• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
14.12.2006

Fenster flott für 100 Jahre

Mehr als 700 000 Euro flossen in die Fenstersanierung des Münsters. Die Gerüste werden noch bis kommende Woche abgebaut, sodass die Weihnachtsgottesdienste wieder im Ostteil stattfinden können.

Bad Doberan Es ist vollbracht: Die Fenstersanierung ist abgeschlossen und damit verschwinden endlich auch die Gerüste aus und vor dem Doberaner Münster.

Seit Juni standen im Chorraum unzählige Meter Metall und Holz, die selbst Vorarbeiter Peter Lange von der Demminer Gerüstbaufirma Welsow und Radloff nur schwer bemessen kann. "300 Kupplungen und 500 Geländer waren es bestimmt", schätzt der 28-Jährige. Mehrere Einfamilienhäuser hätten mit Sicherheit hinter dem Material verschwinden können. Für Lange und seine Kollegen war der Einsatz im Münster nicht aufregend: "Natürlich ist es immer etwas Besonderes, aber wir arbeiten regelmßig in Kirchen."

Kustos Martin Heider ist froh, dass diese Bauphase abgeschlossen ist und festlicher Glanz einziehen kann: "Jetzt findet der Weihnachtsgottesdienst im Ostteil des Münsters statt." Dennoch war der Termin nicht absehbar, als das Projekt Fenstersanierung mit voller Kraft 2002 startete. "Die Finanzen waren zuvor so knapp, dass nur ein bis zwei Fenster pro Jahr an die Reihe kamen, in diesem Jahr waren es 14", erzählt Heider. Insgesamt 69 der Exemplare, die vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert stammen, sind jetzt wieder heil und schick.

Eines der größten Probleme, so Architektin Carla Strebe, war die Tatsache, dass sich der Schadensumfang erst nach dem kompletten Ausbau zeigte. Vor allem die teilweise gebrochenen Rippenziegel bereiteten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen - jede Rippe hat eine andere Form und das Brennen dauert mindestens acht Wochen. Erneuert sind jetzt auch Quer- und Windeisen, Deckschienen, Schutzgitter und -glas, Fensterbänke und Glasfassung. "Zum Teil sind die Fenster nunmehr für die nächsten 100 Jahre haltbar", so Heider.

Die Gesamtkosten für die Fenstersanierung seit 2002 liegen bei mehr als 700 000 Euro. Bund und Kirchgemeinde übernahmen jeweils 40 Prozent, das Land 20 Prozent. Hinzu kamen jede Menge Spenden aus ganz Deutschland, durch Benefizveranstaltungen sowie den Münsterbau-Verein.

Auch in den beiden kommenden Jahren stehen weitere Projekte an. Martin Heider erzählt: "Beispielsweise wollen wir den Kreuzaltar restaurieren, auch weitere Grabplatten und der Dachstuhl stehen auf dem Plan." Darin steht wann genau was passiert, alles hängt jedoch immer von den Fördermitteln ab. Mit einem nächsten Bescheid rechnet Heider im kommenden Februar, die Arbeiten könnten zur Jahresmitte starten.

JENNY KATZ

Wochenendausgabe, 25. November 2006

www.ostsee-zeitung.de