• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte

Innenausstattung von internationalem Rang

Hochaltar (um 1300)
Kreuz Christusseite Lettneraltar (um 1360/70)
Kreuzaltar - Simson und die Stadttore
Kelchschrank (um 1310)
Grabmal Margarethe von Dänemark
Sakramentsturm (um 1360)
Maria und Johannes am Tabernakel

Die Doberaner Innenausstattung blieb weitgehend von Kriegswirren und Bilderstürmen verschont. Es ist die reichste Innenausstattung aller Zisterzienserklosterkirche europaweit und somit von hohem internationalem Rang. Augrund dieser Bedeutung wird derzeit ein Antrag auf Aufnahme der mittealterlichen Ausstattung in das Welterbe der UNESCO vorbereitet. 

Bemerkenswert unter der Fülle der Ausstattungsstücke sind unter anderem der Hochaltar als ältester deutscher Flügelaltar (um 1300), der monumentale Lettner-Kreuzaltar (um 1360/70), der Kelchschrank (um 1300), der Leuchter mit spätromanischer Marienfigur (ab ca. 1300) und die Grabplastik der dänischen Königin Margarethe Sambiria (um 1300). 

Durch die vorerst geringe Bedeutung Doberans nach der Auflösung des Klosters im Jahre 1552, wirkten die Erneuerungsphasen der Renaissance, des Barocks und des Rokoko auf Bau und Ausstattung kaum. In der Gesamtbetrachtung von 700 Jahren, beeinflussten Kriegswirren und weitere Konflikte den Verlust und die Beschädigung des Kircheninventars - ausgenommen dem 30jährigen Krieg - in vergleichweise geringem Maße.

 

Einige Stücke werden nun kurz vorgestellt: 

Der Hochaltar entstand um das Jahr 1300. Er gilt als der älteste Flügelaltar der Kunstgeschichte. In der oberen Figurenreihe sind Geschichten aus dem neuen Testament, in der mittleren Reihe Szenen aus dem alten Testament dargestellt. 

In der Mittelnische des heute leeren Altarschreins stand vermutlich bis um 1400 die jetzige Leuchtermadonna. Die Holzfigur wurde dann durch eine Silbermadonna und weitere Heiligenbilder im Mittelteil ersetzt, welche allerdings nach der Reformation und im 30jährigen Krieg verloren gingen. Im Schrein standen außerdem wertvolle Behältnisse zur Aufbewahrung von Reliquien. 

Um das Jahr 1350 wurde der Altar durch die untere Reihe mit der Darstellung der zwölf Apostel und zweier weiterer Heiliger erweitert. 

 

Der Kreuzaltar und eine ehemals übermannshohe Lettnerwand trennten traditionell den Mönchschor im Osten der Kirche vom Kirchenraum für die Laienmönche im Westen. 

Der Altar entstand unter der Mitwirkung von Meister Bertram von Minden, vermutlich geleitet durch eine böhmische Werkstatt, um 1360/70. Der wichtigste gestalterische Unterschied zum Hochaltar ist der Grad der tatsächlich umgesetzten Naturbeobachtung. Der Altar stellt diesbezüglich die Wendemarke in der norddeutschen Kunst dar. 

 Das Gesamtwerk ist beidseitig mit mehr als 30 Szenen aus der Bibel gestaltet und umfasst neben der Predella zwei Altarschreine und das über neun Meter hohe Triumphkreuz. Das Kreuz ist als Lebensbaum mit grünendem Weinlaub dargestellt – gemäß den Worten Christi: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben". Die Weinblätter wurden 1982 nach mittelalterlicher Rezeptur in greller Lüsterfarbe restauriert. Die Farbgebung war im Mittelalter ein kostbarer Ersatz der Emaille der Goldschmiedekunst und war in der Herstellung aufwendiger und kostenintensiver als die Vergoldung einer vergleichbaren Fläche. 

 

Die spätromanische Marienfigur im Marienleuchter stammt aus der Zeit um das Jahr 1300 und stand ab ca. 1300 zunächst als Hauptfigur in der Mittelnische des Hochaltars. 

Um das Jahr 1400 wird sie Teil des neugeschaffenen Marienleuchters. Sie wird nun als Himmelskönigin mit Sternenkrone, Sonne und Mondsichel dargestellt, als apokalyptische (endzeitliche) Madonna, wie es in der Bibel, in der Offenbarung des Johannes (Kapitel 12, Vers 1) geschrieben steht: "Und es erschien ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und den Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf Sternen." 

Im Deckel des Baldachins steht der Schriftzug "AVE MARIA" ("Gegrüßt seist du Maria") als ein unendliches Gebet der Zisterziensermönche an ihre Hauptpatronin. Der erste Buchstabe vom Wort Ave ist durch die kreisförmige Anordnung der Worte gleichzeitig der letzte Buchstabe vom Wort Maria. 

 

Das Münster war im Mittelalter Hauptbegräbnisstätte des mecklenburgischen Fürstenhauses. Eines der bedeutenden Grabmäler ist das der Königin-Regentin Margarete von Dänemark. Margarete starb im Jahre 1282 in Rostock, die frühgotische Grabplastik mit realistischer Darstellung des Faltengewandes wurde für das neuerbaute gotischen Münsters geschaffen. 

Die Grabplastik gilt als die älteste Grabplastik in Mecklenburg-Vorpommern und die älteste Frauengrabplastik im gesamten Zisterzienserorden europaweit. Königin Margarete Sambiria war mit dem mecklenburgischen Herrscherhaus verwandt. Sie verlebte als Tochter des Herzogs Sambor von Pomerellen ihre Kindheit in Westpreußen, kam aber 1248 durch die Heirat mit König Kristoffer I. nach Dänemark. 

