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Das Klima im Doberaner Münster im Sommer 2019


Klima Münster
"Das Klima im Doberaner Münster im Sommer 2019 nach dem Supersommer"
Von Dr. Gerhard Schmager /Münsterführer

Der Sommer 2019 war lt. Pressemitteilung des DWD vom 30.08.2019 der drittwärmste in Deutschland seit 1881, in Mecklenburg-Vorpommern war es der zweitwärmste seit 1881 nach dem Supersommer 2019. Die Mittelwerte von Lufttemperatur und relativer Feuchte für die Sommer 2018 und 2019 von verschiedenen Messstelen im Münster, für die DWD-Station Warnemünde und das Gebietsmittel für das Land Mecklenburg-Vorpommern (DWD-MV) sind in Tabelle 1 zusammengestellt

Tab.01 Vergleich LT RF 2018 2019 color

Tabelle 1: Mittelwerte von Lufttemperatur und relativer Feuchte für die Sommer 2018 und 2019

 

 


Im Vergleich zum Vorjahr war der diesjährige Sommer im Münster um 0.9 K kälter, in Warnemünde um 0.4 K und in MV lediglich um 0.1 K kälter als im letzten Jahr.

Die Mittelwerte der Luftfeuchte weichen unbedeutend voneinander ab.

Die statistischen Charakteristika für Niederschlag und Sonnenscheindauer sind in Tabelle 2 zusammengestellt worden.

Niederschlag fiel deutlich häufiger im Sommer 2019, was sich auch in der Niederschlagssumme widerspiegelt. Allerdings war auch dieser Sommer zu trocken.

Im Vergleich zum Supersommer schien die Sonne im Jahr 2019 rund 30 bis 40 Stunden weniger.

 

Tab.01 Vergleich LT RF 2018 2019 color

Tabelle 2: Niederschlagssumme, Zahl der Niederschlagstage und Sonnenscheindauer für die Sommer 2018 und 2019

Der Sommer 2019 war aber auch ein Sommer mit zahlreichen Wetterrekorden, denn vielerorts wurden die historischen Temperatur- und Niederschlagsrekorde überboten und dieser Sommer wird den Doberanern nicht nur durch das Unwetter am 15.06. in Erinnerung bleiben, als der Klostermarkt von Sturmböen fast weggefegt wurde und das traditionelle Anbaden durch Großherzog Friedrich Franz abgesagt werden musste – erstmals, wie von Herrn Rehwaldt zu erfahren war. Noch heftiger wurde es am 31.07.2019. Sintflutartiger Regen ergoss sich über der Stadt und innerhalb einer Stunde fielen bis zu 70 l Wasser. Straßen wurden überschwemmt, der Molli fuhr in einem Wasserbett und Keller liefen voll Wasser. Eine Übersicht über die Niederschlagsmengen, die in z.T. nur 30 Minuten auf Doberan niederprasselten, vermittelt Tabelle 3, die mit Unterstützung von Frau Böttcher – Bad Doberan - erstellt wurde.

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Tabelle 3: Niederschlagssummen am 31.07.2019 in Bad Doberan und in benachbarten Orten

 

 


Das Sturm erprobte Münster hat diese Unwetter unbeschadet überstanden.

Lediglich der Schlagregen am 15.06. war so kräftig und heftig, dass es durch einzelne Fenster bis auf den Fußboden sprühte – wie im Bereich Fürstenepitaph.

Davon wurden die Temperatur- und Feuchteverhältnisse im Eingangsbereich jedoch kaum beeinflusst (s. Abb. 1). Die relative Feuchte nahm in Verbindung mit diesem Schlagregen kurzzeitig zu.

 

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Abbildung 1: Lufttemperatur und relative Feuchte am 15.05.2019 im Eingangsbereich (Fürstenepitaph)

Abbildung 2 zeigt die Temperaturverhältnisse während des Unwetters am 31.07.2019. Sie sind für den Standort Fürstenepitaph (FE), Dachstuhl über dem Mittelschiff (DS) und Warnemünde dargestellt worden.

