Aus der Klostergeschichte: Der Doberaner Münzfund von 1804


Einleitung

An den Ruinen des Kreuzganges links am Weg zum Eingang des Münsters kündet ein großer Gedenkstein von einem Münzfund. Auf diesem kann man folgenden Text lesen:

Hier an dieser Stelle ist am 12; November 1805 beim Nachgraben zwischen den alten

Klosterfundamenten gefunden worden: 1 päbstl. Münze, in der Grösse eines Guldens, 5 Louisdor an Gewicht, 1 dito etwas kleiner, aber dicker, von gleichem Gewicht und Stück, 12 doppelte Dukaten vom Gewicht eines Louisdors, 38 Stück päbstliche Dukaten, 133 dito, dito, 16 Species-Thaler In der Kruke mit Oese 112 Species-Thaler und 345 grosse dito. 275 kleine Silberstücke nach den Rostocker Schillingen In der Kruke ohne Henkel 3130 Silberstücke Am 14. November 1805 1 päbstl. Dukaten“

Viele Besucher verweilen schon für einige Minuten am Gedenkstein und studieren das linksseitig stehende Hinweisschild, bevor sie das Münster betreten. Nicht selten wird gefragt, wo die Münzen aus dem Fund geblieben sind. Doch ihre Frage bleibt oft unbeantwortet.

Zum Jahresende 1983/84 haben sich die Mitglieder der Fachgruppe Numismatik im Kulturbund der DDR-Bad Doberan Gedanken gemacht, wie sie die Informationslücken über den Münzfund schließen könnten. Es wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die ganz gezielt Informationen zum Thema zusammentragen sollte, um zu einem späteren Zeitpunkt eine Veröffentlichung in Buchform zu erarbeiten.

Die Grundlagen bildeten hierbei die akribischen Auswertungen archivierter Originalakten, Protokolle, Beschreibungen und Urkunden aus den Archiven und Museen des Landes, des Kreises, der Kirche und der Stadt. Da der Münzfund in seiner Gesamtheit schon in der Zeit kurz nach seiner Hebung auseinandergerissen wurde, nur Teile der Goldmünzen in die Großherzogliche Sammlung integriert und Großteile ohne schriftliche Nachweise verkauft oder versteigert worden sind, ist eine bildhafte Darstellung dieser originalen Fundmünzen schon 1994 nicht möglich gewesen. So entschied man sich damals für eine Publikation ohne Münzabbildungen.

 

Auf nachfolgenden Tafeln können die Doberaner Münzfreunde nun eine Auswahl an silbernen Münz-typen in Originalgröße zeigen, welche tatsächlich im Münzfund vertreten waren. So hat der Betrachter die Möglichkeit, diese kleinen, auch kulturhistorisch wertvollen Denkmale aus Metall besser kennenzulernen.

 

Fundumstände des Münzschatzes

Mit der Gründung des ersten deutschen Seebades 1793 in Heiligendamm bei Doberan wurde der Bau einer Chaussee von Doberan nach Heiligendamm erforderlich. Dieser Bau begann mit der Erweiterung des „Grünen“ oder „Rostocker Tores“ in der Ringmauer des Klosters/ Das Tor liegt im östlichen Teil der Mauer gegenüber dem Buchenberg. Im Zuge der Arbeiten an der Chaussee (Fahrweg), die in annähernder Ost-West Richtung südlich der Klosterkirche durch das Klostergelände führt, stieß man auf Reste alter Fundamente.

Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg hatte ein starkes Interesse an den Altertümern seines Landes und förderte zielgerichtete Grabungen. Daraus resultiert auch seine Weisung an das Amt

Doberan, Untersuchungen an den festgestellten Fundamenten und weiteren „Erhebungen“ im 

sogenannten Ziergarten durchzuführen. Ein großer Teil des von den Mauern umschlossenen Klostergeländes war in den Jahren vor Beginn der Grabungen als Englischer Garten angelegt worden. Der genaue Zeitpunkt des Beginns der Grabungen ist nicht bekannt. Offensichtlich ist aber, dass die Arbeiten über einen längeren Zeitraum vor dem 13.11.1804 erfolgten.

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Im Zusammenhang mit diesen Ausgrabungen wurden Münzen gefunden.

Darüber informieren die Herren Heuckendorff, Schumacher, Wuesthoff und Wachenhusen in drei Berichten vom 13. und 14.11. sowie am 6.12.1804. Daraus geht hervor, dass mit den Ausgrabungen die Tagelöhner Johann Boldt, Hans Upplegger, Krohn, Schaaren, Buhrmeister und Buhr unter Aufsicht des Amtslandreiters Krieg beschäftigt waren. Am 13.11.1804 gegen 17.00 Uhr meldeten diese dem Amtsverwalter Heuckendorff, dass sie rechter Hand an den Fahrwegen zum Buchenberg-Tor (Rostocker Tor) einige Goldmünzen und beim sofortigen Nachsehen an der unmittelbaren Fundstelle eine kupferne Dose mit Deckel und zwei irdene Gefässe (Kruken) gefunden hätten, in denen Gold-und Silbermünzen enthalten waren. Heuckendorff übergab den Fund dem Amtmann Schumacher. Dieser wies an, dass der Amtshauptmann Wachenhusen den Fundort aufsucht.

Die Fundstelle war 16 – 18 Zoll tief, sandig und lag unter einem alten Fußboden nahe den Fundamenten. Da es bereits anfing, dunkel zu werden, wurde Krieg beauftragt, mit Hilfe einiger Tagelöhner und des Gerichtsdieners Junge über Nacht am Fundort wache zu halten. Obgleich man keinen Grund hatte, die Ehrlichkeit der Tagelöhner anzuzweifeln, wurden diese kontrolliert (visitiret), ob sie sich nicht einige Münzen angeeignet hätten. Dies traf aber nicht zu.

