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Bauweise und Materialien

Östliches Firstkreuz
Reste des Vorgängerbaus
Nördliches Seitenschiff
Gerüstlöcher im Mauerwerk

Der Oberflächenwasserstand liegt heute bei ca. 1,30 m unter Bodenniveau. Die Bodenverhältnisse waren eine hohe Herausforderung für die mittelalterlichen Baumeister.

Neue Erkenntnisse über die Gründung des Münsters erbrachten archäologische Untersuchen im Nordquerhaus im Herbst 2017.

Ein Beitrag aus der OSTSEE-ZEITUNG stellt diese vor:


Münster: Mauern der romanischen Kirche gefunden

Bei Grabungen sind Archäologen auf interessante Artefakte gestoßen / Fußboden wird restauriert.

Bad Doberan. Ein Teil der Fußbodenfliesen ist verschwunden, und an einem der Pfeiler klafft ein großes Loch – im Doberaner Münster haben die Sanierungsarbeiten am Boden begonnen. Dabei hat Archäologe
Dr. Jörg Ansorge womöglich einen Nachweis auf ein Bauwerk aus längst vergangenen Zeiten gefunden.

„Bei den Bauarbeiten wollen wir in erster Linie den Fußboden sanieren und haben auch gleich die Chance ergriffen, archäologische Grabungen vorzunehmen. Dabei haben wir auch einige sehr interessante Dinge herausgefunden“, sagt Münsterkustos Martin Heider.

Besonders spannend waren laut Heider vor allem die Ausgrabungen an einem Pfeiler im Nordquerhaus (Abb. 1 u. 2), bei denen viele neue Erkenntnisse über die Fundamente und die Baugeschichte des Münsters gewonnen werden konnten. „Bei den Ausgrabungen konnten wir einige bisherige Fehlinterpretationen endgültig widerlegen. Dass das Münster nicht auf 300 Eichenpfählen steht, war längst bekannt, wird aber noch immer erzählt. Es steht auch nicht auf bis zu mehrere Meter tiefen Fundamenten, wie die jüngsten Untersuchungen zeigen“, stellt Martin Heider klar.

Das Münster stehe auf einer erdigsandigen, eiszeitlichen Spülinsel, erläutert Martin Heider. Bei der Grabung wurde in geringer Tiefe völlig ungestörter Boden gefunden. Weiterhin sei festgestellt worden, dass das Fundament der Pfeiler aus mehreren Schichten besteht, die lediglich bis in eine Tiefe von 1,25 Meter reichen.

„Als unterste Schicht haben wir große Findlinge vorgefunden, auf die eine Schicht aus Feldsteinen folgt. Darauf befindet sich die Rollschicht, eine Ebene aus aufgestellten Backsteinen im Klosterformat, die dann mit einer Schicht aus flachgelegten Steinen bedeckt wird.“

Weitere Grabungsstelle im nördlichen Chorumgang
Eine zweite, weniger tiefe Grabungsstelle befindet sich weiter östlich im Chorumgang (Abb. 3). An dieser Stelle fand Jörg Ansorge etwas Besonderes:

„Bei den Ausgrabungen am zweiten Pfeiler haben wir anscheinend einen Mauerkern von der romanischen Klosterkirche, die vor dem Münster auf diesem Gebiet stand, gefunden“, berichtet Martin Heider begeistert.

Die Sanierung des Fußbodens ist notwendig, da dieser Schäden aufweise. Die Bodenfliesen von 1920 seien mit Zementmörtel verlegt worden. „Der ist nicht durchlässig und staut die Feuchtigkeit von unten, so dass diese samt schädlicher Salze in die Pfeiler zieht“, erläutert Heider. „Um diese Missstände zu beheben und alte, marode Kabel verschiedener technischer Anlagen durch neue zu ersetzen, haben wir angefangen, einen circa zwölf Meter langen und fünf Meter breiten Streifen freizulegen.“ Hierbei sei auch viel über den Fußbodenaufbau herausgefunden worden.

Als unterste Schicht findet man hauptsächlich Sand, darauf folgen Fliesen von 1830 und anschließend direkt eine zweite Fliesenschicht von 1920. „Bei den aktuellen Bauarbeiten tragen wir die beiden Fliesenschichten ab, haben aber zusammen mit der Denkmalpflege und der Baudienststelle der Nordkirche entschieden, die Steine von 1830 zu erhalten und im neuen Fußboden wiederzuverwenden“, erklärt Martin Heider.

