Grußwort „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“


Historisches Bauwerk 2026 5

23. April 2026, 15:00 Uhr, Münster Bad Doberan, von Pastor Volkmar Seyffert (Bad Doberan)


Liebe Gäste aus der Nähe und der Ferne,

als Regionalpastor und Pastor dieser Kirchengemeinde heiße ich Sie herzlich hier im Münster zu Bad Doberan willkommen!

Ich darf sehr herzliche Grüße ausrichten vom Bischof im Sprengel Tilmann Jeremias, von Propst Dirk Fey und besonders auch von der Leiterin des Baudezernats im Landeskirchenamt, Deike Möller und der für uns zuständigen Referentin Julia Ahnert. Willkommen in diesem wunderbaren Kirchenraum!

Es ist für mich schön zu erleben, wie Kleine und Große ihre Schritte verlangsamen, wenn sie diesen Raum betreten – und staunen: Über das Licht, die Farben, die Weite und die Wärme, die dieser Raum ausstrahlt.

Immer wieder erzählen mir Menschen, wie verbunden sie mit diesem Ort sind. Wie er ihnen Geborgenheit vermittelt. In einem besonderen Sinne ist er ihnen Heimat: - wegen der Gottesdienste und Konzerte, - weil sie hier geheiratet haben, - weil hier die Kinder getauft wurden,- weil sie in schwierigen Lebenssituationen hier Zuflucht gefunden haben vor Gott. Oder weil sie zu denen gehören, die schon vor Jahrzehnten als Jugendliche im Sommer hier Touristen geführt und daneben zusammen gelebt, die Sonne genossen und Gebetszeiten gefeiert haben.

 

Als die Zisterzienser im 12. Jh. hierher kamen, suchten sie einen guten Ort für ein Leben vor Gott. Ein Leben, dessen Tage strukturiert waren von Gebet, Lesung und Arbeit. Im Zentrum des Klosters begannen sie die Kirche zu errichten, die sie als einen gebauten Teil der Liturgie verstanden. Wer in ihr still wurde, betete und sang, begann etwas davon zu ahnen, wie es ist, bei Gott zu sein, im himmlischen Jerusalem. Die Kirchenbauten der Gotik sollten - wie der Kosmos - eine vollkommene Einheit werden: schön, harmonisch und klar durch Licht, Geometrie, Proportionen, Material und Farbe.

Die Mauerflächen der Romanik wurden zunehmend aufgelöst und großflächig durch Glasfenster ersetzt, die von innen wie durchscheinende „Glaswände“ wirkten und zu einem wesentlichen Gestaltungselement der Kirchenarchitektur wurden. Die Strahlen der Sonne, das Licht Gottes, sollten die ganze Kirche erfassen und die Menschen erkennen lassen, wie es ist: das Leben bei Gott.

Noch heute lässt sich im Staunen der Kleinen und Großen, die diesen Raum betreten, etwas von der alten Faszination der Menschen erahnen, die damals aus ihren engen, kleinen Häusern kamen und vor dem Münster standen.

Wenn die Großen dann weiter eintauchen in die Zusammenhänge der Ingenieurbaukunst und die Faszination über die Leistungen unserer Vorfahren, dann klingt das in etwa so, wie die Referentin Frau Ahnert es uns schreibt: „Der mittelalterliche Dachstuhl des Doberaner Münsters zählt zu den bedeutendsten seiner Art, da er nahezu vollständig im Original aus dem 13. und 14. Jahrhundert erhalten ist und damit ein seltenes Zeugnis authentischer hochmittelalterlicher Zimmermannskunst darstellt. Seine innovative Konstruktion als Kreuzstrebendach ohne durchgehende Längsverbände dokumentiert eine frühe, experimentelle Phase gotischer Ingenieurbaukunst und beeindruckt durch ihre statische Raffinesse.

Der Innenraum des Münsters ist zum Dach hin mit den damals „modernen“ Kreuzrippengewölben überdeckt, die höhere Räume und größere Fenster ermöglichten. Diese wiederum werden mit einem raffinierten Stützsystem aus verdeckten Strebebögen, Strebepfeilern und Zugankern abgestützt – eine innovative Adaption von Vorbildern aus dem Hausteinbereich, namentlich den großen französischen Kathedralprojekten im regionalen Material Backstein. In der harmonischen Abstimmung von Dachwerk, Gewölbe und Gesamtstruktur offenbart sich eine außergewöhnlich moderne, ganzheitliche Planung, die das Bauwerk bis heute zu einem herausragenden Beispiel mittelalterlicher Baukunst macht. Das Münster ist als eine anspruchsvolle Architekturleistung der hochgotischen Baukunst zu würdigen, insbesondere die komplexe Bauaufgabe des Chores mit Umgang und Kapellen.“

Möge uns in der Begeisterung für Meisterleistungen der Ingenieurbaukunst immer auch im Blick bleiben, warum diese Räume gebaut und durch die Jahrhunderte erhalten wurden: Dass sie zuallererst gebaute Liturgie sind - und so Zeichen einer Hoffnung, die weit über uns hinausreicht.

Ich bin glücklich…… ,

dass dieses Münster eine lebendige Kirche ist, in der wir auf vielfältige Weise Gottesdienste feiern und Konzerte erleben dürfen.

… dass Kinder durch IHR Münster führen und eine große Zahl erwachsener Kirchenführer von ihrem Münster erzählen.

… dass sich Ehrenamtliche in Gemeinde, Münsterbauverein und im Klosterverein für den Erhalt des Münsters, der Gebäude des Klostergeländes und die Erforschung der Geschichte einsetzen.

Und zuletzt: So verschieden sie sind – eines verbindet die beiden Gebäude in Mecklenburg-Vorpommern, die heute den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ tragen:

In Ulrich Müthers Teepott in Warnemünde und hier im Münster finden Menschen zusammen und gehen - auf ganz verschiedene Weise - gestärkt in ihren Alltag.

So wünsche ich uns (auch im Namen unseres Kustos und Münsterverwalters Martin Heider), einen inspirierenden, erfrischenden und stärkenden Nachmittag und danke der Bundesingenieurkammer sehr für die Ehre dieses Titels.

 

- Es gilt das gesprochene Wort. -

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