Inventarisation mittelalterlicher Glasmalereien von um 1300

Im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts Corpus Vitrearum Medii Aevi (https://corpusvitrearum.org/; https://corpusvitrearum.de/) werden sämtliche vor 1550 entstandenen Verglasungen in Mecklenburg-Vorpommern und somit auch die im Doberaner Münster fotografiert, kunsthistorisch erforscht und abschließend in einem Corpusband publiziert.
Die Glasmalereien des Doberaner Münsters sind um 1300 entstanden und gehören damit zu den ältesten Verglasungen Norddeutschlands. Sie werden dabei einen zentralen Bestandteil bilden und wurden nun Mitte Juli 2026 inventarisiert. Die Felder wurden hierfür ausgebaut, von der Vorder-und Rückseite untersucht und in einer Stellage professionell fotografiert.
Zugleich erfolgte ein restauratorischer Kontrolltermin. Dabei prüfte man Abplatzungen, Schimmelbefall, Glaskorrosion sowie die Wirksamkeit von Schutzverglasung und Haltekonstruktion und reinigte Scheiben, Halterungen und Schutzgläser mit einem Wasser-Ethanol-Gemisch.
Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften finanzierte die Gerüststellung für die bei den betroffenen Fenster. Ausbau und restauratorische Begleitung erfolgten durch Dipl.-Rest. Kathrin Rahfoth, Erfurt. Die Kosten hierfür tragen die Kirchengemeinde (Münsterhaushalt) und der Denkmalfonds des Kirchenkreises Mecklenburg gemeinsam. Als Fotograf war Holger Kupfer tätig. Die Aufnahmen stehen der Kirchengemeinde kostenfrei zur Verfügung.
Die Maßnahme betrifft die Depotfenster nord XIV im nördlichen Seitenschiff und süd XV (oben) im südlichen Seitenschiff, in denen seit den späten 1970er-Jahren beziehungsweise seit dem späten 19. Jahrhundert der größte Teil der mittelalterlichen Scheiben versammelt ist. Die Arbeiten dauerten knapp zwei Wochen.

Schadhafte Windstangen von um 1978 brauchen Ersatz
Die Inventarisation der mittelalterlichen Glasmalereien von um 1300 brachten Schäden an den Stabilisierungs-und Halterungselementen zum Vorschein, die im Idealfall im Kontext des Ausbaus zum dauerhaften Erhalt des wertvollen Glasbestands behoben werden sollen.
Die Maßnahme hatte auch das Ziel, zu prüfen, ob es Abplatzungen, Schimmelbefall oder Korrosion gibt und ob die Schutzverglasung und Luftzirkulation noch funktionieren. Diplom-Restauratorin (FH) Kathrin Rahfoth und alle am Projekt Beteiligten mussten im Rahmen des Ausbaus der Glasfenster und der konservatorischen Bearbeitung zur fotografischen Erfassung der Glasfelder feststellen, dass sich die rückseitig mit Kupferdraht befestigten Windstangen aus der Zeit um 1978 (Glaswerkstatt Hajna, Erfurt) sehr stark korrodiert haben.
Um einen Abtrag von Korrosionsprodukten in die Oberflächen der Glasfelder zu vermeiden, wird empfohlen, das Windstangenmaterial gegen Kupferrundstab auszutauschen. Die Vorhangkonstruktion im Fenster zur Montage der nach innen vorgehängten Glasfelder erfolgte mit Eisenschrauben, die korrodiert sind; auch hier wird der Austausch gegen Edelstahlschrauben empfohlen.
Zu den notwendigen Maßnahmen zählen der Ersatz der vorhandenen Windstangen durch neue Windstangen aus Kupferrundstab 8 mm, das Ablöten der vorhandenen Windstangen, das Lösen der Kupferdrahthaften und deren Austausch durch neue Kupferdrahthaften, da die vorhandenen Drahthaften brüchig und nicht wiederzuverwenden sind. Hinzu kommen der Zuschnitt des Kupferrundstabes und das Abflachen der Enden sowie das Auflöten auf den vorhandenen Kupferrahmen. Insgesamt sind 101 Windstangen und etwa 550 Drahthaften zu erneuern, ebenso rund 200 Schrauben zur Befestigung der Vorhangkonstruktion.
Nun ist die Münsterverwaltung der Kirchengemeinde im Kontakt mit den kirchlichen und staatlichen Baubehörden, um die Maßnahme inhaltlich zu klären, aber insbesondere eine tragfähige Finanzierung für diese ungeplante Maßnahme sicherzustellen.
Zusammenstellung: Martin Heider (unter Verwendung der Projekt-und Angebotsunterlagen von Dr. Markus Mock (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Glasmalereiforschung des Corpus Vitrearum Medii Aevi) und Diplomrestauratorin (FH) für Glasmalerei und Glasfenster Kathrin Rahfoth. Foto 1: Martin Heider, Foto 2: Kathrin Rahfoth.