Die Kosten für dieses und weitere Projekte waren auf etwa 250 000 Euro veranschlagt, die zum Teil durch den Bund, aber auch durch eigene Gelder des Münsters und Patronatsmittel gedeckt werden. Vor wenigen Wochen sei die Zusage gekommen, das weitere 50 000 Euro aus dem Förderprogramm „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland“ zur Verfügung ständen. Mit zusätzlichen Eigenmitteln aus dem Münsterhaushalt, Patronatsmitteln und Spenden, könnenso weitere 100 000 Euro investiert und mehr als ursprünglich geplant restauriert werden.

Laut Martin Heider wird das Geld auch für die Sanierung der Nordseite des Münsters, des Kapellenkranzes sowie der Traufbelüftung fürs Dach verwendet. Die Fußbodenarbeiten sind bis April 2018 geplant. Die Grabungen am mutmaßlichen Mauerkern der romanischen Kirche sollen weitergehen.

Das Fundament des Pfeilers reicht 1,20 Meter in die Tiefe. Bevor das Münster Bad Doberan gebaut wurde, stand an der Stelle eine romanische Kirche. Auf etwa zwölf Metern Länge und fünf Metern Breite wird der Boden im Doberaner Münster restauriert.

Quelle: OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan, 8.12.2017, S. 11. 
Text: Von Anne Löhle und Anja Levien
Fotos: Martin Heider (Bad Doberan) 

 

Weiteres zu den Bauablauf

Die Produktionszeit der Ziegelsteine betrug bis zu drei Jahre. Lehm und Wasser wurden im ersten Jahr gemischt und zum Ausfrieren der Kalkeinlagerungen einen Winter lang gelagert. Im zweiten Jahr wurden Sand, Wasser, teilweise auch Ziegelsplitt des Vorgängerbaus eingearbeitet, in Holzformen gefüllt und mit der Hand eingestrichen. Dieser Rohling wurde, um Rissen vorzubeugen, ein Jahr luftgetrocknet und im dritten Jahr in Feldsteinöfen gebrannt.

Die zum Bau des Münsters verwendeten Steine wurden im Klosterformat gefertigt (L/B/H: 28/14/9 cm) und wiegen ca. 8 kg. Am Münster wurden etwa 4 Millionen Steine verbaut, zuzüglich der Formsteine für Pfeiler, Dienste und Gesimse.

Ab Manneshöhe zog man die Wände mit „wandernden“ Gerüsten hoch, die in den heute noch sichtbaren Gerüstlöchern an den Außenwänden verankert wurden. Die neu gebauten Wendeltreppen nutzte man, um in höheren Lagen die Gerüste zu erreichen. Der nächste Schritt war die Errichtung des Dachstuhls und des Dachreiters sowie das Decken des Daches.

Erst nach Fertigstellung des Daches konnten die Ziegelgewölbe gemauert werden. Als Grundlage dienten Holzlehrgerüste, die von einer zur anderen Seite gespannt wurden und auf dem Kaffgesims des Triforiums auflagen. Auf dem Lehrgerüst wurde nur die Rippe bis zum Schlussstein gestützt errichtet, die dünneren Gewölbekappen selbst freihändig Stein für Stein gefügt. Das Gewölbefeld bekam zur weiteren Stabilisierung einen dünnen Verstrich aus Gussmörtel. Nach dem Trocknen wurden die Lehrgerüste entfernt und in einem anderen Joch wiederverwendet.

Die Stabilisierung des Baus erfolgte hauptsächlich durch die Strebepfeiler, die zusätzlichen Pfeiler und Spreizbögen im Querhaus und die Strebebögen. Zusätzlich erfolgte der Einbau der Bülowkapelle und der Fürstenempore im Norden als hohles Stützsystem, im Süden steiften die Klausurbauten den Bau aus.

Die großen Holz-Jochbalken im Mittelschiff fangen als Sicherungsanker den Seitenschub der Gewölbe ab. Sie hängen locker in den Verankerungen und treten erst bei stärkeren Belastungen, wie z.B. Sturm in Funktion. Eine spätere Sicherung erfolgte durch Zuganker in den Seitenschiffen und im Kapellenkranz um 1830 durch Krüger und um 1890 durch Möckel.

Die Strebebögen bestanden bis zum 19. Jahrhundert. Unter den Seitenschiffdächern spannten sich unter dem Dach verdeckte kurze Strebebögen. Sichtbar waren sie nur im Bereich des Kapellenkranzes. Sie wurden 1885 entfernt und durch Ankerbalken ersetzt, da sie die Seitenschiffwände zu sehr auf Schub beanspruchten. Im nördlichem Seitenschiff und im Kapellenkranz sind noch drei Bögen erhalten geblieben.