• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
18.12.2007

Magister glänzt in alter Robe

Die letzten fünf von 25 Grabplatten wurden im Münster restauriert. Wiedereinbau: im Januar. 250 000 Euro kostete die Konservierung.

Bad Doberan Magister Hermann Kruse im Talar des Rostocker Universitätsgelehrten mit breitem Pelzkragen und Halskrause: Ehrfurchtsvoll hält er den Laien-Kelch, der nach der Reformation allen evangelischen Christen und nicht nur den Priestern gereicht wurde. Auf der Grabplatte von Hermann Kruse fand dieses Bild seine Verewigung. Kruse war der erste lutherische Pastor in der Geschichte Doberans. 35 Jahre lang wirkte der gebürtige Oldenburger im Münster, hinterließ ein reich bestelltes Feld, als er im Jahre 1599 starb, im Münster seine letzte Ruhestätte fand.

Kruses Vermächtnis rückt seit Wochen stärker ins Bewusstsein der Fachleute. Unter ihnen der leitende Restaurator Boris Frohberg aus Berlin. Mit seinem Team widmete er sich seit Juli der Kruse-Gedenktafel aus der Renaissance und den vier Grabplatten aus dem Mittelalter. Sie waren für die Adelsfamilie von Axekow im Münster aufgestellt worden, einer Familie, die sich als Stifter und Förderer des Klosters um das Gotteshaus verdient gemacht hat und im 15. Jahrhundert ausstarb. "Wir hatten bei allen Platten aus Gotländer Kalkstein das selbe Problem: Die Oberfläche war stark zerstört, weil Salze und Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk eindrang", erzählt der Restaurator. Er erinnert daran, dass das Münster im moorigen Umfeld steht, die Feuchtigkeit sitzt tief in den Wänden. Sein Team nahm an den Grabplatten nicht nur eine Salzreduzierung vor, sondern kittete Fehlstellen, beruhigte damit die Oberfläche. Der Kalkstein aus Gotland zeigt sich in seiner natürlichen Form, mit Einschlüssen von Muscheln und Meerestieren. Nach der Restaurierung werden die Grabplatten an die Wände des Münsters angebracht.

Das Besondere: Klammern aus Edelstahl halten die Platten vor Wänden oder Nischen. So können sie künftig von Luft umspült und besser vor aggressiven Umwelteinflüssen geschützt werden, ist sich Frohberg sicher. "Wir arbeiten damit anders als Baurat Gotthilf Möckel, der die Platten um 1890 vom Fußboden des Münsters aufnahm und direkt in die Wand einließ, einmauerte." Mit dem Anbau der Platten rechnet er Ende Januar. In dieser Woche nahm Frank Hösel vom Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege aus Schwerin die Arbeiten ab, zeigte sich zufrieden. Ein Zeichen, dass die Fördermittel gut angelegt sind. Die Kirchgemeinde selbst bringt jedes Jahr mehr als 100 000 Euro für alle Art von Restaurierungsarbeiten im Münster auf, darunter fielen auch die Fenster und die wertvolle mittelalterliche Innenausstattung. 200 000 Euro steuern Bund und Land pro Jahr dazu. Die Sanierung einer Grabplatte kostet allein 10 000 Euro, inklusive Ein- und Ausbau. 1996/97 wurden zwei Steine restauriert. Im Jahr 2002 startete das große Programm, die restlichen 23 Platten wurden gepflegt, erläutert Kustos Martin Heider. Die fünf Grabplatten der Familie von Axekow und von Hermann Kruse waren die letzten, die noch von Salzen befreit werden mussten.

ANETT JONUSCHAT

Wochenendausgabe, 08. Dezember 2007

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