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Besuch am Grab der Ahnen


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Auch die Ostsee-Zeitung berichtete:

Donata, Chefin des Hauses Mecklenburg-Schwerin, gab aus Anlass des 850. Todestages von Fürstin Woizlawa in Althöfer Grabkapelle Einblicke in ihre Familiengeschichte.

Von Werner Geske


Bad Doberan. Im vergangenen Jahr machte Dr. Joachim Frenkel (69) vom Althof-Verein eine besondere Bekanntschaft: „Während des 850. Jubiläums von Althof kam ich in der Kapelle des Ortes mit einer Dame ins Gespräch, deren Sachkenntnis und Interesse an der Geschichte dieses Ortes mich beeindruckte.“

Als sie sich ihm als Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff vorgestellt habe, sei er zunächst etwas verblüfft gewesen, gibt Frenkel zu. Vor allem habe er sich gefreut, ihre Bekanntschaft gerade in der Althöfer Kapelle zu machen, in der ihre Ur-Ahnin und Kloster-Mitbegründerin, Fürstin Woizlawa, im Jahre 1172 beigesetzt wurde, schildert er diese Begegnung. Das unerwartete Treffen endete mit dem Versprechen der Herzogin, einer Einladung im 850. Todesjahr Woizlawas zu folgen und dabei das Wirken ihrer Vorfahrin zu würdigen.

Zur Freude der Mitglieder des Althof-Vereins und der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde löste die Chefin des Hauses Mecklenburg-Schwerin jetzt ihr Wort in der fast bis auf den letzten Platz gefüllten Kapelle ein. Zunächst machte jedoch Martin Heider, Kustos des Doberaner Münsters, mit aktuellen Forschungsergebnissen zu Woizlawa bekannt. Dabei betonte er, dass es wichtig sei, 850 Jahre nach der Bestattung der Fürstin und 851 Jahre nach dem Einzug der Mönche dieser Gründer zu gedenken und sich weiterhin intensiv mit diesem Ort und seiner Geschichte auseinanderzusetzen. Er bekannte aber, dass die schriftliche Überlieferung „eher dürftig“ sei.

Eine Inschrift in der Kapelle aus dem frühen Mittelalter gehöre zu den wenigen Quellen. Heider kam aufgrund seiner Nachforschungen zu der Auffassung, dass Woizlawa nicht norwegischer Herkunft war, sondern die Tochter des pommerschen Fürsten Wartislaw I. Er würdigte auch das seit dem 16. Jahrhundert verstärkte Interesse des mecklenburgischen Herzogshauses, das historische Forschungen zu seiner Stammmutter in Auftrag gab. Es sorgte später ebenfalls dafür, dass die Grabkapelle in einen würdigen Zustand versetzt wurde. Diese Bemühungen fanden durch die Umgestaltung der Kapelle durch den berühmten Architekten Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915) zwischen 1885 und 1888 einen Höhepunkt.

Dass auch in der 27. Generation nach Woizlawa das Interesse des Hauses Mecklenburg an dieser Persönlichkeit noch anhält, machte der anschließende Vortrag von Herzogin Donata (66) am Grab ihrer Ur-Ahnin deutlich. Sie sei dankbar dafür, über die Geschichte ihrer Familie sprechen zu können. Mit Stolz blicke sie darauf zurück, meinte die Rednerin. Allerdings sei es auch für sie nicht einfach, sich angesichts fehlender Quellen ihrer bedeutenden Vorfahrin zu nähern: „Doch ich bin beeindruckt von der Rolle, die diese bei Christianisierung und der Gründung des Klosters Doberan gespielt hat.“

Dass die Fürstin bis in die Gegenwart in ihrer Familie eine Rolle spielt, belegte Herzogin Donata mit einer von ihr verehrten Tante, die ebenfalls den Namen Woizlawa trug und 2019 im Alter von 101 Jahren verstarb: „Ihr Leben war ein Jahrhundert, das auch für unsere Familie eine besondere Zeit war. Mein Großvater, Großherzog Friedrich Franz IV., musste 1918 im Verlauf der Novemberrevolution abdanken. Nach 1945 floh unsere Familie vor der Roten Armee und fand auf Gut Hemmelmark bei Eckernförde eine neue Heimat. Unser Besitz in Mecklenburg wurde enteignet.“

Ihr Vater, Christian Ludwig Herzog zu Mecklenburg (1912-1996), den sowjetische Militärbehörden verhafteten, sei als Kriegsgefangener nach Russland gekommen und erst 1953 nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt, ließ die Rednerin mit Rührung in der Stimme wissen. Seiner Mecklenburger Heimat sei ihr Vater zeit seines Lebens tief verbunden geblieben, versicherte die Tochter. Seine Heimatliebe habe er an seine Töchter Donata und Edwina weitergegeben. „Dennoch blieb auch Bad Doberan lange Zeit nur ein abstrakter Ort für uns. Das änderte sich erst, als wir Ende der 1980er Jahre bei einem DDR-Besuch Gelegenheit bekamen, gemeinsam mit dem Vater die Stätten seiner Kindheit und Jugend zu besuchen. Für ihn war es ein großes Glück, dass er die deutsche Wiedervereinigung noch erleben konnte. Nach 1990 ist er oft in die alte Heimat gereist und dabei auch gerne in Bad Doberan gewesen. Er wirkte auf uns dabei wie verjüngt“, berichtete die Herzogin.

Nach dem Vortrag lud Joachim Frenkel zu einem vom Althof-Verein liebevoll vorbereiteten Picknick. Dabei mischte sich Herzogin Donata, die von ihrem Gatten Alexander von Solodkoff (71) begleitet wurde, im eleganten grün-weiß gemusterten Etuikleid unter das Publikum. Im Gespräch bekannte die gebürtige Kielerin, dass sie inzwischen längst in Mecklenburg heimisch geworden sei: „Mein Mann und ich sind oft hier und lieben dieses wunderschöne Land. Inzwischen haben wir neben Gut Hemmelmark einen weiteren Wohnsitz in Schwerin in der Nähe des Schlosses.“

Gern bringe sie sich in das geistig-kulturelle Leben in MV ein: „Zum Beispiel durch Schirmherrschaften und als Mitglied des Kulturbeirates des Landes.“ Auf die Jahre zurückliegende Auseinandersetzung mit dem Land MV um den Ankauf von Kunstwerken aus dem Besitz ihrer Familie eingehend, freute sich die Chefin des Hauses Mecklenburg-Schwerin darüber, dass die Probleme 2013 in beiderseitigem Interesse geklärt worden seien. Angesichts der herzlichen Aufnahme in Bad Doberan versicherte sie: „Ich werde versuchen, mich künftig noch öfter hier sehen zu lassen. Ein wunderschöner Ort mit liebenswerten Menschen, an dem sich schon meine Vorfahren offensichtlich wohlgefühlt haben.“

Quelle: Ostsee-Zeitung Bad Doberan, Dienstag, 23. August 2022


Foto: Martin Heider, Kustos des Bad Doberaner Münsters (l.), überreichte Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff sein Buch „Die Geschichte von Althof“. Mit dabei Dr. Joachim Frenkel vom Althof-Verein. Foto: Werner Geske

 

 

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