• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
19.12.2006

Zuwendung zur Weiterführung der Sanierungen im Münster

"Ein erfreulicher Tag", freute sich Kustos Martin Heider am Donnerstag voriger Woche, als Landeskonservator Dr. Friedrich Lüth dem Doberaner Münster einen Besuch abstattete und ihm sowie Pastor Albert Jax vor dem Hochaltar ein Dokument über die Zuwendung einer ansehnlichen überreichte. Das Geld soll dazu dienen, die Sanierung und Restaurierung in einer der schönsten Backsteinkirchen an der Ostseeküste fortsetzen zu können. Er übergab den Förderbescheid in Anwesenheit von Architektin Carla Strebe, die die Restaurationsarbeiten betreut hat, dem Küster und von Journalisten. Das Münster werde mit Sorgfalt erhalten, betonte Heider im Hinblick auf die zahlreichen Erhaltungsarbeiten, die im Gotteshaus ausgeführt wurden. Allein seit 2001 wurden dafür 1,1 Millionen Euro ausgegeben.

Bei der Förderung handele es sich um keinen Gefallen, betonte Dr. Lüth, der persönlich seit Jahren mit dem Bau verbunden ist. Wenn gefördert werde, müsse es sich um Bedeutendes handeln, unterstrich er. Mit den Fördermitteln solle möglichst viel erreicht werden. Rechtzeitig müsse etwas getan werden, damit es nicht erst zu Einstürzen kommen kann.

Ein Großteil der Förderung übernimmt der Bund. Ohne großmütige Unterstützung wäre man nicht so weit gekommen. Auch das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege steuerte einen beachtlichen Beitrag zu. Hinzu kommt ein Anteil der Münstergemeinde und anderer Spender. Das Doberaner Münster wird bereits im vierten Jahr gefördert. Insgesamt sind höchsten acht Jahre möglich; denn auch andere Denkmale warten auf Unterstützung.

Carla Strebe schilderte die in den letzten Jahren erfolgten Sanierungen: Nachdem 1995/1996 das arg lädierte fast 20 Meter hohe Westfenster vorwiegend mit Spenden von Doberanern und Freunden des Münsters instand gesetzt worden war (Der Städteanzeiger berichtete damals ausführlich), rückten Handwerker und Spezialisten von 2003 an den übrigen beschädigten Fenstern zu Leibe. Noch in diesem Jahr sollen auch die letzten in Angriff genommen werden. Nicht nur Glasschäden waren zu beseitigen, auch das Drum und Dran erhielt seine alte Festigkeit zurück. Zum Beispiel die steinernen Rippen des Fensters über der Pribislavkapelle mussten total erneuert werden. In diesem Jahr geht es an die Instandsetzung der letzten Fenster.

In der Pribislavkapelle, in der sich wahrscheinlich die letzte Ruhestätte des Fürsten befindet, änderte sich wohl das meiste. Drei marmorne Epitaphe mit Hinweisen auf den Landesfürsten, der bekanntlich großen Anteil an der Gründung des Doberaner Klosters hatte, der Fürsten von Werle und derer von Rostock sowie weiterer Fürsten Mecklenburgs, die im Münster beigesetzt sind, fanden ihren Platz an der Nordwand und erhielten wieder eine leserliche Aufschrift.

Teilrestauriert wurden auch der Flügelaltar "Kreuzigung Christi durch die Tugenden" aus der Zeit zwischen 1330 und 1340, der vermutlich zur Erstausstattung des Münsters gehörte. Er befindet sich nun in der Kapelle der Königin Margarete von Dänemark.

Zehn Grabplatten von Doberaner Äbten wurden im vergangenen Jahr restauriert und inzwischen mit drei weiteren an beiden Wänden des nördlichen Seitenschiffs - sicher vor Feuchtigkeit und Versalzung - und so weit wie möglich in chronologischer Reihenfolge angebracht. Die ältesten sind kleiner und trapezförmig. Sie enthalten lediglich einen Abtsstab als Zeichen dafür, dass es sich um Platten für Geistliche handelt. Die neueren sind mit Namensinschriften und Verzierungen versehen.

Im nächsten Jahr könnte die Reparatur der Grabplatten abgeschlossen werden. Noch zu sanieren ist die Grabplatte der Herzogin Anna sowie das Epitaph der im Münster bestatteten Fürsten, das sich Eingangsbereich befindet.

Martin Heider verwies darauf, dass auch zu DDR "unwahrscheinlich viel" am Münster getan wurde, z. B. das Gebäude neu eingedeckt. Damit wurde die Bausubstanz geschützt und die Sanierung könne sich der Ausstattung annehmen und Details in Ordnung bringen. Man habe sich auf Dinge konzentriert, die in den letzten 100 Jahren seit der Renovierung durch Möckel nicht angefasst wurden.

Stadtanzeiger 15. April 2006

Bad Doberan / w. v.