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15.06.2017

Das Münster im 16. Jahrhundert

Vortrag und Sonderführung "500 Jahre Reformation" – Folge 2 am 15. Juni 2017

Sonderführung "500 Jahre Reformation" – Folge 2

"Das Doberaner Münster im Jahrhundert der lutherischen Reformation" ist der Titel einer neuen Vortrags- und Sonderführungsreihe, die anlässlich des Lutherjahres angeboten wird. Die zweite Folge findet am Donnerstag, dem 15. Juni um 16 Uhr im Doberaner Münster statt.

Eigens zum Reformationsjubiläumsjahr wurden durch die Münsterverwaltung Literatur, Urkunden und Akten gesichtet und aus bekannter und weniger bekannter Überlieferung ein neue Vortrags- und Sonderführungsreihe erarbeitet. Monatlich bis in den Herbst stellt Münsterkustos Martin Heider verschiedene Zeiteinheiten und Themen des 16. Jahrhunderts vor. Jede Veranstaltung hat einen eigenen thematischen Schwerpunkt, so dass der Besuch auch dann lohnt, wenn vorhergehende Folgen verpasst wurden.

Die erste Folge am 18. Mai begann mit einem Exkurs in das 15. Jahrhundert und führte bis in die Zeit um das Jahr 1500. Es wurde der Frage nachgegangen, unter welchen Voraussetzungen das Kloster in das Jahrhundert der lutherischen Reformation ging. 

Im Jahr 1422 galt Doberan als besonders regeltreues Kloster. Damals wurde Abt Hermann Bockholt (Amtszeit 1404-
1423/24 (resigniert) auf dem Generalkapitel, der Versammlung der Zisterzienseräbte bzw. deren Vertreter im Stammkloster des Ordens in Citeaux, als „regeltreuer Abt" zum „Reformator“ anderer Klöster eingesetzt (Foto 2: Fragmente seiner Grabplatte im Doberaner Münster). Doberan hatte gar die führende Stellung in der „Provinz der Seelandschaften“ inne, die von Holstein bis Westpreußen reichte. Anhand einer Übersichtskarte wurden im Vortragsteil die zur Provinz gehörenden Klöster gezeigt.

Die Doberaner Äbte wurden auch Konservatoren an der Rostocker Universität. Im Jahr 1460 wird trotz Schwierigkeiten und Schädigungen das Kloster ordensintern positiv bewertet. Das Abgabenbuch des Zisterzienserordens gibt für dieses Jahr einen wesentlichen Hinweis auf die Wirtschaftskraft Doberans. Das Kloster Doberan zahlt fast den vierfachen Betrag des Mutterklosters Amelungsborn.  


Die Literatur verweist wiederholt auf eine Urkunde aus dem Jahr 1478, in der das Doberaner Kloster in der Ordensprovinz als "zu den glücklichsten von allen und als reich anzusprechen" sei. Diese Verkürzung einer weiterführenden Aussage wurde im Vortrag hinterfragt. Warum galt man als reich und glücklich? Laut der Urkunde aufgrund seiner Gemeinschaftsbauten! Über die geistlichen, geistigen und wirtschaftlichen Verhältnisse sagt dies freilich noch nichts aus. Denn auf derselben Doberaner Versammlung waren auch andere Töne zu vernehmen. Die Äbte klagten am 20. Juni 1478 schwer über ihre materielle Notlage und die Ausbeutung durch die Fürsten. Doberan schrieb, es hätte in wenigen Jahren viele tausend Goldgulden für seine Fürsten gebraucht, und meinte damit insbesondere die fürstlichen Ablager.

Nur wenige Jahre später, in den 1480er Jahren, wäre die Abtei beinahe in den Ruin getrieben worden. Für das Jahr 1488 wird berichtet, dass das Kloster materiell so geschwächt war, dass es die Funktion des Kollektors der Ordensprovinz an die Abtei Eldena übergeben musste. Wenige Jahre später wurde dem Kloster Korn vom Felde gestohlen, auch andere Schädigungen sind überliefert. Einerseits lasteten Forderungen der mecklenburgischen Herzöge auf dem Kloster, andererseits schützen diese es in Krisenzeiten. Es lohnt ein differenzierter Blick, so auch im weiteren Verlauf der späten Klosterzeit.


Interessierte sind zur zweiten Folge der Themenreihe am 15. Juni 2017 um 16 Uhr in das Doberaner Münster eingeladen. Es wird die Zeit ab dem Jahr 1500 betrachtet, insbesondere die Auseinandersetzung zwischen dem Vaterabt aus dem Mutterkloster Amelungsborn und den Herzögen um das Visitationsrecht und das Streben der Herzöge nach Reformen im Kloster Doberan. Eine Urkunde spricht von Missständen in der Abtei. Wie sind diese einzuordnen? Wie waren die Zustände in anderen Klöstern der Klosterprovinz? 

Herzlich willkommen! Der Eintritt ist frei. Spenden werden erbeten. Weitere Termine und aktuelle Informationen werden auf der Münsterhomepage unter www.muenster-doberan.de veröffentlicht.

Martin Heider



Fotos:
1.: Rekonstruktionsversuch des klösterlichen Gebäudebestandes. Ein in den 1950er Jahren entstandenes Klostermodell im Bestand des Deutschen Historischen Museums Berlin. Es zeigt die Gemeinschaftsbauten des Klosters, für die das Kloster als reich und glücklich bezeichnet wurde, so die Klausurgebäude südlich der Kirche.  (Foto: Wera Mohr)
2. Fragmente der Grabplatte von Abt Hermann Bockholt (Amtszeit 1404-1423/24 (resigniert) im Doberaner Münster
(Foto: Martin Heider)
3. u. 4. Erster Vortrag der Themenreihe am 18.5.2017 im Doberaner Münster (Foto: Konstanze Heider)