Glockenanlage durch Blitzeinschlag beschädigt


27 Dreiergelaeut

Manche Doberanerinnen und Doberaner wundern sich vermutlich, warum nicht wie gewohnt täg­lich dreimal zu den Tageszeiten geläutet wird und zu Gottesdiensten und Veranstaltungen nur ein reduziertes Geläut zu hören ist. Ein starker Blitzeinschlag am 20.07.2026 verursachte Schäden an der Glockensteuerung sowie an weiteren elektrischen Anlagen im und um das Münster.


Überspannungsschutzschalter haben dabei offenbar größere Schäden verhindert. Udo Griwahn aus Grimmen, Elektromeister und Fachhandwerker für Turmuhren- und Läuteanlagenbau, betreut die Uhr- und Läuteanlage im Münster. Er überprüfte die Glockenanlage wenige Tage nach deren Ausfall. Da es Newsletter-Leser gibt, die an technischen Details interessiert sind, veröffentlichen wir diese hiermit:

Nach dem Wiedereinschalten der Hauptsicherungen am Tag nach dem Blitzschlag ließen sich drei der vier Glocken von Hand einschalten. Die große Glocke und die Schaltuhr funktionierten jedoch nicht. Beim Öffnen der Schaltuhr, wenige Tage nach dem Ereignis, stellte Udo Griwahn einen beißenden Geruch fest. Offenbar wurde die Spannungsversorgung der Uhr auf der Leiterplatte beschädigt. Der Transformator auf der Leiterplatte hat sich verfärbt und ver­formt. Die Feinsicherung der Schaltuhr löste nach dem Blitzschlag aus und spricht auch nach dem Austausch der Sicherung weiterhin wiederholt an.

Auch die Steuer-und Leistungsplatine der großen Glocke ist durchgebrannt. Im Leistungsbereich der Leiterplatte ist ein sichtbarer Spannungsüberschlag erkennbar. Ein Varistor ist explodiert und hat Schmauchspuren hinterlassen. Die Leiterplatte wurde ausgebaut und der Münsterverwaltung übergeben. Grundsätzlich arbeiten die elektrischen Glockenantriebe auf zwei Spannungsebenen:

Der Steuerungsteil arbeitet mit 230 V Wechselspannung („Lichtstrom“); Dazu gehören die Glockenschalter und die Schaltuhr unten in der Kirche sowie die Spannungsversorgung der Steuerplatinen oben in der Glockenstube. Jede Glocke verfügt über eine Steuerplatine und einen elektronischen Geber, der sich am jeweiligen Motor befindet.