• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte
28.11.2007

Alte Dame kehrte ins Münster zurück

Bad Doberan. Gestern im Morgengrauen, es war noch still, kam sie am Münster an. Eben hier hatte alles am 8. August begonnen. Es war wohl die längste Reise von Königin Sophia. Und die erste, die sie nach fast 400 Jahren wieder in ihr Heimatland Dänemark führte. In einem Spezialtransporter. Denn das Gemälde ist wertvoll.

Rund 16 Wochen lang war das Bildnis der Königin Sophia von Dänemark, eine Leihgabe des Doberaner Münsters, im Schloss Frederiksborg nahe Kopenhagen ausgestellt. Es handelt sich um das Nationalmuseum, das in einer herrlichen Parklandschaft liegt, wie Martin Heider, Verwaltungschef des Münsters schwärmt. Er hatte natürlich "seiner" Königin während eines Kurztrips ins Dänische einen Besuch abgestattet.

Die Sonderausstellung auf Frederiksborg galt nur einem Mann: Hofmaler Pieter Isaacsz. Er war der bevorzugte Porträtmaler von König Christian, der IV. Und sozusagen auch ein Star der damaligen Kunstszene, verantwortlich für eine ganze Serie von Großprojekten in den Schlössern der Umgebung. Und im Nebenjob auch noch ordentlich berufener Geheimagent.

Die Sonderausstellung war die erste überhaupt, die diesen Künstler würdigte. Sie zeigte Leihgaben aus dem Kunstmuseum Basel, vom Rijksmuseum Amsterdam, aus dem Pariser Louvre - und eben aus dem Münster Bad Doberan.

Wie die königliche Dame einst von der Staffelei in Dänemark in den hiesigen Sakralbau kam, weiß Heider zu berichten. Es gab einen Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg, dessen monumentales Grabmal heute in der östlichen Chorumshalle des Münsters zu finden ist. Dieser Herzog also fragte im Spätsommer 1615 bei Königinwitwe Sophia (1577-1631) an, ob er nicht ein Porträt von ihr haben könne. Gedacht für eine Ahnengalerie im Doberaner Münster, die von Herzog Ulrich III von Güstrow initiiert worden war. Es handelte sich bei diesem wackeren und kunstsinnigen Manne um Sophias Vater. Zumindest in Verwandtschaftsfragen betrieben die feudalen Häuser schon damals ein Stück Globalisierung.

Ob schon sie als eine der reichsten Frauen Europas galt, musste sie sich zunächst bescheiden. Es gebe zu ihrem Bedauern weit und breit keinen geeigneten Maler, antwortete sie. Doch da kam offensichtlich Pieter Isaacsz ins Spiel. Im Dezember war das Bild fertig. Schon einen Monat zuvor hatte Sophia 140 Reichstaler an den Künstler gezahlt, was heute vielleicht als recht knausrig erscheint.

Das Werk war das einzige des Malers, das ein weibliches Mitglied der dänischen Königsfamilie zeigt. Jetzt gibt sie wieder Audienzen für das hiesige Publikum, die Königin - in der südöstlichen Chorkapelle des Bad Doberaner Münsters. P.W.

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Wochenendausgabe, 24. November 2007