Ende der Monarchie scheint man dieser durchaus nachzutrauern. Mitglieder der großherzoglichen Familie waren Ehrengäste der Feierlichkeiten.

Die Presse und Festreden thematisieren die großen Verdienste des Herzoghauses für Doberan. Laut dem Mecklenburger Fremdenblatt vom 30. Juni sei Doberan nach der glanzvollen Vergangenheit nun „eine stille träumerische Stadt. Es besinnt sich auf neue Aufgaben.“ Eine Rostocker Zeitung bezeichnet Doberan als „unser liebliches Nachbarstädtchen“.

 

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Aus zahlreichen Druckerzeugnissen, wie Programmblättern und Zeitungsberichten, sei hier auszugsweise aus der Festordnung zitiert:

Sonnabend 2. Juli. 8½ Uhr abends: Begrüßung der Gäste auf dem Kamp. Ansprachen. Promenadenkonzert.

Sonntag 3. Juli. 10 Uhr vormittags Festgottesdienst [die Kirche war überfüllt]. Rückmarsch mit Musik nach dem Kamp. 1 Stunde lang Promenadenkonzert. 12 Uhr mittags: Eröffnung der Kunstausstellung im Palais. 3-4 Uhr nachmittags: Großer Festzug durch die Stadt. 4 Uhr Festrede. Volksfest auf dem Kamp. 8 Uhr abends: Festvorstellung im Rathaussaal „Der Sieger“ von Erst Püschel [täglich bis zum 8. Juli]. 9½ Uhr: Illumination des Kamps. Promenadenkonzert.

Montag 4. Juli. 12-1 Uhr: Kirchenkonzert. 4-6 Uhr: Bunter Nachmittag („Frohe Stunden“) im Rathaussaal [auch am 5. Juli]. 6-7 Uhr Promenadenkonzert auf dem Kamp. Dienstag 5. Juli. 12-1 Uhr Promenadenkonzert auf dem Kamp [täglich bis zum 7. Juli]. Mittwoch 6. Juli. 4-6 Uhr: Kirchenkonzert.

Donnerstag 7. Juli. 2 Uhr: Abmarsch zum Kinderfest vom Markt.

Freitag 8. Juli. Nachmittags: Ausflug nach Heiligendamm. Gemeinschaftliche Kaffeetafel. Konzert.

Das Doberaner Schauspiel „Der Sieger“, aufgeführt im damaligen Rathaussaal, dem Festsaal im Großherzoglichen Palais, thematisierte den Sieg des Christentums über die Wenden in der Zeit der Klostergründung. Es spielten Doberaner unter Mitwirkung von Mitgliedern des Rostocker Stadttheaters unter der Gesamtleitung des Oberspielleiters Alfons Godard. Zu den Rollen zählten Gozzo der Wendenfürst, dessen Tochter Maltela, Abt Konrad, die Mönche Gotthold und Bertram, der alte Wende Radirak, Bischof Berno, ein Oberpriester, der Laienbruder Wernhard. Die großen Kirchenkonzerte leitete Organist Wiedow. Zur Illumination auf dem Kamp im Rahmen des großen Volksfestes glühten tausend Lichterflammen. Es erschienen Doberaner-Jubiläums-Notgeld-Scheine mit Entwürfen von Egon Tschirsch.

Martin Heider


Quellen: Akten aus dem Landeskirchlichen Archiv Schwerin, Pfarrchronik der Kirchengemeinde Bad Doberan 1899-2005.

 

 

Gottesdienste und Andachten im November 2020


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Foto: Glocke von 1301

Sonntags 9.30 Uhr

Gottesdienst im Münster

Mittwochs 12:00 Uhr

Mittagsgebet im Münster

Freitags 13:30 Uhr

Klima-Andacht im Münster


Für diese Veranstaltungen gilt die Beachtung entsprechender Hygienemaßnahmen.

 

 

Doberan und das Münster im Laufe der Jahrhunderte


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Die Urkunden und Akten geben Hinweise über Ereignisse in Doberan im Laufe der Jahrhunderte. Hier eine Auswahl für die Zeit von 1220 bis 1870, die vom Jahr 2020 aus gerechnet "runde" Termine sind, vorgestellt in 100- bzw. 50-Jahres-Schritten.

