• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
19.09.2011

Ein Reisebericht vom Glockenguss

Der 5.8. anno 2011 war ein geschichtsträchtiger Tag, für uns und unser Gotteshaus in Bad Doberan. Wie aus der Tagespresse zu entnehmen war, sollte an diesem Tag bei der Firma Bachert in Karlsruhe die erste neue Glocke für das Münster gegossen werden.

Kurzfristig hatte sich eine Gruppe zusammen gefunden aus Mitgliedern des Kirchgemeinderates sowie des Münsterbauvereins, aus Münsterführer/innen und Interessierten. Am 4.8. in der Früh machten wir uns auf den Weg Richtung Odenwald, ein wunderschöner Landstrich in Baden-Württemberg. Auf der Hälfte unseres Reiseweges lag Amelungsborn, unser Mutterkloster zu Bad Doberan, welches wir natürlich besuchten. Herzlich wurden wir von Herrn Ostermann begrüßt und die zwei Stunden vergingen wie im Fluge.

Am nächsten Tag gegen 14 Uhr waren wir eingeladen, beim Guss der Bronzeglocke in Karlruhe dabei zu sein. Auch zwei weitere Gemeinden hatten sich eingefunden, da gleichzeitig deren Glocken gegossen werden sollten. So erlebten wir die Ökumene einmal von einer ganz anderen Seite, denn auch eine katholische Gemeinde war dabei.

Gemeinsam beteten wir, sangen und waren Zeugen des Glockengusses und waren vereint in dem Gefühl, etwas ganz besonderem beizuwohnen, unterstrichen durch die Hitze, den Qualm und das helle Licht der glühenden Glockenspeise.

Zunächst jedoch wurden wir herzlich durch die Firmenchefin Frau Bachert empfangen. Nach einer kurzen Einführung gab es noch einen kleinen Anschauungsfilm über das Entstehen einer Glocke, bis zum Läuten in einem Glockenturm. Interessant war zu erfahren, dass das Glockengießen in der Menschheitsgeschichte schon viele tausend Jahre alt ist, im Christentum etwa seit dem 2 Jh.

Gegen 17 Uhr war es dann soweit. Die Türen schlossen sich, das Gebet war verstummt und der Geschäftsführer Herr Bachert gab den Anstich des Kessels frei. 1200 Grad Celsius heiße Bronze ergoss sich über gemauerte Kanäle in die Glockenformen. Nach ca. 30 Minuten war der Guss der Glocken erfolgreich beendet .Ein Abschlussgebet, sowie das Lied "Großer Gott wir loben dich" ließ nochmals Gänsehautgefühl aufkommen und das bei einer gefühlten Raumtemperatur von 50 Grad Celsius.

Für viele von uns war dies sicherlich eines der schönsten Erlebnisse welche man im Leben haben kann.

Eingerahmt war dieses Ereignis mit einem Besuch im Zisterzienserkloster Maulbronn und Walkenried, sowie einer Visite im Speyer Dom, dem größten Bauwerk der Christenheit nach Cluny in Frankreich.

André Starck