• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
05.12.2005

Neue Geländer im Dachbereich des südlichen Seitenschiffs

Tischler der Kröpeliner Werkstätten sorgen für Sicherheit auf dem Dachboden des Doberaner Münsters. Weitere Bauaufträge könnten folgen.

Zweieinhalb Wochen lang brummten Bohrmaschinen, kreischten Kreissägen und klopften die Hämmer über dem Gewölbe des Doberaner Münsters. Gestern verlegte die siebenköpfige Tischler-Mannschaft aus den Kröpeliner Werkstätten die letzten Bretter für die Laufflächen auf dem Dachboden des Gotteshauses. "Wir sind mit der Arbeit sehr zufrieden", sagt Münster-Verwalter Martin Heider bei der "kleinen Bauabnahme". "Es ist eine tolle Sache, dass Menschen mit Behinderungen unter fachlicher Anleitung so eine tolle Arbeit machen", so der Kustos weiter.

Zum ersten Mal hatte der Bauverein einen Auftrag außerhalb des ersten Arbeitsmarktes vergeben. "Für uns bleibt es eigentlich im Haus", sagt Martin Heider. Schließlich werden die Kröpeliner Werkstätten von der Diakonie getragen und gehören damit auch zur evangelischen Kirche. In den vergangenen drei Jahren gab der Verein rund 300 000 Euro jährlich für Bauarbeiten aus. In Anbetracht des "tollen Ergebnisses" hat die Kröpeliner Einrichtung auch in Zukunft Chancen bei der Auftragsvergabe. "Gerne mehr", sagt Martin Heider. Die Tischler aus Kröpelin sind sogar voll im Zeitplan geblieben.

André Mendrina, Tischler und Pädagoge bei den Werkstätten, hat die Jugendlichen zusammen mit seinem Kollegen Marcus Pläth während der Bauphase betreut. "Viele trauen uns Aufträge mit so einem Volumen gar nicht zu", sagt der 33-Jährige. 6,5 Kubikmeter Kiefernholz haben seine Schützlinge auf dem Dachboden des Münsters verbaut. "Daraus hätte man auch 100 Türen machen können", sagt Mendrina.

Für Karsten Müller und Sven Schumacher, 18 Jahre alte Tischler aus den Kröpeliner Werkstätten, bedeutete das viel Schlepperei über eine enge Wendeltreppe. "Aber wir haben nur die kleinen Teile getragen", berichtet Karsten Müller. Lange Bretter und schweres Werkzeug wurden über den Lastenaufzug auf 16 Meter Höhe gezogen. "Dafür hat das Nägelhämmern richtig Spaß gemacht", sagt Sven Schumacher. Einige seiner Kollegen hätten sich jedoch zwei Mal überlegt, ob sie für eine kurze Zigarettenpause 70 Stufen hinuntersteigen. Oben auf dem Dachboden herrscht natürlich strenges Rauchverbot.

Für Schüler wie Pädagogen ist das Arbeiten an einem so bedeutenden Gotteshaus etwas ganz Besonderes. "Es ist schon toll dort zu arbeiten, wo schon die großen Baumeister tätig waren", sagt André Mendrina. Für seine Schützlinge freue er sich, dass sie etwas von bleibendem Wert geschaffen haben. Die neue Konstruktion werde einige Jahrzehnte halten "bis sie durchgetreten ist", meint André Mendrina. "Hier ist kein Wasser und kein Licht - wir werden es nicht mehr erleben, dass es ausgetauscht wird."

Für die Münster-Besucher bedeuten die neuen Wege mehr Sicherheit bei den Führungen über den Dachboden, meint Martin Heider. Mussten die Gäste bei der Gewölbeführung bislang über schmale verzinkte Stahlgitter gehen, wurden jetzt breite Wege mit Handlauf, Knie- und Fußschutz angelegt, "so dass es auch den Sicherheitsvorschriften entspricht", sagt der Münster-Verwalter. Seit fünf Jahren wird die Führung über dem Gewölbe angeboten. Im Frühjahr sollen die Arbeiten am Kapellenkranz beginnen. So werde ein Rundweg entstehen, der über das südliche Schiff hinauf auf das Hauptschiff in den Glockenturm und über die Nordtreppentürme in den Kapellenkranz zurück nach unten führt, erklärt Martin Heider.

Quelle: www.ostsee-zeitung.de/, Neubukow und Kröpelin, von CHRISTIAN VOSS Freitag, 02. Dezember 2005