Von einer Romreise kehrte sie wahrscheinlich aufgrund politischer Unruhen nie wieder nach Dänemark zurück. Sie starb in Rostock, nachdem sie längere Zeit im dortigen Zisterzienserfrauenkloster lebte. 

 

Auch zahlreiche Schnitzereien und Schränke blieben aus der Klosterzeit erhalten. So auch der berühmte Doberaner Kelchschrank. Ein ähnlicher Schrank ist nur noch im dänischen Lögumkloster erhalten geblieben. Die dendrochronologische Untersuchung des Doberaner Schrankes datierte die Entstehung auf die Zeit kurz nach 1300. 

Der Schrank wurde für das neue gotische Münster gefertigt und bot Platz für 20 Abendmahlsgeräte (Kelche, Patenen, Kannen und Löffelchen), wahrscheinlich liturgisches Gerät für die zwei Haupt- und ehemals 18 Nebenaltäre. 

Backsteinspuren an den Seitenwänden zeigen, dass der Schrank ursprünglich in der Chorschranke eingemauert war. Bemerkenswert sind die wenigen erhaltenen Figuren an der Außenseite des Schnitzwerkes: Maria, Christus, Paulus und Hesekiel und die vollständig erhaltene originale Malerei auf den Innenwänden der Türen. 

 

Kernaussagen zur Bedeutung der Innenausstattung

Kelchschrank - mittelaltl. Malerei - Abel
Kelchschrank - Christusbüste

Das im Wesentlichen erhaltene zisterziensische Ausstattungsprogramm im Doberaner Münster ist einzigartig. (Dehio)

Die anspruchsvolle Architektur sowie die qualitätvolle und außergewöhnlich reiche mittelalterliche Ausstattung, deren Prinzipalstücke (Hauptaltar, Sakramentsturm, Kreuzaltar, Gestühl der Mönche und Laienbrüder sowie einige Nebenaltäre und Kirchenmöbel) aus der Zeit der Schlussweihe (1368) erhalten geblieben sind, verleihen dem Bau unter den deutschen Zisterzienserkirchen und neben den großen norddeutschen Stadtpfarrkirchen im 13./14. Jh. besonderen kunsthistorischen Rang. (Dehio mit Ergänzung von Johannes Voss - Schwerin)

Die Werke der mittelalterlichen Skulptur sind von herausragender Qualität, in Stil und Ikonographie von großem Einfluss auf zahlreiche nachfolgende Arbeiten im 14./15.Jh. (Dehio)

Im gesamten Inneren befindet sich eine große Anzahl mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Ausstattungsstücke aus dem 13. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts, darunter zahlreiche Werke mittelalterlicher Schnitzkunst, Tafelmalerei, Glasmalerei, Grabkunst sowie Arbeiten aus der Zeit der Renaissance, des Barock, des Historismus und der Neogotik. (Landesamt für Denkmalpflege)

 

Eine Auswahl aus der Fülle bedeutender Ausstattungsstücke

Mittelalterl. Abtsgrabplatte
Abtsgrabplatten im Nordschiff
Albrecht II. der Große
König Albrecht III. und Richardis
Wächter an Oktogonkapelle
Herzog Magnus II.
    1. Hochaltar (um 1300)
    2. Kelchschrank (um 1300)
    3. Kredenzschrank (um 1300)
    4. Gestühl der Priestermönche (um 1300)
    5. Gestühl der Konversen (um 1300)
    6. Grabfigur der Königin Margarethe (†1282)
    7. Altar der Leiden Christi (um 1300)
    8. Zusammengestellte Reste mittelalterlicher Verglasung (um 1300)
    9. Levitengestühl (14. Jh., Baldachin 19. Jh.)
    10. Zwei Beischränke (14. Jh.).
    11. Hölzerne Standleuchte (14. Jh.)
    12. Mittelalterliche Holzstele (14. Jh.)
    13. Corpus-Christi-Retabel mit der Abendmahlstafel (um 1320)
    14. Altar Tugendkreuzigung (um 1330)
    15. Grab von Herzog Heinrich II. (dem Löwen) von Mecklenburg (†1329)
    16. Grab der Frau von Werle (14. Jh.)
    17. 25 mittelalterliche Grabplatten von Äbten und Laien (13.Jh-16. Jh.)
    18. Sakramentsturm (Tabernakel) um 1350/60
    19. Doppelseitige Kreuzaltar (um 1360/70)
    20. Marienleuchter (um 1370) mit Figur aus der Zeit um 1300
    21. Grablege Herzog Albrechts Oktogon (um 1370)
    22. Ziffernblatt der ehemaligen Astronomischen Uhr um 1390
    23. Grabmal Herzog Albrecht III. v. Mecklenburg, König zu Schweden (†1412) und seiner ersten Frau
    24. Mühlenretabel (um 1420)
    25. Bild-Text-Tafel des Peter Wise in Deutsch und Latein
    26. Altar der freudenreichen Jungfrau Maria (15. Jh.)
    27. Spätgotisches Kruzifix (um 1480) aus Lübeck
    28. Memorialstatue von Magnus II. Herzog von Mecklenburg (+1503)
    29. Totenstandbild des Herzog Balthasar (†1507)
    30. Totenstandbild des Herzog Erich (†1508)
    31. Elf Schrift-Epitaphien (frühes 16. Jh.)
    32. Altar der Heiligen-Drei-Könige (15 Jh.) in der Oktogon-Kapelle