• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
30.11.2007

"Schwan vor dem Münster erneuert"

Nun thront er wieder auf seinem Podest:

Schwan vor dem Münster erneuert

Bad Doberan / w. v. "Mein lieber Schwan" - reden die Leute gemeinhin, mit hörbar erhobenem Zeigefinger, die einen mit mahnendem, die anderen mit ironischem Unterton. Anders, wenn Doberaner die Redensart gebrauchen, meinen sie es ehrlich, ein bestimmtes Exemplar, nämlich jenen Vogel, der der Legende nach mit seinen "Dobra, dobra" als erster den Ort von Kloster und Stadt gekrächzt haben soll: Sie denken an ihren, den Doberaner Schwan. Seitdem die Stadt ein eigenes Wappen trägt, kündet er weithin davon. Allerdings wird er unter einem Hirsch - getrennt durch den Krummstab - gezeigt.

Nun sitzt er wieder auf seinem Sockel. Zunächst nahmen seinen Platz wahrscheinlich hölzerne Nachbildungen möglicherweise schon zwischen 1830 und 1840 ein - schluss-folgern Fachleute aus der Gestaltung des Podestes. Aus Dankbarkeit zierten ihn seine leider unbekannten Schöpfer mit einem Engelskrönlein um den Hals, weil der Fürst und seine Jagdbegleiter in ihm einen "Boten des Himmels" sahen.

Jahre blieb der Stein verwaist. Immer wieder hatten böse Buben das Wappentier von seinem Platz gestoßen, ihm den Hals gebrochen, ihn in Stücke zerhauen. Das widerfuhr auch dem letzten Vorgänger. Seine Reste liegen noch im Bauhof. Vor diesem Schicksal bewahrte ihn auch nicht, dass ihn der Rostocker Stukkateurmeister Carlsson 1997 aus Beton gefertigt hatte.

Dem hölzernen Vorfahren hatte der Doberaner Maurermeister Wolfgang Busch sich als Hobby angenommen. Trotz der Zerstörungswut gab er ihm immer wieder ursprüngliche Gestalt zurück; bis es ihm zu bunt wurde. Er reparierte die Figur nicht noch einmal. Der Schwan landete so im Münster.

Nun machte sich ein Künstler und Metallgestalter, Eisengießer, Former und Diplom-Designer mit einem Material ans Werk, mit dem sich dem sagenhaften Schwan noch niemand genähert hat: Aluminium. Udo Richter aus Pepelow, studiert in Heiligendamm, hofft, dass künftig keiner dem neuen Vogel den Hals brechen oder sonstwie zu Leibe rücken kann. Sein Schwan sollte dem Vorbild möglichst genau ähneln. Deshalb musste der Vogel seinen Platz verlassen, wurde "zerlegt", um ihm gründlich "Maßnehmen" zu können. Richter machte Abgüsse in einer Sandform, insgesamt acht verschiedene, drei Güsse für beide Flügel, je einen für Ober- bzw. Unterteil usw... .

Udo Richter entschied sich für Aluminium wegen der Haltbarkeit; er ist überzeugt, dass das Metall Witterung und Vandalismus trotzt. Saßen frühere Schwäne verhältnismßig locker auf dem Sockel, setzte er seine über 30 Kilo schwere Schöpfung auf eine Stange; nicht wie die Hühner im Stall. Die Schwanenstange verbindet das Objekt fest mit der Unterlage. Ein "Schutzblech" wurde untergelegt. So scheint es fast, als stehe der Vogel, brauche nur seine Flügel zu heben und könne sich - wie man Schwänen nachsagt - auch gegen bösartige Menschen wehren.

Auch dem "Schwanstein" und der unmittelbaren Umgebung widmete sich der Künstler, sorgte für einen neuen Anstrich des Sockels, besserte Schadstellen aus und schuf einen Schutzrand um den Stein, um ihn vor Regen- und Schmutzspritzern zu verschonen.

Vor zehn Jahren - im November 1997, als Wolfgang Busch wieder einmal zur Wiederbelebung des Hölzernen gerufen wurde - meldete sich der Konstrukteur mit einem ersten Antrag zu Wort, einen Schwan aus Metall anzufertigen. Doch der Stadt fehlte das Geld. Schließlich entdeckte "Küstenbus"-Chefin Angelika Münchow ihr Herz für das Wappentier und griff unter die Arme.

Nun gehört er wieder zum Stadtbild - hoffentlich auf sehr lange Zeit... .

Stadtanzeiger am Samstag - Ausgabennummer 44. S.1+3