Ursachen für die Schäden in den Deckengewölben


Im Jahr 2026 liegt der Schwerpunkt der Instandsetzungsarbeiten im Doberaner Münster auf der Res-taurierung der mittelalterlichen Deckengewölbe im Südquerhaus (um 1300).

Vor kurzem erreichte uns aus einer anderen Stadt eine Anfrage, da dort offensichtlich deutliche konstruktive Schäden an einer backsteingotischen Kathedrale bestehen. Es interessierte dort insbesondere, worin die Schadensursache beim Doberaner Münster besteht und ob Vergleiche möglich sind.

Da ähnliche Fragestellungen auch hier vor Ort von Einheimischen und Gästen immer wieder an uns herangetragen werden, möchten wir diese Thematik in diesem Newsletter aufgreifen und in zusam-menfassender Form erläutern.

Die Ursachen und Hintergründe der Rissbildungen sowie weiterer Schäden in den Deckengewölben des Doberaner Münsters sind vielschichtig. Der derzeitigen Restaurierung in den Jahren 2022–2027 ging seit 2008 schrittweise eine statische Sicherung durch die Einbringung von neuen Edelstahl-Zugankern (s. Abb. oben) voraus.

Deckengewoelbe 2

Die Risse in den Deckengewölben des Doberaner Münsters hängen im Kern mit langandauernden statischen Verschiebungen der hohen Außenwände und mit schädlichen, teils korrodierten Einbauten in den Gewölben zusammen. Sie sind nicht Ausdruck eines akuten Einsturzrisikos, sondern das Ergebnis einer mehrere Jahrhunderte währenden Bau- und Nutzungsgeschichte mit wiederholten Umbauten, Entlastungen und Nachverstärkungen.

Unmittelbare Ursachen der Rissbildung

Die Bewegung der Außenwände führte dazu, dass ein Teil der Außenwand unter der Last des Dachstuhls langsam nach außen gedrückt wurde, während der innere Wandbereich weitgehend stehen blieb; hieraus resultierten senkrechte Risse an den Innenflächen sowie durchlaufende Risse in den Gewölben.

Durch den Verlust von Rückverankerungen infolge der Abtragung der Klausurgebäude nach der Klosterauflösung fehlten dem Langhaus seitlich wirkende Stützen, sodass sich das Kräftegleichgewicht im Mauerwerk verschob und die Ausbiegung der Hochschiffwände begünstigt wurde.

Korrodierte Metallteile, insbesondere in die Gewölbe eingebrachte Eisenkeile und Zuganker, vergrößerten ihr Volumen durch Rost und sprengten dabei den umgebenden Putz und das Ziegelmauerwerk, wodurch zusätzliche Risse entstanden (Abb.oben, partielle Risssanierung, Foto von 2011).

 

Historische Entwicklung der Schäden und Baukonstruktion


Rissbildungen an Mauerwerk und Gewölben sind archivalisch bereits um 1580, verstärkt dann ab 1662, nachgewiesen, wie die in den letzten Jahren vertieften Aktenstudien von Martin Heider zeigen. Seit dem Abbruch des Kreuzgangs werden wiederkehrende statische Probleme beschrieben.

Im 19. Jahrhundert führte Baumeister Möckel im Zuge der neogotischen Umgestaltung verschiedene Maßnahmen zur Stabilisierung der hohen Mauern durch, konnte jedoch die grundsätzliche Problematik des nach außen drängenden Dach- und Wandschubs nicht dauerhaft lösen.

Seit dem Jahr 2008 wurden schrittweise Edelstahlzuganker in Dach- und Wandkonstruktionen eingebaut, um den seitlich wirkenden Dachschub (Abb. 3, Dachtragwerk über dem Südquerhaus mit älteren und jüngeren statischen Sicherungsmaßnahmen) aufzunehmen und die Außenwände zu fixieren; diese Sicherung bildet die Voraussetzung für die nun mögliche systematische Gewölbesanierung.