1220 – Der 5. Abt des Klosters Matthäus ist im Amt. Es ist die Zeit der Fortführung des Baus der romanischen Klosterkirche, dem Vorgängerbau des heutigen Münsters, geweiht 1232. Im Mauerwerk des Südquerschiffgiebels kamen, als man 1890 die Fenster nach unten verlängerte, zahlreiche Architekturstücke aus der Zeit um 1220 zum Vorschein, die auf Bau- bzw. Umbaumaßnahmen verweisen. Darunter waren Fußstücke und Kapitellplatten aus weißem Sandstein, reiche frühgotische Kapitelle und schwarze Marmorsäulen.

1270 – Georg von Zerchen wird der 13. Abt des Klosters. Der Beginn des Neubaus des gotischen Münsters erfolgt um diese Zeit. Das Beinhaus gilt als zu dieser Zeit fertiggestellt.

1320 – Wegen Errichtung einer Kapelle im Doberaner Klosterhof zu Wismar waren zwischen dem Kloster und dem Pfarrer zu St. Marien Differenzen eingetreten. Papst Johann XXII. aus Avignon beauftragt den Thesaurarius am Dom zu Lübeck am 8. Februar 1320 (MUB 4169), beide Parteien zu berufen, die Sache zu hören und seiner Entscheidung durch Androhung des Bannes, der auch die falschen Zeugen treffen sollte, Gewicht zu verleihen. Über den Verlauf des Prozesses ist nichts Weiteres mitgeteilt, so wird doch das Kloster Recht erhalten haben. Es gehörte zu den Privilegien des Klosters, Kapellen in seinen Höfen zu errichten und dort die Messe zu halten.

1370 – Die Doberaner Genealogie entsteht um das Jahr 1370 als Bestandteil des Doberaner Diplomatarium, einer Sammlung der älteren Urkunden des Klosters Doberan. Das Diplomatarium wurde im Anfange des 14. Jahrhunderts angelegt und von verschiedenen Händen durch weitere Urkunden sukzessive erweitert.

1420 – Wie die lateinische Inschrift der Grabplatte im Münster belegt, starb im Jahr des Herrn 1420 am sechsten Tag vor den Iden des Mai (10. Mai) Herr Johannes Plate, der 28. Abt in Doberan.
Im Dachbereich des Nordquerhauses befindet sich eine große funktionstüchtige Seilwinde, um über einen Kragarm im Nordgiebel schwere Lasten heraufzuziehen. Der Windenbaum in neuzeitlicher Fixierung stammt laut dendrochronologischer Untersuchung aus der Zeit um/nach 1420 (Tilo Schöfbeck).

1470 – In der Zeit um 1470 entstanden Grabplatten der Familie von Axekow, die sich noch heute in der ehemaligen Axekowschen Kapelle im Chorumgang befinden (Abb 1). Der Familie, welche 1283 zuerst vorkommt und um 1515 ausstarb, sind vier Grabplatten gewidmet. Ungefähr zeitgleich entstand eine Predella, ein Altaruntersatz, der sich heute unter dem Altar "Ehrenreiche Jungfrau" befindet, aber ursprünglich zu einem anderen Nebenaltar gehörte.

1520 – Die herzoglichen Ablager im Kloster führten durch die herzoglichen Diener wiederholt zur Störung des Klosteralltags. In den 1520er Jahren beschwert sich das Kloster erneut über die Belastungen.

1570 – Eine undatierte Akte, höchstwahrscheinlich entstanden um 1570, belegt das Ansinnen Herzog Johann Albrechts, sich an der Finanzierung der umfänglichen Instandsetzungsmaßnahmen an der Doberaner Kirche zu beteiligen. Der Überschlag benennt den voraussichtlichen Bedarf an Baumaterial und Arbeitslohn. Veranschlagt wurden u.a. 10.000 Mauersteine, 8.000 Dachsteine, 45 Last Kalk und 100 Stücke Eichen-Bauholz, sowie die zu zahlenden Löhne und zu leistenden Naturalien.

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Abb.: Die Lage des herzoglichen Schlosses am Standort des heutigen Amtshauses im Klosterareal - Hofmannscher Plan von 1750. Original im Landeshauptarchiv Schwerin. 

