• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
21.12.2006

Metallrestaurator Wolfgang Hofmann hinterlässt seine Spuren im Münster

Bad Doberan - "Durch das, was Wolfgang und Brigitte Hofmann in den zurück liegenden Jahren hier im Münster geleistet haben, bekommt man einen neuen Blick auf die Metallarbeiten, lernt diese kleinen Kunstwerke auf eine neue Art wertzuschätzen", sagt Martin Heider, Kustos des Bad Doberaner Münsters. "Mehr Beachtung finden bei den Besuchern normalerweise die wertvollen Malereien auf den Altären, Schnitzereien und Glasarbeiten", fügt er hinzu.

Über einen "ganz normalen Handwerksberuf" habe er sich zum Metallrestaurator immer weiter qualifiziert, erzählt der Wolgaster Wolfgang Hofmann, der in der vergangenen Woche gemeinsam mit seiner Frau eine neue Gedenktafel für die im 2. Weltkrieg gefallenen Familienmitglieder der Familie von Oertzen anbrachte. "Das Geschlecht derer von Oertzen ist im Münster nicht nur durch die beiden Grabplatten sowie mehrere Gedenktafeln präsent, sondern es findet, wie andere Adelsgeschlechter aus dem Mittelalter, Erwähnung als Schützer und großzügiger Förderer des Klosters", erläutert der Kustos.

Bis Mitte der 70-er Jahre existierte im Münster noch die Oertzen-Kapelle, die damals im Zuge von Restaurierungsarbeiten abgerissen worden ist, übrigens mit Einverständnis der Familie und der Denkmalpfleger. Mit dem Abriss des etwa 80 Jahre alten Baus wurde der Blick in das südliche Seitenschiff frei - so wie es zu dieser Zeit allgemeine Auffassung im Bereich Restaurierung war. Der mittelalterliche Raumeindruck sollte so weit wie möglich wieder hergestellt werden. Geblieben ist auch das Oertzen-Fenster aus dem 19. Jahrhundert, das neben den Darstellungen von zwei Mitgliedern der Adelsfamilie das Wappen zeigt - wie es auch auf den drei Gedenktafeln zu Ehren Gefallener von Oertzens zu sehen ist.

"Im Münster sind Restaurierungsarbeiten für Grabplatten und andere Tafeln in vollem Gange, einige Arbeiten konnten bereits erfolgreich abgeschlossen werden", so Martin Heider. "Wenn Wolfgang Hofmann Platten anbringt, dann normalerweise restauriert oder gereinigt. Dass etwas völlig Neues hier einen Platz bekommt - ja, das ist schon sehr selten."

In der Wolgaster Werkstatt des Metallrestaurators erhielt die Gedenktafel, die aus zwei Bronzeplatten besteht, eine Befestigungskonstruktion, die gleichzeitig die beiden Teile zu einem Ganzen zusammengefügt hat. "So, wie bei allen anderen bereits restaurierten Platten, erfolgte auch hier die Montage luftumspült vor der Wand, um Folgeschädigungen zu vermeiden", erläutert der Restaurator die Konstruktion. Auch die beiden anderen Gedenktafeln, die schon vor Jahren im Münster angebracht worden waren, erhielten eine ähnliche Konstruktion. "Gereinigt habe ich die beiden Platten natürlich auch - verschmutzt geht bei mir nichts aus der Werkstatt."

Bevor der Wolgaster wieder nach Bad Doberan kommt, warten Bronzetafeln in der Marienkirche Barth auf fachkundige Aufarbeitung. Zwar sind u.a. die Geländer zur Sakristei, die Möckelleuchten und auch Gitter an einigen Gruften inzwischen wieder in einem sehr guten Zustand, doch die nächsten konkreten Aufgaben stehen schon fest: "Die Türschlösser am Haupteingang, die von etwa 1850 stammen, müssen dringend aufgearbeitet werden. Danach wäre einiges Gitterwerk im Münster selbst an der Reihe", sieht Martin Heider die nächsten Schritte für den Metallrestaurator.

Kerstin Griesert

Doberaner-Anzeiger Herbst 2006

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