Baukonstruktion und statische Zusammenhänge

Die Hochschiffgewölbe sind als relativ schlanke, gebuste Kreuzrippengewölbe aus Backstein mit einer Dicke von etwa 15 bis 25 cm ausgebildet, deren Standsicherheit wesentlich von der Unversehrtheit der Gewölbeschalen und der funktionierenden Lastabtragung in Rippen und Wände abhängt.

Der mächtige Dachstuhl erzeugt einen horizontalen Dachschub, der, sofern er nicht durch wirksame Zuganker aufgenommen wird, die Obergadenwände langfristig nach außen drückt und so das Aufreißen der Gewölbeansätze und Scheidbögen begünstigt.

Langzeiteinflüsse wie geringe Setzungen, Temperatur- und Feuchteschwankungen sowie historische Eingriffe summieren sich über Jahrhunderte zu relevanten Formänderungen, die erst durch sichtbare Risse und Abplatzungen in Erscheinung treten.

Rolle von Feuchte, Materialalterung und früheren Reparaturen

Wechselnde Feuchtebelastungen im Dach- und Mauerwerksbereich können Putzschichten schwächen und Salzausblühungen fördern und damit das Aufweiten vorhandener Haarrisse begünstigen, auch wenn die Hauptursache der derzeitigen größeren Risse in statischen Problemen liegt.

Ältere, nicht korrosionsbeständige Eisenanker im Wand- und Giebelbereich, etwa am Südquerhaus, haben durch Rost Sprengdruck aufgebaut und zusätzliche Risse verursacht, was im Rahmen jüngerer Sanierungsphasen durch den Ersatz und die Ergänzung mit Edelstahlankern behoben wurde.

Wiederholte Überfassungen und frühere Putzreparaturen können Spannungen zwischen älteren und jüngeren Schichten erzeugen, wodurch bestehende konstruktive Risse optisch verstärkt werden und restauratorisch differenziert behandelt werden müssen.

 

Gründe und Ziele der von 2022-2027 laufenden Sanierung


 Regelquerschnitt

Abb.: Doberaner Münster, Regelquerschnitt.

Quelle: PD Dr.-Ing. habil. Christian Kayser (Kayser+Böttges, Barthel+Maus, München)

Voruntersuchungen ergaben, dass einzelne Risse vollständig durch die Stärke der Gewölbe bis hinauf zum Dachboden reichen, sodass die statische Wirksamkeit der Gewölbeschale lokal vermindert war, auch wenn zu keinem Zeitpunkt eine akute Einsturzgefahr bestand.

Das Sanierungskonzept sieht vor, dass zunächst ab 2008 in den Hochschiffen die Außenwände mit Edelstahlzugankern und die Dachkonstruktionen statisch gesichert bzw. ertüchtigt wurden und nun seit 2022 die konservatorische Bearbeitung der Gewölbe selbst erfolgt, mit Reinigung der Oberseiten, Freilegung, Reinigung und kraftschlüssigem Schließen der Risse, Putzergänzung und Retusche der Farbfassung.

Die seit 2022 etappenweise durchgeführte Gewölbesanierung in Chor, Langhaus, Vierung und ab 2026 in den Querhäusern sowie in Teilen der Seitenschiffe und des Chorumgangs zielt darauf ab, die Lastabtragung der Gewölbe dauerhaft zu stabilisieren. Zugleich wird die überwiegend etwa 45 bis 50 Jahre alte Wand- und Deckenfarbfassung im Zuge der aufwendigen Gerüststellungen für die kommenden Jahrzehnte mitbedacht, indem sie gereinigt, konserviert und partiell restauriert wird.

Finanzierung

- der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages

- Land Mecklenburg-Vorpommern

- Kirchenkreis Mecklenburg innerhalb der Nordkirche aus Patronatsmitteln

Fachliche Begleitung:

BTZ-Ingenieurbüro Rostock – Dipl. Ing. Frank Thoms

PD Dr.-Ing. habil. Christian Kayser, Kayser+Böttges, Barthel+Maus, München

Kirchliche und staatliche Denkmalbehörden

Die ausführenden Restauratoren


Zusammenstellung der drei Beiträge: Martin Heider, Bad Doberan, 2. Februar 2026

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