 

1620 – Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges hatten Doberan noch nicht direkt erreicht. Der mittelalterliche und frühneuzeitliche Gebäudebestand hatte noch keine kriegsbedingte Schäden genommen, wie Inventare aus dieser Zeit schließen lassen.

1670 – In den fürstlichen Amtsstuben zu Doberan wurde am 17. Februar 1670 das Protokoll über die Doberaner Kirchenrechnungen von Anno 1660 bis Anno 1661 erstellt, welche vom seligen Kuchenmeister Nikolaus Kirchowen geführt worden waren. Zu den Ausgaben zählten 127 Reichstaler und 16 Schillingen für die Maurer, „für gemachte arbeit an der Kirchen“, 47 Reichstaler und 12 Schillinge „vor bier welches den hand werkern gegeben worden, laut quitunge No. 7“. 67 Reichstaler, 10 Schilling gingen an den Gläser Claus Häncken.

1720 – Herzog Karl Leopold, der eine Zeit lang im Doberaner Schloss residierte, weilte ab 1720 dort kaum noch. Bereits als er 1713 Nachfolger seines verstorbenen Bruders in der Regierung wurde, verlegte er seinen Wohnsitz mehr nach Schwerin. Mit den Ständen und dem Kaiser geriet er wegen seines absolutistischen Herrschens in Streit und wurde durch seinen Bruders Christian Ludwig II. politisch zurückgedrängt. Nun ab etwa 1720 regierte er in Dömitz.

1770 – um 1770 fertigte Ludwig Meinck einen Plan des Doberaner Schlossareals. Dieser zeigt gemäß Legende u.a. folgende Gebäude: das Hochfürstliche Schloß., das Amt, Reit Stall, Wacht Hauß, Brau Hauß, Schlacht Hauß, Wasch Hauß, Alt-Fr. Camer, Wolffs Scheune, Mult Boden und Mühle, Korn Boden, Küchen Garten und des Gärtners Wohnung.

1820 – In den Jahren 1820 und 1821 wurden zwei Heilquellen, eine Schwefelquelle in Heiligendamm und eine „Stahl“-Quelle in Doberan entdeckt. Das Prinzenpalais hatte Baumeister Severin im Jahre 1820/21 für sich selbst als Wohnsitz erbaut. Es wurde ihm aber vom Großherzog abgekauft und dem Erbgroßherzoglichen Paar als Palais übergeben, als dies ebenfalls im Sommer regelmäßig in Doberan weilte. Severin erhielt als Ausgleich einen gegenübenliegenden Bauplatz geschenkt, wo er sich ein kleineres Wohnhaus (jetzt Haus Gottesfrieden) errichtete.

1870 – Die Entwicklung Doberans kam in den 1870er Jahren zu einem vorübergehenden Stillstand und Rückgang. Mitentscheidend dafür waren offenbar die Vergrößerung Heiligendamms, die Abnahme der Bevölkerung durch Seuchen und Auswanderung sowie das Ende der „großherzoglichen Zeit“ im Ort.
Theodor Fontane, der im Sommer 1870 und auch später Urlaub in Warnemünde machte, reiste auch nach Heiligendamm und Doberan. Er schrieb in den „Briefen aus Mecklenburg“ über beide Orte in einer Zeit der Stagnation mit wenig Begeisterung. Zudem blieb ein Fragment „Sommers am Meer“ erhalten. Darin heißt es über Doberan: „Konzerte, Theater, Bank – all das ist so gut wie hin, und nur die Doberaner Klosterkirche ist geblieben. Sie ist sehr schön. Aber was ihr Ansehn sichert, ist doch weniger ihre Schönheit, als der Umstand, daß sie dem Lachbedürfnis der Besucher Nahrung bietet: a.) Die Inschriften. Vom Supe etc. b.) Die Reliquien. Diese sind ein Stein des Anstoßes für die Katholiken, die diese Verhöhnung bitter beklagen.“

Martin Heider


 

 

Doberaner Münster als Raum der Stille geöffnet


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Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie und der damit verbundenen politischen Entscheidungen ergeben sich weiterhin Einschränkungen für den Besuch des Münsters.


