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Experten befürworten Welterbebewerbung

Sakramentsturm (um 1360) - König David
Laiengestühl - Nordreihe (um 1290)

 

Vom 1.12.-3.12.2010 fand in Doberan auf Einladung der Stadt Bad Doberan ein internationales Symposium zum Thema: Die Klöster Løgum, Doberan und Pelplin – Zeugnisse des Wirkens des Zisterzienserordens im nördlichen Mitteleuropa statt, das den Blick für die gemeinsam geplante serielle Bewerbung auf den UNESCO-Weltkulturerbetitel der Klöstern Løgum/Dänemark, Doberan und Pelplin/Polen aus wissenschaftlicher Sicht schärfen sollte.

 

Teilnehmer waren Wissenschaftler, Kulturpolitiker und die Mitglieder der Arbeitsgruppen zum Weltkulturerbe aus Dänemark, Deutschland und Polen.

Ziel der interdisziplinären Fachgespräche war es, Gemeinsamkeiten der drei Klöster in Hinsicht auf die für den Welterbetitel erforderliche Singularität des Antragsgegenstandes bzw. den besonders schützenswerten universellen Wert herauszuarbeiten.

 

Das Symposium gliederte sich in drei Sektionen, die den thematischen Hauptschwerpunkten der Antragstellung entsprachen:

1. Geistesgeschichte und Spiritualität der Zisterzienser;

2. Zisterziensische Architektur und Kunst;

3. Die Zisterzienser im wirtschaftlichen und politischen Kontext ihrer Zeit.

 

Zu Beginn führte Dr. des. Manja Olschowski in den historischen Kontext der drei Klöster ein. Um diese Klöster miteinander vergleichen zu können, beschrieb sie deren Gründungsprozesse und die weitere Entwicklung der Monasterien.

 

Im ersten vertiefende Gesprächsschwerpunkt wurde der Vortrag von Prof. em. Brian McGuire, PhD verlesen, der aufgrund einer Erkrankung nicht anwesend war. Er verwies darin zuerst auf die noch junge Geistesgeschichte des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Begriffes "Spiritualität", der nicht mit dem lateinische Begriff spiritualia gleichzusetzen ist. Dieser wurde im Mittelalter im Sinn von „sakralem Besitz“ verwendet, wie sich in den erhaltenen zisterziensischen Schriftquellen aufzeigen lässt. So kann McGuire anhand einer Urkunde des Bischofs Omer von Ribe die enorme geistige Bedeutung des Klosters Løgum für die dänische Bischofskirche nachweisen.

 

In einem weiteren Vortrag zum Thema wies PD Dr. Jens Rüffer auf die generell jedoch schwer fassbare Spiritualität der Zisterzienser hin. Er trennte die gelebte Spiritualität, die sich in Gesten, Riten und liturgischen Ritualen zeigt, von der repräsentierten Spiritualität, die an der überlieferten materiellen Kultur ablesbar ist. Diese ist zudem in ein enges Geflecht aus politischen, religionspolitischen sowie ökonomischen Bedingungen eingebunden. Gerade die reiche Ausstattung des Doberaner Klosters liefert dafür wertvolle Belege.

 

Die in Form von Architektur und ihrer Ausstattung erhaltene materielle Kultur war dann das Thema der zweiten Sektion des Symposiums. Mit den verschiedenen Bautypen der drei Klöster im Kontext der zisterziensischen Ordensprinzipien (forma ordinis) befasste sich Prof. Matthias Untermann. Er betonte, dass entgegen der älteren Forschungsmeinung alle drei Klöster charakteristische Vertreter einer nach diesen Prinzipien und keineswegs willkürlich weiterentwickelten Zisterzienserarchitektur des späten 12. bis späten 13. Jahrhunderts sind.

 

Aus bauhistorischer Sicht referierte Prof. ass. Dr. Hans Krongaard Kristensen über den Beginn der Backsteinarchitektur und die Entwicklung neuer Bauformen in Dänemark. Demnach stellt das Refektorium des Domkapitels in Ribe, um 1150 errichtet, das älteste dänische Beispiel eines Backsteinbaus dar. Möglicherweise wurden die Steine für diesen Bau noch importiert, doch verbreitete sich die neue Bautechnik innerhalb einer Generation in ganz Seeland und ist schon ab 1190 an Dorfkirchen zu finden.

Weitere, nicht verschriftlichte Vorträge hielten Prof. Dr. Norbert Nußbaum und Dr. Markus Hörsch, Dr. Katja Hillebrand und Ks. Wincenty Pytlik. Herr Nußbaum stellte die Strategien und den Referenzrahmen des seriellen UNESCO-Weltkulturerbeantrags vor, während sich Herr Hörsch, Frau Hillebrand und Herr Pytlik vor allem mit Fragen der Vergleichbarkeit der Innenausstattungen der drei Klöster in Hinblick auf die verschiedenen, an ihnen ablesbaren Bedeutungsebenen befassten.

 

In der dritten und letzten Sektion stand das wirtschaftliche und politische Handeln der Zisterzienser im Mittelpunkt. Beispielhaft für den zisterziensischen Landesausbau referierte Dr. Christian Gahlbeck über die Gründung und die wirtschaftlichen Maßnahmen des Klosters Marienwalde / Neumark. Mit der politisch initiierten Gründung des Kloster durch die Askanier fand dort eine "Landveredlung" mit weit reichenden geologischen und kulturellen Folgen statt, die Dr. Gahlenbeck detailliert beschrieb. Dementsprechend stellte Prof. Dr. Winfried Schich den Beitrag des Zisterzienserklosters Doberan für die Entwicklung der Wirtschaft und die Gestaltung der Kulturlandschaft dar. Dabei wurde deutlich, dass viele dieser ursprünglichen, zum Landesausbau gehörenden Elemente in Doberan und Umgebung noch erhalten sind. So die künstlichen Wasserläufe, die meisten der von den Zisterziensern gegründeten Orte wie Parkentin, die Grangie Althof, Glashagen, aber auch die heute noch bewirtschafteten Fischteiche.

Auf die vielgestaltige Verflechtung Doberans mit dem mecklenburgischen Herrscherhaus und damit auf dessen Eingebundenheit in das Netz europäischer Mächte wies Prof. Dr. Oliver Auge hin. Er konnte zudem zeigen, dass das Kloster Doberan als Grablege der Mecklenburger Dynastie auch in seiner über die Jahrhunderte aufrecht erhaltenen Kontinuität eine Besonderheit darstellt. Über eine Vielzahl von Grabanlagen, Memorialstatuen, Grabsteinen, Inschriften etc. ist diese Kontinuität auch heute noch nachvollziehbar und gestattet sogar einen Blick auf den Wandel der Memorialkultur.

 

In der daran anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die sich abzeichnende Gemengelage an unterschiedlichen Kriterien nicht den Intentionen eines seriellen Antrags, also eines gemeinsamen Antrages der drei Klöster Løgum, Pelplin und Doberan, entspricht. Da der Weltkulturerbetitel u.a. auf einen "außergewöhnlichen universellen Wert" zielt wurde vorgeschlagen, die Einzigartigkeit der Doberaner Ausstattung in das Zentrum eines Einzelantrages zu stellen. Denn weder in der zisterziensischen Ordensarchitektur, noch in der abendländischen Architektur überhaupt ist eine so umfassende Ausstattung erhalten, die noch dazu in ihrem zeitgleich geplanten "Gehäuse", der Doberaner Klosterkirche steht.

 

Text: Kaja von Cossart