Noch am selben Abend wurde im Hause des Amtmanns Schumacher der Fund näher untersucht und ein Register angelegt.

Ein Vergleich dieses Registers mit der Inschrift des Gedenksteines lässt außer der falschen Jahresangabe noch weitere Differenzen erkennen/ So wurden augenscheinlich aus „1 ein halb dito“ durch die zahlenmäßige Darstellung „112 Species-Thaler“/ Offenbar wurde das erste Inventar beim Abschreiben später verkürzt, wobei aus 1 ½ Thaler durch Zusammenrücken der Ziffern „112 Species-Thaler“ wurden/ !us „545 Stueck in der Groesse 1/3 und 1/6 Rthl“ des Inventars wurde „und 345 grosse dito“ auf der Tafel.

Bemerkenswert ist, dass Lisch (1841) diese Differenzen zwischen Inventarlisten und Inschriften des Gedenksteines entgangen sind. Zudem ist in der Wiedergabe der Gedenksteininschrift bei Lisch ein weiterer Fehler entstanden/ Statt „3130 Silberstuecke“ sind dort nur „313 Silberstuecke“ genannt/

Schumacher äußert die Ansicht, dass die Hälse der Krüge entweder schon beim Einsturz dieses Klostergebäudes oder beim Nachgraben abgebrochen und die herumliegenden Münzen herausgefallen waren.

Am 14.11.1804 gegen 10.00 Uhr wird der Amtslandreiter Krieg zum Herzog gesandt, um diesem die aufgefundenen Münzen einschließlich der Fundgefäße und den Bericht vom 14.11., unterzeichnet von Wachenhusen, Schumacher und Wuesthoff, sowie das erwähnte Register zu überbringen. Mit der weiteren Aufsicht der Tagelöhner bei den Grabungsarbeiten wird der herzogliche Gärtner Nussbaum aus Doberan beauftragt.

Zum Verbleib des Fundes

Wie bereits erwähnt, wurde am 14.11.1804 der Amtsreiter Krieg zum Herzog gesandt, um diesen die aufgefundenen Münzen einschließlich der Fundgefäße zu überbringen. Am 13.11.1804 wurde als Aufenthaltsort des Herzogs Gelbensande erwähnt, am 14.11.1804 Hirschburg (herzogliches Jagdschloss zwischen Ribnitz-Damgarten und Graal-Müritz). Es ist nicht Anliegen dieser Arbeit, die exak­ten Übergabedaten und -orte zu bestimmen; Tatsache ist aber, dass der gesamte Fund nach Ludwigslust überführt wurde. Dort sollte er in die bereits vorhandene herzogliche Münzsammlung eingegliedert werden. Dazu war aber eine exakte Bestimmung der Münzen notwendig. Diese erfolgte, indem ein nicht bekannter Verfasser in einem undatierten „atalogus von denen in den Ruinen des verwüsteten Klosters Dobberen bey Aufgrabung derselben am 13. und 16. November 1804 gefundene goldene und silberne Münzen;“ eine detaillierte Beschreibung der Silbermünzen vornahm.

Auf einer Seite des „atalogus“ ist vermerkt: „Die Goldmünzen hat der Cammerherr von Oertzen die Güte gehabt zu beschreiben, und ist diesem Catalogus beygelegt.“ Doch ist die Beschreibung der Goldmünzen in diesem „atalogus“ nicht vorhanden. In den Akten befindet sich nur ein Blatt, auf dem neun Goldmünzen beschrieben sind, darunter die beiden portugie­sischen Münzen, die Heuckendorff in seinem Register vom 13.11.804 erwähnt.

Fundort

Der heutige Lageort des Gedenksteines markiert nicht mehr den Fundort. Der Stein wurde für den Bau des Parkplatzes 1970 umgesetzt. Denkt man sich von der Ostseite des Münsters, in der Höhe der ersten Seitenkapelle, eine gerade Linie in südlicher Richtung in einer Länge von ca. 53 m und verfolgt diese bis etwa über die Hälfte des Parkplatzes, so dass man in westlicher Richtung an der vorderen Fassade des Küsterhauses gerade vorbeisehen kann, ist der Platz erreicht, an dem erwähnter Anbau stand und der Gedenkstein ursprünglich lag, also der Fundort des Doberaner Münzfundes von 1804. Ob sich in dem Anbau die alte Schatzkammer oder die Rentmeister-Zelle befand, ist nicht zweifelsfrei geklärt. Auf jeden Fall hatte der Anbau relativ starke Fundamente, die einen massiven Bau tragen konnten.

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Für weitere Hinweise und Nachfragen

Kontakt: INTERESSENGEMEINSCHAFT DOBERANER MÜNZFREUNDE E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Die Grundlage dieser Abhandlung bildet das Buch „Der Doberaner Münzfund von 1804“, herausgegeben vom den Doberaner Münzfreunden e.V. im Kulturbund, Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, Bad Doberan 1994, Autorenkollektiv um Jürgen Hamann, Mitautoren: Klaus Börner, Heinz Decker und Paul Janou. Mit freundlicher Unterstützung von Rolf Mohr.

Durch die Initiative der Doberaner Münzfreunde wurde in Kooperation mit der Münsterverwaltung die Lesbarkeit der Informationstafel am Gedenkstein verbessert und ein QR-Code angebracht, der den Interessierten vor Ort vom Handy oder anderen Endgeräten aus den Link auf die oben veröffentlichten Informationen ermöglicht.

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