Der Besuch aus kunsthistorischem und touristischem Interesse ist nicht gestattet. Es entfallen die reguläre Besichtigung und alle öffentlichen und angemeldeten Führungen.

Für das persönliche Gebet, die persönliche Andacht, das Anzünden von Kerzen und das stille persönliche Verweilen bleibt die Kirche weiterhin geöffnet.

Dies erfolgt täglich von 11 bis 13 Uhr. Es bleiben Änderungen vorbehalten.

Bleiben Sie behütet und gesund!

 

 

Geld für Gewölbe, Tafeln und Mauerwerk


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Die OSTSEE-ZEITUNG berichtete am 28./29. November 2020: Bund gibt weitere 400 000 Euro für Sanierung des Münsters / Investitionen von 1,8 Millionen Euro in drei Jahren geplant.

Von Anja Levien


Bad Doberan. Gute Nachrichten in Krisenzeiten: Der Bund gibt weitere 400 000 Euro Fördermittel für denkmalgerechte Arbeiten am Doberaner Münster. Diese sollen laut Münster-Kustos Martin Heider in vier Projekte fließen. Insgesamt sollen in den kommenden drei Jahren im Münster 1,8 Millionen Euro investiert werden.

Der Blick von Martin Heider geht nach oben ins Gewölbe. Er zeigt auf die Risse, die auch vom Fußboden aus sichtbar sind, den abgebröckelten Putz. Über dem Chorraum und im westlichen Teil des Münsters soll das Gewölbe saniert werden.

Mit den zusätzlichen Mitteln des Bundes und weiteren finanziellen Zuwendungen kann jetzt auch die Vierung – der Bereich, wo Langschiff und Querschiff sich treffen – gleich mit saniert werden.

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Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist seit vielen Jahren bekannt. „Vor 15 Jahren wurde deutlich, dass Risse im Deckengewölbe sind und dass Zuganker gezogen werden müssen, weil die Lasten vom Dachstuhl die Seitenwände nach außen wegschieben“, erläutert Martin Heider. Die Zugkräfte hatten sich verstärkt, als um 1660 der Kreuzgang abgerissen wurde, der direkt an die Kirche grenzte und diese stützte. „Die Schubkräfte nahmen zu, die Wände sind nach außen abgedriftet und das Mauerwerk ist im Inneren gerissen, es haben sich Hohlräume gebildet. Daher wurden vor 15 Jahren als Notmaßnahme Edelstahlanker eingezogen. Was wir damals aus Kostengründen nicht machen konnten, ist, die Gewölbe einmal durchzusanieren.“

Die Freude bei Martin Heider ist daher groß, als ihn am Donnerstag-nachmittag die Nachricht von Eckhardt Rehberg (CDU) über die aufgestockte Bundesförderung erreichte. Der Bund hatte bereits 500 000 Euro Förderung zugesagt. „Eckhardt Rehberg ist ein verlässlicher und aktiver Unterstützer des Münsters“, sagt Heider.

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Auch das Gotteshaus hat mit Einnahmeeinbrüchen zu kämpfen. Im Frühjahr und seit 1. November bleiben aufgrund der Corona-Verordnung die Touristen fern. Doch die Sanierungen sollten dadurch nicht gestoppt werden. Man könne nicht wegen Corona alles rückgängig machen. Martin Heider meldete sich bei Kirche, Landesdenkmalpflege und Co. und konnte weitere Mittel einwerben. „Mit der Förderung unterstützt der Bund auch die Unternehmer im Land. Jede Maßnahme hilft den Restauratoren und den Baufirmen, Aufträge und Einnahmen zu haben.“

Das sieht auch Eckhardt Rehberg, CDU-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestags, so: „Der Tourismus stellt in Mecklenburg-Vorpommern einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar. Eine immer größere Bedeutung nimmt dabei der Kulturtourismus ein, mit dem zugleich wichtige wirtschaftliche und damit beschäftigungsfördernde und -sichernde Effekte verbunden sind. Diese können insbesondere im ländlichen Raum wesentlich dazu beitragen, die regionale Beschäftigungssituation zu stabilisieren.“


Foto 2 und 3 (TSP-Spezialbau v. Cossart & Drummer GbR): Schäden am Deckengewölbe.

 

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