 

Abb.2 LT 31.07.2018 FE DS WDE

Abbildung 2: Tagesgang der Lufttemperatur (LT) am 31.07.2019 im Münster (Fürstenepitaph und Dachstuhl über dem Mittelschiff) sowie in Warnemünde (LT-WDE).

 

 


Die heftigen Turbulenzen am Nachmittag des 31.07.2019 spiegeln sich weder in den Temperaturen im Dachstuhl noch im Münster wider. Die Lufttemperaturen im Dachstuhl, die eine gute Korrelation mit den Lufttemperaturen der Umgebungsluft (hier Warnemünde) zeigen, weisen auf eine gute Durchlüftung des Dachstuhls hin. Das Münster steht wie ein Fels in der Brandung (Klimawandel). Derart kurzlebige atmosphärische Ereignisse haben keinen oder einen vernachlässigbaren Einfluss auf das Raumklima des Münsters und auf dessen einzigartige mittelalterliche Ausstattung.

In diesem Report soll aber auf langfristige Wirkungen hingewiesen werden, die im Zusammenhang mit Temperaturänderungen stehen, die durch die Sonnenstrahlung verursacht werden und besonders den Kreuzaltar betreffen. Er stand mehrere Jahrzehnte vor dem großen Westfenster und nach Voss (2008, S.71) „... ist von der ursprünglichen Farbigkeit … infolge der Umsetzung vor das große Westfenster … nicht viel übrig geblieben“.

Zweifelsfrei haben Sonne, Feuchtigkeit und Lufttemperaturschwankungen erheblich zu dem o.g. Zustand geführt. Der Kreuzaltar befindet sich seit 1984 in angemessener Entfernung zum großen Westfenster. Jedoch zeigen die seit 2016 durchgeführten Messungen am Kreuzaltar einen engen Zusammenhang zwischen täglichen Änderungen der Lufttemperatur und der Sonnenscheindauer.

Dieser Zusammenhang ist in Abbildung 3 dargestellt.

Tab.01 Vergleich LT RF 2018 2019 color

Abbildung 3: Tägliche Änderungen der Lufttemperatur (LTDIF) am Kreuzaltar in Abhängigkeit von der täglichen Sonnenscheindauer (SD) in Warnemünde im Zeitraum 2016 bis 2019 für die Sommer-Monate

 

 


Wie Tabelle 4 zeigt, war die Sonnenscheindauer in den letzten beiden Sommern deutlich höher als 2016 und 2017. Das drückt sich dann auch aus in einer höheren Belastung des Kreuzaltars durch tägliche Temperaturänderungen von mehr als 1.4 Grad. Im Supersommer 2018 sind solche Änderungen an mehr als der Hälfte der Sommertage gemessen worden.

 

Abb.2 LT 31.07.2018 FE DS WDE

Tabelle 4: Charakteristika von Sonnenscheindauer und Anzahl der Tage mit täglichen Änderungen der Lufttemperatur von mehr als 1.4 Grad

Der Sonnenstrahlung ausgesetzte Altäre wie in der - Simultankirche St. Petri Bautzen - Unikirche Rostock - Klosterkirche Cismar (Cismarer Altar) werden durch UV-Folie (Bautzen) oder Vorhänge geschützt.

Der Zustand des Kreuzaltars, wie er sich den Restauratoren in den 1970er Jahren darstellte, war Ergebnis von mehr als 100 Jahren Witterungseinflüssen vor dem Westfenster. Da ein Ende des Anstiegs der globalen Lufttemperaturen nicht in Sicht ist, werden sonnenscheinreiche Sommer häufiger als bisher auftreten und damit die thermische Belastung für den Kreuzaltar zunehmen und möglicherweise von Nachteil für Farben und Vergoldung sein.

Dr. Gerhard Schmager

 

 

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