• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
09.12.2007

"Neben Chancen auch Grenzen durch Tourismus"

Sechste Doberaner Klostertage: Neben Chancen auch Grenzen durch Tourismus

Bad Doberan/w.v. Das Doberaner Kloster mit seinem Münster findet rund um die Ostsee immer stärkere Beachtung. Das bewiesen nicht zuletzt die Klostertage am vergangenen Wochenende. Die Hauptveranstaltung im neuen Rathaus stand angesichts der Bemühungen um die Einrichtung von Wegen zur Backsteingotik und um die Aufnahme ins UNESCO-Kulturerbe unter dem Generalthema "Klosterstätten und Tourismus - Chancen und Grenzen".

Gäste aus Dänemark und Polen kamen nicht nur um zu hören und zu sehen; sie gestalteten das Ereignis, das nun bereits zum sechsten Male stattfand, mit eigenen Beiträgen mit. Sie bekundeten damit ihren Beitrag zur Verbindung und Vernetzung der Wege zwischen den Denkmalen der Backsteingotik mit der Einrichtung und Schaffung von Pilger- und Touristenrouten mit Leben zu erfüllen.

Alicja Slyszewska, Sekretärin des Koordinierungsrates der polnischen Zisterzienserwege aus Doberans Tochtergründung Pelplin, berichtete temperamentvoll, wie in ihrem katholischen Land der Europäische Wanderweg unterstützt und vorangetrieben wird. Pelplin in der Nähe der Hansestadt Danzig ist ein Zentrum dieser religiös geprägten Bemühungen im Nachbarland um die europäische Einheit.

Dr. Jens-Christian Krarup ließ mit seinen Worten das Lögumkloster - unweit der Grenze zu Schleswig-Holstein gelegen - lebendig werden und schilderte die Wege der Zisterzienser durch Dänemark. Er selbst hat die 1 700 km über Straßen, Wege und Pfade vom Süden zum Norden seines Landes durch herrliche Landschaften persönlich durchwandert. In mehreren Bänden schilderte er den Pilgerweg literarisch.

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU) unterstrich das Interesse der Menschen an Doberan an Hand von Zahlen. Mehr als eine Million Übernachtungen habe der Kreis im ersten Halbjahr gezählt, berichtete der Schirmherr der Veranstaltung und teilte mit, dass 242 000 Touristen in dieser Zeit in der Region durchschnittlich vier bis fünf Tage übernachteten, um nicht zuletzt Münster und Klosteranlage kennen zu lernen.

Mecklenburg-Vorpommern sei schon etwas Besonderes, weil reich an Tradition. Der Minister verwies auf die über 30 Klosteranlagen im Land - sie wurden den Gästen auf der Veranstaltung mit einer Ausstellung im Tagungsort vorgestellt, Sie gelte es noch besser zu vernetzen und auf der künftigen Klosterroute vorzustellen.

Schüler des Doberaner Friderico Francisceum arbeiten bereits an einem Schulprojekt "Zisterzienserwege" durch unser Land. Rektor Roland Levetzow nahm sich der Angelegenheit in einem Wahlpflichtkurs selbst an. Er schilderte den Tagungsteilnehmern die Route mit ihren Hotels, Fahrradverleihern und anderen Einrichtungen, wie sie sich die Gymnasiasten vorstellen könnten.

Besondere Beachtung fand Dr. Maike Sedlmayr von der niedersächsischen Evangelischen Akademie Loccum. Die "Pilger-Pastorin und Touristikerin" zugleich wog Chancen und Grenzen der Klosterstätten im Verhältnis zum Tourismus ab und warnte, dabei das Kloster als Ort der Abgeschiedenheit zu vergessen, der vor allem von Menschen auf der Suche zu Gott aufgesucht werde. Eindeutig setzte sie die geistliche Funktion des Gottesdienstes vor Tourismus. Deshalb empfahl sie, auf sensible Vermarktung zu achten.

Untersuchungen und Planungen zum vorgesehenen neuen Dach des Wirtschaftsgebäude aus der Hochschule Wismar und die Restaurierung des Fürstenepidaphs hinterm Hochaltar Münster standen im Mittelpunkt weiterer Vorträge. Außerdem stellten sich Kloster Malchow und das Klarissinnenkloster Ribnotz vor.

Die Klostertage begannen am Vorabend mit einem Konzert und endeten am Haupttag mit einem Abendsegen im Münster. Zum Abschluss wurde den Teilnehmern am Sonntag Gelegenheit gegeben, an einer Exkursion nach Neukloster teilzunehmen.

Staddtanzeiger am Samstag - Ausgabe 6.10. S.7