• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
29.12.2006

Ausstattung von hohem europäischem Rang

Am 02.11.2006 hielt der Kunsthistoriker Dr. Markus Hörsch im Gemeindehaus der Evangelisch-Lutherischen Kirche einen Vortrag zum Thema "Die wachsende Ausstattung der neuen Doberaner Abteikirche".

Die Einladung zu diesem Vortrag erging von der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde und dem Münsterbauverein e.V. Bad Doberan. Herr Dr. Hörsch kommt aus Bamberg. Er untersuchte viele Zisterzienserabteien nördlich der Alpen und trug Beiträge zur Ikonographie im Vergleich vor.

Im ersten Teil seines Vortrages befasste er sich mit Bernhard von Clairvaux und seinen Ansichten zur Architektur und zum Schmuck bzw. der schmückenden Ausstattung, dem Bildgebrauch, in einer Zisterzienserkirche.

Es wurde deutlich, dass Bernhard von Clairvaux Einfluss auf die Kunst und die Architektur nicht der war, den man ihm bisher zuschrieb. Er hat nicht im eigentlichen Sinne Einfluss genommen, sondern nach seinem Verständnis von Kunst und Architektur diese unter dem Aspekt der Askese betrachtet. Für Bernhard von Clairvaux ist Schmuck eine Ablenkung der Mönche von ihrer Meditation. Der Mönch soll Gott durch Lesen in Büchern und im Gebet näher kommen - nicht jedoch durch Bildbetrachtung.

Das 13. Jahrhundert ist geprägt von einem Versuch Schlichtheit und Askese und dem Wunsch nach Schmuck in Einklang zu bringen. Im 14. Jahrhundert drängten allerdings immer mehr Laien - vorwiegend adlige Stifter - in die Klosterkirchen und verlangten nach schmückender Ausstattung. Mehr und mehr wurden Klosterkirchen zu bestimmten Anlässen auch Laien geöffnet. Anlässe waren z.B. der Kirchweihtag, eine Wallfahrt, ein fürstliches Begräbnis oder später auch das Begräbnis eines Förderers des Klosters. Der Einfluss der Laien, besonders der Stifter, lässt sich in der Architektur und besonders der kunstvollen und äußerst prächtigen Ausstattung der neuen Doberaner Abteikirche ablesen.

Es sind speziell zwei Phasen der Ausstattung ablesbar. Die erste Phase beginnt sofort bei Fertigstellung der Kirche um 1300, die zweite Phase etwa 1350/1360. Die Ausstattung der ersten Phase ist geprägt vom Hochaltar, die der zweiten Phase vom Kreuzaltar. Die zweite Phase fällt in die Regierungszeit Kaiser Karl IV. - in der Kunst ein "Schönes Zeitalter" genannt. Karl IV. liebte Prunk. Zentren seiner Herrschaft waren Prag und Nürnberg. Aus Prag und Südböhmen sowie aus Nürnberg sind Parallelen zur Ikonographie im Kreuzaltar nachweisbar. Die kostbare Ausstattung ist also vor allem dem Umstand zu danken, dass das Doberaner Münster fürstliche Grablege war.

Wieder einmal wurde bestätigt, dass sowohl die Architektur als auch die Ausstattung hoch interessant und von hohem europäischem Rang sind. Weitere vergleichende Forschungen werden sicher noch mehr interessante Entdeckungen ergeben.

Ursula Gühler / Münsterbauverein