• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
22.12.2008

Rettung für Amtshaus

Die Kirchgemeinde will das Amtshaus kaufen und sanieren. Ein Haus der Begegnung, Kultur und Bildung für alle soll dort entstehen.

Bad Doberan: Albrecht Jax ist erleichtert: "Der steinige Weg ist frei gelegt. Und wir haben Planungssicherheit fürs Amtshaus", sagt der Münster-Pastor. Die Stadtvertreter hatten in dieser Woche einhellig - wie selten zuvor - für das Projekt gestimmt und den Einsatz von Städtebaufördermitteln in einer Höhe von bis zu 940 000 Euro beschlossen. Hintergrund: Das Amtshaus in der Klosterstraße 1 befindet sich im Sanierungsgebiet der Altstadt, steht unter Denkmalschutz. Es ist der bedeutendste nachreformatorische Bau nahe des Westtors des ehemaligen Klosters. 1793 bis 1801 ließ es Johann Christoph Heinrich von Seydewitz als Jagdschloss des Herzogs errichten. Später diente das Domizil als herzogliche Amtsverwaltung, daher der Name. Interessant: Das Gebäude entstand einst auf den Fundamenten des Gästehauses des Klosters. Der eingeschossige Fachwerkbau besitzt ein Krüppelwalm-Mansard-Dach und einen Dreiecksgiebel. Es gehört in die Reihe der prägenden Gebäude in Doberan, als der Ort mit Heiligendamm zur Sommerresidenz des mecklenburgischen Fürstenhauses avancierte. Nach der Wende residierte dort das Arbeitsamt, danach die Stadt- und Kreisbibliothek. Seit deren Auszug 2001 steht das Denkmal - Eigentum des Landes - leer. Und verfällt zusehends.

"Wir haben lange überlegt und uns entschlossen, das Amtshaus zu kaufen und zu sanieren. Die Kirchgemeinde will es zum Haus der Begegnung, Bildung und Kultur entwickeln. Für unsere 2000 Gemeindeglieder, für alle Doberaner und ihre Gäste", erzählt Jax. Ein herausragender Schritt, denn rund 1,7 Millionen Euro müssen in das Vorhaben gesteckt werden. Geld, das die Kirche aufbringen will, weil ihre Räume im Küsterhaus längst nicht mehr ausreichen. Der Saal dort ist für die Gemeindearbeit zu klein. Darüber hinaus bleibt kaum Platz für die Münsterführer und die Pilger. Seit Januar gibt es hier auch die Suppenküche, die werktags bis zu 120 Menschen besuchen. "Aus dem Verkauf unserer Liegenschaft in der Dammchaussee vor Jahren stehen Gelder für ein Gemeindezentrum bereit. Und wir werden Fördermittel beantragen", sagt Jax. Unterstützung wird auch von der Stiftung Denkmalschutz erwartet. Deren Vorsitzender Professor Gottfried Kiesow hatte geraten, keinen Neubau im Küstergarten zu favorisieren, sondern die Immobilie im Klosterareal zu nutzen. Am 18. Dezember will Pastor Jax nun den Kaufvertrag unterzeichnen.

"Die Baupläne sind fertig. Das Projekt liegt vor. Ebenfalls die Genehmigung vom Kreis-Bauamt", weiß Kustos Martin Heider. Die Sanierung des Amtshauses unterstütze das Ansinnen, mit dem Münster und dem Kloster in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen zu werden, betont er. Und es wird Platz geschaffen für neue Begegnungen. "Wir beabsichtigen, im Erdgeschoss einen Saal für etwa 200 Menschen zu etablieren", erklärt Jax. Ein Raum für Gottesdienste, Gemeindefeste, Konzerte, Vorträge, Aufführungen, Tagungen. Kirchlicher oder weltlicher Art. Daneben entstehen Funktions- und Kommunikationsräume. Zugänge werden behindertengerecht gestaltet, Küche und Sanitärsektor ausreichend dimensioniert. Im Obergeschoss werden vier weitere Räume erschlossen und die Pfarrwohnung integriert. "Wenn der Notarvertrag unter Dach und Fach ist, wird das Projekt 2009 starten", weiß Pastor Jax, der für die Umsetzung zwei Jahre anberaumt. Er möchte viele Menschen für die Idee begeistern, sie mitnehmen, ein altes Haus neu zu beleben.

ANETT JONUSCHAT

www.ostsee-zeitung.de

Wochenendausgabe, 13. Dezember 2008