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15.11.2018

Vortrag & Führung am 15.11, 18 Uhr

Das Münster in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Donnerstag 15.11.2018 um 18 Uhr – Vortrag im bankbeheizten Westteil des Doberaner Münsters mit anschließender Führung

Thema: Das Doberaner Münster und Kloster in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Anlass: Gedenken 400 Jahre Beginn des Dreißigjährigen Krieges

Vortrag: Kustos Martin Heider (Bad Doberan)

Veranstalter: Verein der Freunde und Förderer des Doberaner Klosters e.V. gemeinsam mit dem Münsterbauverein Bad Doberan e.V.

Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten.

 

Die folgenden Artikel geben einen Einblick in diese Zeit und informieren über die Inhalte des Vortrages

 

Das Münster in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges

Im Verlauf des Krieges kam es in Doberan zu schlimmen Gräueltaten an der Bevölkerung und zu ernsthaften Schäden am Gebäudebestand des Münsters und weiterer Klostergebäude. Nur mit großen Mühen gelang der Erhalt der Kirche.

Im Vortrag wird erstmals in chronologischer Folge nicht veröffentlichtes, weniger bekanntes und bereits veröffentlichtes Datenmaterial aus handschriftlichen und gedruckten Quellen für diesen Zeitraum vorgestellt. Anlass ist im Jahr 2018 das Gedenken an den Beginn des Krieges vor vierhundert Jahren. Es wird nicht auschließlich auf die Wirren des Krieges in Doberan eingegangen, sondern auch auf die sonstigen Ereignisse und Entwicklungen dieser Zeit.

Auch wenn die Schuldenlast der Herzöge bereits mehrfach seit der Klosterauflösung Verpfändungen von Besitzungen des Doberaner Domanialamtes notwendig machte, führten erst die wachsenden politischen Spannungen des frühen 17. Jahrhunderts, die schließlich in den Dreißigjährigen Krieg mündeten, zu einem gravierenden wirtschaftlichen Niedergang, der Zerstörungen und Verfall mehrerer ehemaliger Klosterbauten zur Folge hatte. Es grenzt fast an ein Wunder, dass die Doberaner Kirche, jahrelang ohne feste Bedachung, samt reichem Inventar über diese Zeit gerettet werden konnte.

Die Überlieferung zeugt für die ersten Jahre des Krieges von wenig negativen Einflüssen auf die wirtschaftliche Tätigkeit des Amtes. Die Kriegsereignisse hatten noch wenig Einfluss auf die Region. In der Kirche entstanden außergewöhnliche Grabmäler, so ab 1622 das Reiterstandbild des Kanzlers Samuel Behr und bald danach das monumentale Grabmonument für Herzog Adolf-Friedrich und seine Gemahlin Anna-Maria von Ostfriesland (Abb.).
 
Die Entwicklung Doberans und die Pläne des Herzogs wurden durch die unsäglichen Ereignisse des 30jährigen Krieges zunehmend durchkreuzt. Obwohl Doberan hauptsächlich in den Jahren 1637 und 1638 unter Gräueltaten und Plünderungen leiden wird, berichten die Amtsakten bereits im Jahr 1627, dass „das Amt des Viehes beraubt“ wurde.

Entscheidend beteiligt an dem sich immer weiter ausweitenden Konflikt auf Reichsebene war auf der kaiserlich katholischen Seite der Feldherr Wallenstein, der von 1628 bis 1632 mecklenburgischer Landesherr war. Die Landung der „verbündeten“ protestantischen Schweden in Pommern und die Wiedereinsetzung Herzog Adolfs Friedrich brachte nicht die erhoffte Erleichterung im Konflikt und für die Menschen. Im Jahr 1632 lag überall „schottische Soldatesca“ und ruinierte das Amt. 1633 führt eine Kontributionsliste im Gegensatz zu 1623 nur noch die Hälfte der Doberaner „Vorstädter“ auf. Der Krieg scheint bereits zu dieser starken Bevölkerungsabnahme geführt haben, offenbar bedingt durch Tod im Krieg, Seuchen oder Abwanderung.

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Massive Gräueltaten und Plünderungen in 1637/38

Massive Gräueltaten, Zerstörungen und Plünderungen ereigneten sich in den Jahren 1637/38. 1637 wurde das Amt zunächst von den kaiserlichen Reitern überfallen und „alles zunichte gemacht“.

Pastor Peter Eddelin beschreibt, wie die Menschen und die Bausubstanz unter dem Kriegstreiben litten: „Anno 1637 sind die Kayserlichen wieder herunter gekommen in dis Land, und haben darinnen mit Rauben und tyrannischen Umgehen mit den armen Leuten sehr übel hausgehalten. Sonderlich sind sie den 5. Octob. auf dis Amt Doberan gefallen, und darauf so haussiret, daß es einen Stein in der Erden hätte erbarmen (…).“

Noch schlimmer waren die Plünderungen durch die schwedische Soldateska im Jahr 1638. Als diese in das Amt einfielen, erlebte der Bildhauer Daniel Werner erneut „des Klosters Dobberan eussersten Ruin.“ Dabei wurden ein Teil seiner Arbeiten "verdorben“. Er wurde wie im Vorjahr geschlagen und geplündert, musste mehrfach flüchten und begann dennoch unter „Lebensgefahr“ mit der Beseitigung von Schäden.

