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23.09.2017

Das Münster in der Reformationszeit

Zisterzienserorden und Reformation. Doberaner Kloster in den 1520er Jahren. Nächster Vortrag am 23.9.17

Einstellung des Zisterzienserordens zur Reformation

"Das Doberaner Münster im Jahrhundert der lutherischen Reformation" ist der Titel einer Vortrags- und
Sonderführungsreihe, die anlässlich von 500 Jahren Reformation angeboten wird. In Vortrag 3 wurde u.a. der Frage nachgegangen, wie sich das Kloster in der Reformationszeit entwickelte und wie der Zisterzienserorden damals auf Luthers Wirken reagierte. Einige ausgewählte Informationen:  


Der Zisterzienserorden stellte sich gegen die Reformation


Das Wirken Luthers wird sehr bald nach 1517 im Zisterzienserorden wahrgenommen. Der Zisterzienserorden und viele Äbte stellten sich energisch gegen die Reformation. Auf einem Generalkapitel wurde die Reformation in deutschen Landen erstmals im Jahr 1522 thematisiert! Sie galt als ein Abfallen vom christlichen Glauben. Das Generalkapitel drohte Sympathisanten des Reformators mit der Exkommunikation.




Zutiefst verurteilend sprach sich nur ein Jahr später ein norddeutsches Kloster aus, welches so wie Doberan zur nordostdeutschen Ordensprovinz gehörte, das Kloster Kolbatz (gelegen zwischen Stettin und Stargard in Pommern).
„In dieser Zeit“, so heißt es in den Annalen, „trat aus dem Dunkel des Klosters zu Wittenberg ein Augustinermönch, Namens Martin Luther, hervor. Dieser legte die Evangelien und die Schriften Pauli nach seinem Sinne aus und zerriß durch verschiedene Irrlehren die Einheit der Kirche. Viele Priester und Mönche ließen sich durch seine verkehrten Ansichten verführen und hingen ihm an. Freilich viele andere widerstanden ihm durch den Geist Gottes geleitet. Papst Leo erklärte seine Schriften für ketzerisch, der Kaiser verbot sie und viele gelehrte Theologen schrieben gegen ihn, ja selbst der König Heinrich von England.“

Martin Heider 


Abb.: Luther verbrennt die Bannandrohungsbulle.
aus: Ludwig Rabus, Historien des Heiligen Auserwählten Gottes Zeugen, Straßburg 1557
Übernommen von Wikimedia Commons, the free media repository

 

Das Doberaner Kloster in den 1520er Jahren

Auch solche Ereignisse werden in der Vortragsreihe vorgestellt, die nicht immer unmittelbar im Zusammenhang mit der Reformation stehen müssen, uns aber wesentliche Hinweise für die späte Klosterzeit geben.

So erfolgt im Jahr 1522 eine Visitation des Tochterklosters Pelplin unter Mitwirkung des Doberaner Priors. Die Ewige Union der Stände in Mecklenburg wird 1523 auch durch den Doberaner Abt unterzeichnet.

Bereits vor der Reformation und der Auflösung des Klosters war die Althöfer Kapelle in einem
vernachlässigten Zustand. Sie wurde im Jahr 1522 verwahrlost von Herzog Heinrich V. und Nicolaus Marschalk an einem „wilden Ort“ entdeckt. Schon 1312 litt die Kapelle während der kriegerischen Bewegungen unter der Regierung des mecklenburgischen Fürsten Heinrich des Löwen, und in der Zeit von 1450-1461 war sie schon so baufällig, daß sie umgebaut werden mußte. In der Reformationszeit scheint das Gotteshaus aber ganz vergessen, später wurde sie als Backhaus benutzt.

Kapelle Althof vor 1821

Weist der Amelungsborner Abt im Jahr 1502 in einem Brief an die mecklenburgischen Herzöge in Visitations- und Reformangelegenheiten noch auf die Bedeutung der ersten Gründung hin, und das Blut, welches die ersten Mönche aus dem Mutterkloster als Märtyrer hier vergießen mussten, scheint der Ort liturgisch und im Kontext der Historie der Abtei für den Konvent nun keine besondere Rolle mehr besessen zu haben.
Ist man nicht mehr in der Lage, die baulichen Relikte am Ort der Klostergründung zu erhalten? Als Wirtschaftshof wurde Althof jedoch weiter genutzt. Die Verwilderung des Ortes könnte eines der zahlreichen Zeichen für den zunehmenden wirtschaftlichen und geistlichen Niedergangs des Klosters sein.

Im Jahr 1524 verzichtet der Doberaner Abt auf das Aufsichtsamt über die Rostocker Universität. Abt Nikolaus begründete es damit, er habe keine Zeit, fremde Angelegenheiten zu erledigen. In Wirklichkeit fehlte es ihm wohl im zunehmend lutherisch geprägten Rostock an Ansehen und Macht, dieses Amt wie bislang auszuüben.
Die antiklerikale Stimmung in vielen Städten und Territorien des Reichs nahm zu. Auch aus Zisterzienserklöstern liegen derartige Berichte vor. In Rostock waren bereits die ersten lutherischen Prediger tätig. In der mitunter aufgeheizten Stimmung Rostocks wird sich der Abt in diesem Amt kaum noch sicher gefühlt haben. Sieben Jahre dauerte die Verbreitung der Lehre Luthers bereits an.  

Martin Heider



Nächster Vortrag über die Reformationszeit: 

Der vierte Vortrag findet im Rahmen der Doberaner Klostertage am Sonnabend dem 23. September um 15.30 Uhr im Doberaner Münster statt. Der Eintritt ist frei. Spenden werden erbeten.
Weitere Informationen unter www.muenster-doberan.de