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19.12.2008

Suppenküche: Die Zahl der Bedürftigen wächst

Als im Sommer vergangenen Jahres in der evangelischen Kirchgemeinde von Bad Doberan die Idee von einer Suppenküche erste Konturen annahm, konnte noch niemand ahnen, welchen Zuspruch die Einrichtung nach nur wenigen Monaten haben würde. Heute kommen an jedem Werktag bis zu 120 Menschen in die Klosterstraße 2 und erhalten hier eine warme Mahlzeit. Eine Zahl, die zum einen eindeutig den gegenwärtigen Trend in der Gesellschaft belegt. Die Armut wächst. Und immer mehr Kinder sind auf das Essen im Küsterhaus angewiesen. Die steigende Zahl der Teilnehmer an den Mahlzeiten beweist aber noch anderes: Vertrauen. Wer einmal herkam, der kehrt zurück. Hier wird der Einzelne in seiner Würde respektiert.

Es gibt keine Kontrolle der Bedürftigkeit. Niemand muss sich mit dem Schein irgendeines Amtes ausweisen. Denn wer den Gemeinderaum betritt, hat die schlimmste Hürde schon genommen - die eigene Hemmschwelle. Drinnen gibt es schön eingedeckte Tische. Eine Art Essenklappe, an der sich Schlangen bilden könnten, in die sich Bedürftige in Demut einzureihen haben, sucht man vergeblich. Hier wird jeder bedient. Freundlich nach seiner Wahl gefragt.

Es sind täglich zwei Essen im Angebot, manchmal auch mehr, Meist Suppen natürlich. Dazu Nachtisch, auch Kuchen und Schmalzbrote. Und Kaffee oder Tee, kalt und warm. "Schon die Tatsache, eine Wahl zu haben, bedeutet für viele Menschen doch nichts weniger als Anerkennung", sagt Barbara Niehaus, die zu den Initiatoren des Küchenprojektes gehört. Jeder zahlt für die Mahlzeit, was seine Lebenssituation und die Geldbörse zulässt. Mancher mehr, andere weniger, einige nichts. In einer Ecke des Gemeinderaumes steht eine Milchkanne mit der Aufschrift "Spenden".

Die Suppenküche dient zweifellos der Grundversorgung all jener, die sich mittags keine Mahlzeit leisten können. Aber Münster-Pastor Albrecht Jax wird auch nicht müde, zu betonen, dass es sich bei dem Treffpunkt nicht lediglich um eine Art von Essensausgabe handelt. "Die Grenzen von Geben und Nehmen vermischen sich. Wer aus der Armut kommt, gibt seine Gegenwart dem, der einsam ist." Gesellschaft bieten, das ist ein äußerst wichtiges Anliegen des Treffpunktes, bestätigt auch Barbara Niehaus. Für viele ist das gemeinsame Essen der einzige Lichtblick am Tag. Und der verbliebene Rest einer Struktur im Leben. P.W.

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Mittwoch, 03. Dezember 2008