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20.08.2018

Arbeiten an Fürstengräbern

Restaurierungsarbeiten im Doberaner Münster

Die OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan berichtete am 24. Juli über die Restaurierungsarbeiten im Doberaner Münster

von Anja Levien

Bad Doberan. Ein Knattern schallt durch das Bad Doberaner Münster. Wolfgang Hofmann zieht eine Kette durch einen Flaschenzug, an der ein Metallgitter festgemacht ist.
Dieses ist sonst im Boden im Chorraum des Gotteshauses eingelassen und dient als Grabschutz. Doch der Zahn der Zeit nagt an dem Gitter. Nässe und Dreck haben ihm zugesetzt. Deshalb wird es jetzt restauriert.
„Im Chorraum befinden sich seit dem 14. Jahrhundert zwei Gräber. Es gab mal mehr, aber nur die zwei sind erhalten geblieben“, sagt Münsterkustos Martin Heider. „Die Gräber sind mit mittelalterlichen Mosaikfliesen abgedeckt. Das ist etwas sehr seltenes.“ Und damit diese besser geschützt werden, habe Baumeister Gotthilf Ludwig Möckel (1838-1915) im späten 19. Jahrhundert die Gitter hinzugefügt.

„Die werden nur selten geöffnet“, sagt Martin Heider. Über die Gitter kann jeder Münsterbesucher hinüberlaufen. Daher weisen sie jetzt einige Schäden auf, auch durch die Feuchtigkeit im Boden. Hinzu kommt im Winter das Salz, das die Besucher unter den Schuhsohlen tragen. Im Februar war mit den ersten Arbeiten begonnen worden. Cora Zimmermann und Wolfgang Hofmann von der Restaurierungswerkstatt Metall aus Peenemünde haben mit der Reinigung der Gitter angefangen und auf den Unterseiten zwei Konservierungsschichten aufgetragen.


Grabstätte für Herzog und Fürstengattin. Im Grab auf der Nordseite liegt Heinrich der II. von Mecklenburg begraben. „Er war einer der wichtigsten Herzöge in Mecklenburg und wurde Heinrich der Löwe genannt“, sagt Martin Heider. Er sei nicht zu verwechseln mit Heinrich dem Löwen aus Sachsen und Bayern. „Der war ein einflussreicher Herzog auf Reichsebene.“ Auf dem Gitter ist seine Regierungszeit eingraviert: 1302 bis 1329. Er wurde Herzog nachdem sein Vater Heinrich der I. starb. Zudem ist der mecklenburgische Stierkopf zu sehen, um dem Betrachter deutlich zu machen, dass es sich hier um einen mecklenburgischen Herzog handle, erläutert Heider.

Auf der Südseite liegt eine Frau von Werle begraben. Wer genau konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Auf dem Gitter ist auf lateinisch der Schriftzug „Die Frau von Nikolaus von Werle“ zu lesen. „Da kommen zwei infrage“, so der Münsterkustos. Die Familie von Werle sei ein Fürstengeschlecht, das vor Jahren seine Bedeutung für das Doberaner Kloster verloren habe. „Die Linie Mecklenburg hat sich hier durchgesetzt“, so Martin Heider. Die Burg Werle habe bei Schwaan gestanden.

Lockerung der Regularien. Es sei erstaunlich, dass sich im Chorraum die Gräber von weltlichen Würdenträgern finden, so Martin Heider. Denn eigentlich war die Bestattung dieser in diesem Bereich ursprünglich untersagt. Allerdings hätten sich die Regularien im 13./14. Jahrhundert gelockert, sodass die weltlichen Stifter des Klosters im Chorraum bestattet werden durften.

Damit die Gitter nach der Restaurierung nicht wieder Salz und Schmutz ausgesetzt sind, wird es eine schlichte Umfriedung geben, die jederzeit abmontiert werden kann. Die Restaurierung wird durch das Förderprogramm des Bundes „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Ostdeutschland“ unterstützt, das 175.000 Euro zur Verfügung stellt.

Diese Fördermittel wurden auch für die Sanierung des Fußbodens im Nordquerhaus verwendet, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Bodenplatten aus dem Jahr 1830, die unter dem Fußboden von 1920 gefunden worden waren, sind gereinigt und verlegt worden, informiert Martin Heider.

Mit dem Fördergeld konnte auch der Altar der Kreuzigung Christi durch die Tugenden, der um 1330 entstanden ist, restauriert werden. Hier seien die Bilder zum Teil behutsam retuschiert und vor allem konserviert worden, erläutert Heider.

Ebenfalls konnte die Traufbelüftung am Kapellenkranz von dem Geld fertig gestellt werden. Seit einigen Tagen sind die Baugerüste verschwunden. Auch ein Abschluss der Arbeiten an den Grabgittern im Chorraum ist in Sicht.

Quelle: OSTSEE-ZEITUNG Bad Doberan, Dienstag 24. Juli 2018

Fotos:
1.) OZ-Foto: Schutzgitter im Chorraum über dem Grab der Frau von Werle wird restauriert (Foto: Anja Levien)
2.) Schutzgitter über dem Grab von Herzog Heinrich II. von Mecklenburg nach der Restaurierung (Foto: Martin Heider)
3.) Chorraum nach dem Abschluss der Restaurierungsarbeiten (Foto: Martin Heider)