Pastor Eddelin beschrieb in einer Handschrift die Gesamtverhältnisse im Herzogtum, um dann auf die Plünderungen und Gräueltaten in Doberan einzugehen: „Zugeschweigen, was A[nn]o 1638 (…) das liebe Land erfahren und noch betroffen. O Jammer! O Noth! O Elend!“

Über die Zerstörungen in der Doberaner Kirche heißt es: „Insonderheit haben auch etliche Gottesvergessene Partheyen zu Rosse und zu Fusse, der Schwedischen Völcker, diese schöne wohlerbaute Dobberanische Kirche dazumahl erbrochen; (…) denn es haben die Gottesvergessene Buben, die wohlerbauete Kirche nicht nur erbrochen, sondern auch König- Fürst- und adliche uhralte Begräbnisse eröffnet, die Hölzerne Särcke zerschlagen, die Zinnern zusammen gegossen, etliche der Kirchpfeiler und Altar eingebrochen, und herunter gerissen, die Orgel zernichtet, und die ganze Kirche durchhin jämmerlich zerwühlet, auch den Kirchen-Ornat samt einer Glocken weggeraubet. Endlich das Kupffer und Bley (...) von der Kirchen und Thurm abgerissen, es aus Mangel des Viehes, durch die armen Leute, die sie aus den Morästen und Hölzungen heraus gestäubert, und für die Wagen gespannet, hinweg schleppen und hin und wieder an fremde Oerter verkauffen lassen, (…).“

Foto: Die Sicherung der Dächer war nach dem Dreißigjährigen Krieg eine kaum zu bewätigende Aufgabe. Nach Notverbretterungen folgten Dacheindeckungen mit unterschiedlichen Materialien. Auch in den darauf folgenden Jahrhunderten wird fortwährend über deren Zustand geklagt und nur bedingt Abhilfe geschaffen. Das heutige Kupferdach enstand ab 1964 und wurde in den letzten Jahren in einigen Bereichen repariert bzw. erneuert.


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Folgeschäden und Anstrengungen zum Bauerhalt

Als unmittelbare Folgeschäden der Zerstörungen an der Kirche stürzte wenige Monate nach der Zerstörungswut infolge der massiven Materialverluste und Schädigungen am Himmelfahrtstag 1639 die angeschlagene Helmstange des Dachreiters auf das Chordach.

Wobei „der Knopff von einander gespaltet, der Hahn sehr schimpfieret, ein Balcke auf der Kirchen zerschmettert und das […] Dach übel zugerichtet und dem gantzen kostbaren Gebäude ein überaus großer Schaden zugefügt worden“ sei. Die Gewölbe waren in Folge permanenter Durchfeuchtung mittlerweile vom Einsturz bedroht, weshalb der Gottesdienst eingestellt wurde.

Jahrzehntelange Anstrengungen waren zur Überwindung der Kriegsfolgen notwendig. Bereits im März 1639 erhielt der Bildhauer Daniel Werner den Auftrag, u.a. die zerstörten Grablegen in Ordnung zu bringen. Die abgedeckten Dächer stellten die größte Gefahr für die Bausubstanz und die Innenausstattung der Kirche dar.

Im Jahr 1643 erfolgten weitergehende Reparaturen an den Dächern. „theils aber ao. 1643 mit Bley an etlichen Orten da es am nöthigsten gethan zu belegen,“ 1646 erfolgte die Reparatur der im 30jährigen Krieg geschädigten Orgel. Trotz diverser Sicherungsarbeiten an der Kirche musste der Bildhauer Daniel Werner Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg rund 15 Jahre nach den umfänglichen Schäden im 30jährigen Krieg, im Juni 1653, erneut über die undichten Dächer unterrichten.

Die Zerstörungen und Plünderungen 1637/38 führten aufgrund des kaum zu bewältigenden Instandsetzungsumfangs zu Folgeschäden am Gebäudebestand und zunehmendem Verfall an weiteren Klostergebäuden. Auch der Verfall des Kreuzganges und der Abriss bis auf den Mauerrest südlich der Kirche (Foto) ist vor allem eine Spätfolge dieses Krieges.  
 
Mehr zu dieser Zeit, den Zerstörungen und Wiederherstellungsarbeiten, im Vortrag am 15. November um 18 Uhr im Doberaner Münster mit anschließender Führung zu einigen diesbezüglich relevanten Ausstattungsstücken.

In Arbeit ist die Herausgabe eines Themenhefts mit weiteren Hintergrundinformationen, den entsprechenden Quellenangaben, historischen und aktuellen Abbildungen, welches möglicherweise am Abend des Vortrages bereits druckfrisch vorliegen wird.

Münsterkustos Martin Heider