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27.12.2006

Grabplatte im Münster gerettet

Herzogin Anna ist die einzige Frau mit einer eigenen mittelalterlichen Grabplatte im Doberaner Münster. Gestern wurde die Platte neu platziert.

Bad Doberan: Gestern erhielt die wertvolle Kalksteinplatte der Herzogin Anna von Mecklenburg eine angemessenen Platz im Doberaner Münster. Bisher stand die 542 Jahre alte Grabplatte im Schatten des Kassenhäuschen im Eingangsbereich des Münsters. Architekt Gotthilf Ludwig Möckel war es einst, der das wertvolle Austattungstück vor Abrieb schützen wollte und es infolgedessen aus dem Fußboden hob und in der Wand verstaute. Dort, informiert Münsterverwalter Martin Heider, sei die Feuchtigkeit und damit der Salzgehalt allerdings viel höher, sodass der Kalkstein allmählich stark beschädigt wurde. Bevor die spätmittelalterliche Platte nun restauriert werden konnte, musste sie, fest einzementiert, aus der Wand gehoben werden. Danach war eine Reduktion des Salzgehaltes durch ein spezielles Verfahren notwendig.

Die aufwändige Restaurierung wurde von fünf Fachleuten unter der Leitung des Berliner Restaurators Boris Frohberg durchgeführt und dauerte gut ein halbes Jahr. Das Loch in der Wand ist wieder geschlossen und zeigt keinerlei Spuren eines Eingriffes.

Die Anna-Grabplatte sei nach Empfinden des Kustus Martin Heider eine der schönsten im Münster. Die sehr feine und sehr aufwändige Gestaltung des Abbildes der, wie die lateinische Inschrift der Platte verrät: "vornehmen Jungfer Anna" zeige typische Ansätze des zeitlichen Übergangs von der Gotik zur Renaissance. Wo die Platte allerdings vor 542 Jahren angefertigt wurde, ist bisher leider noch nicht bekannt.

Um diese 2,47 Meter hohe und 1,64 Meter breite Grabplatte auf einem frei stehenden Gestell im nördlichen Querhaus, gegenüber der Pribislavkapelle zu platzieren, musste ein besonderes Stahlgestell angefertigt werden.

Mit kleinen Gewichtsproblemen hatte die mit der Montage beauftragte Bau-Union Wismar vor Ort zu kämpfen. Immerhin wiegt das imposante Werk zwei Tonnen. Nach etwa zwei Stunden stand die Grabplatte der Herzogin Anna, nun nicht weit entfernt vom Bildnis ihres Vaters, Herzog Heinrich IV.

In den letzten Jahren wurden bereits 22 von insgesamt 27 Grabsteinplatten des Doberaner Münsters aufwändig restauriert und somit für die Nachwelt erhalten.

DORIT WEHMEYER

www.ostsee-zeitung.de

Freitag, 08. Dezember 2006