Bild-Text-Tafel für Peter Wise

Bild-Text-Tafel Peter Wise

Das Recht, in der Kirche begraben zu werden, war bis zum späten Mittelalter nur einem kleinen Kreis von Personen gewährt, zu dem neben Angehörigen des Herrscherhauses und der Geistlichkeit manchmal auch Adlige zählen konnten, die sich durch Stiftungen um das Wohl der Kirche verdient gemacht hatten. Zu diesem engen Kreis zählten auch verdienstvolle Förderer.

Einer von ihnen war der Lübecker Kaufmann Peter Wiese. Zwei seiner Brüder, Johann und Heinrich, waren Mönche im Doberaner Kloster. Es ist auch bekannt, dass sein Bruder Johann 1336 das Amt des Schatzmeisters innehatte.
Mit der Stadt Lübeck verbanden das Kloster Doberan enge wirtschaftliche Kontakte. So gab es in der Lübecker Mühlenstrasse einen Doberaner Wirtschaftshof. Dieser lag in unmittelbarer Nähe zum Haus des Bischofs.

Es ist überliefert, dass Peter Wiese viel Geld zum Kirchenbau des gotischen Münsters stiftete. Kurz vor seinem Tode löste er das Klostergut Admannshagen, welches an Rostock verpfändet war, wieder ein. Das Kloster verpflichtete er dafür, drei Altäre aus den Einkünften des Guts zu stiften und zu unterhalten. 
Ein weiterer Verdienst, der ihm zugeschrieben wird, ist die Vermittlung während des sogenannten Mönchkriegs in den Jahren 1336-37. Zwischen den sächsischen und slawischen Mönchen war es im Kloster zum Streit über die Wahl des Abtes gekommen.

Beide Parteien bestanden darauf, dass der Abt aus jeweils ihren Reihen stammen sollte. Der damalige Abt Johann von Elbingen musste zurücktreten. Der Sachse Konrad IV wurde neuer Abt. 

Man nimmt an, dass Peter Wiese seine letzten Jahre, möglicherweise sogar als Mönch, im Kloster verbrachte. Nach seinem Tod am 29. April 1338 fand er seine letzte Ruhestätte im Münster. Seine Grabplatte sowie ein wohl erst 200 Jahre nach seinem Tod entstandenes Bildnis sind heute im Chorumgang der ehemaligen Klosterkirche zu sehen.

Das hölzerne Tafelbild zeigt Wiese als selbstbewussten Handwerker in der Zeit um 1500. Eine Hand hat er im Geldbeutel, als ob er daraus etwas hervorholen wollte. Mit 1000 Mark lübischem Geld stiftete er dem Kloster eine gewaltige Summe. 

In lateinischer und plattdeutscher Schrift ist an der Bildtafel unter anderem zu lesen, welch Vermächtnis Peter Wiese den Klosterbrüdern hinterließ.
Die halb niederdeutschen, halb lateinischen Verse, sind hier frei in hochdeutscher Übersetzung aufgeführt: 

Hier in diesem Grab ruht Peter Wiese,
Gott gebe ihm die himmlische Speise,
Leser, sprich ein Gebet für seine Seele, 
Gott gebe ihm die Gnad vor Tugend viele. 
Zeitlebens war er ein Freund des Klosters.
Bei seinem Sterben hat er dies reichlich bewiesen
Drei Altäre hat er uns gestiftet,
Und Sachen uns geschenkt, daran uns genüget,
Darum soll unser Gebet immer bei ihm sein
Auf Davids Thron zu sitzen wollen wir ihm schreiben. 

Über dem Text ist Wiese mit einem pelzverbrämten Rock bekleidet dargestellt. Er trägt einen weißen und einen roten Strumpf. Der Sage nach wurde Peter Wiese während des Kirchenbaus eines Morgens geweckt, da eine der Säulen im Querschiff eingestürzt war. Auf Grund der Eile beim Anziehen erwischte er verschiedenfarbige Strümpfe. 

Andé Starck / Martin Heider