• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
24.11.2005

Restaurierung der Schrift-Epitaphien im Münster

Es ist schon fast der Alltag: Männer in Arbeitskleidung und Besucher in Ausgehgarderobe - ein buntes Bild der Geschäftigkeit im Bad Doberaner Münster. Die einen sind da, um viel über die Historie zu Erfahren, die anderen, um das wertvolle historische Gut zu erhalten. Viele Restaurationsarbeiten werden direkt vor den Augen der Besucher ausgeführt, andere dagegen etwas abseits, abgeschirmt vom Staub aufwirbelnden Trubel und weil konzentriertes Arbeiten mit Fingerspitzengefühl es nicht anders zulassen.

Auch Diplom-Restaurator Georg von Knorre arbeitet im abgeschirmten Teil des Münsters. Vor ihm liegen oder lehnen an der provisorisch aufgebauten Wand 15 fürstliche Schriftepitaphien und Inschriften aus dem 16. Jahrhundert, 13 sind in Latein verfasst (freie Übersetzung in: "Die Kirche zu Doberan" aus dem Jahre 1896, von Dr. Kühne). "Epitaph ist vom griechischen epitaphium abgeleitet und bedeutet Grabinschrift - zum Gedächtnis an einen Verstorbenen", erklärt Georg von Knorre, und weiß auch, dass die Tafeln bereits im 18. Jahrhundert gründlich restauriert wurden. Sie sind aus Holz mit Goldschrift auf schwarzem Grund, bis zu 2,50 Meter hoch, mit Wappen der Herrschaften Mecklenburg, Rostock, Stargard, Werle und der Grafschaft Schwerin verziert und sind aus einzelnen dünnen Brettern zusammengesetzt. Die Jahrhunderte haben sichtbare Spuren hinterlassen, an der Farbschicht wie auch am Holz, weiß Georg von Knorre und erklärt den Vorgang für jede einzelne Tafel: Zu Beginn erhält die Farbschicht eine Festigung. Die dünnen Bretter müssen aus dem Rahmen vorsichtig entfernt und wieder neu verleimt werden. Jetzt kann die Reinigung der Oberfläche beginnen. Sichtbar gewordene Fehlstellen an der Farbigkeit ergänzt Georg von Knorre mit ruhiger Hand, ebenso die Außenprofile der Holzrahmen und die Schmuckeinsätze. Seit Juli 2005 arbeitet der Diplom-Restaurator an den Tafeln. Der größte Teil ist geschafft. Zum Jahresende sollen sie wieder an der Wand im südlichen Seitenschiff angebracht werden.

Georg von Knorre ist gebürtiger Rostocker. Studium und Arbeit hielten ihn für einige Jahre in Dresden fest. 2000 kam er in seine Heimatstadt zurück und ging in die Selbstständigkeit mit der Spezialisierung für Kunstwerke aus Holz, Leinwandgemälde und Wandmalereien. Umfangreiche Restaurierungsarbeiten führte er an der Universitätskirche in Rostock aus.

Ja, er hätte sich durchaus auch als Maler niederlassen können, die künstlerische Begabung habe er in den Genen, gibt der bescheiden auftretende Mann zu. Aber heute sei vieles, was als Kunst verkauft wird, eben keine Kunst. Dennoch, nebenbei malt er sehr gern und sagt: "Mein zweites Standbein ist die Anfertigung von Gemäldekopien für Museen".

Eva-Maria Reinhardt

Quelle: Bad Doberaner Anzeiger - Ausgabe 46. Woche Seite 1