Die Grabanlage des Grafen Samuel von Behr

Die Grabanlage des Grafen Samuel von Behr (†1621) wurde von Julius Döteber aus Leipzig, der Baldachin 1626 von Cheer Evert Pilot errichtet. Samuel von Behr war Kanzler, Marschall, Minister, Hofmeister und Erzieher unter Herzog Adolf Friedrich, der ihm aus Dankbarkeit dieses Grabmal errichten ließ.

 

Ausführlichere Beschreibung

Das Reiterstandbild des Samuel von Behr

In der nördlichsten Chorumgangskapelle befindet sich ein Reiterstandbild auf einem Sandsteinsarkophag mit einem darüber befindlichen Baldachin. Es ist das Grabmal des herzoglichen Geheimen Rats Samuel von Behr. Errichtet wurde es 1622 durch den Leipziger Baumeister Franz Julius Döteber und seinen Gehilfen Daniel Werner. 

Samuel von Behr war der Sohn des herzoglichen pommerschen Landrats Hans von Behr, Erbherr auf Hugoldsdorf und Kavelstorf, und dessen dritter Gemahlin Anna von Levetzow.

Seine Bildung erwarb er sich auf den Universitäten Rostock, Marburg, Tübingen und Straßburg. Reisen brachten ihn nach Frankreich, England und in die Schweiz. Unter anderem studierte er Religion, schöne Künste und Sprachen sowie Politik und Geschichte. Nachdem der Vater gestorben war, übernahm sein ältester Bruder Daniel die Verwaltung der ungeteilten Güter. Samuel selbst sowie sein Bruder Hugold versuchten, in den Staatsdienst zu treten. 

Seit etwa 1606 war Samuel von Behr Präzeptor des noch unmündigen mecklenburgischen Herzogs Adolf Friedrich, dessen Grablege sich ebenfalls im Münster befindet. Zunächst begleitete er den Herzog auf seinen Reisen und erwarb sich so sein enges Vertrauen. Nach Mecklenburg zurückgekehrt, wurde er Adolf Friedrichs geheimer Rat und hatte somit auch Regierungsgeschäfte zu erledigen. Ab 1608 steht er mit an der Spitze des mecklenburgischen Hofes zu Schwerin. Er wird Kanzler und übernimmt eine zeitlang sogar die Aufgaben eines Hofmarschalls.

Samuel von Behr verfasste in den Jahren 1611-1620 die Protokolle mit den persönlichen Entscheidungen des Herzogs und hatte somit auch direkten Einfluss auf die Gestaltung z.B. der neuen Hofordnung.

Seine hohe Stellung dokumentieren zudem die Anordnungen bei seinem Tod 1621. Bereits an seiner Krankheit hatte der Herzog großen Anteil genommen. Adolf Friedrich befahl nun, den Adligen in Doberan, der fürstlichen Grablege, in einem hölzernen, mit Zinn überzogenen und mit Bärenköpfen verzierten Sarg beizusetzen. Ab 1622 wird das Denkmal in einer der Chorumgangskapellen errichtet. 

Das Grab Behrs ist unter anderem Ausdruck der veränderten Ansprüche an die höfische Repräsentation und ist nicht zuletzt auf das enge Vertrauensverhältnis zwischen dem Herzog und des Grafen zurück zu führen.

Samuel von Behr sitzt hoch zu Ross, in voller Prunkrüstung. Zum Zeichen seiner Amtswürde hält er in der rechten Hand ein Zepter und zu Füßen des Pferdes findet man ein Wachtelhündchen, als Symboltier für die Treue zum Herzog. Der Reiter, das Ross und der Hund sind Holzschnitzarbeiten. Auf sechs Säulen ruhend, erbaute man darüber einen im Barockstil verzierten Baldachin. Um der langen familiären Tradition Rechnung zu tragen, befinden sich am Fußende der vorderen Mittelsäule die Behrschen Wappen sowie links und rechts davon die Brustbilder der Eltern des Entschlafenen. Den Sarkophag zieren viele Inschriften, übersetzt z.B.: " Das himmlische Vaterland hasst, wem die irdische Pilgrimschaft süß ist". Oder: "Der Todestag ist der Geburtstag des ewigen Lebens".

1886 ist die gesamte Grabstätte, die bis dahin arg verfallen war, durch den Baurat Möckel restauriert worden. Als dabei auch der Sarkophag geöffnet wurde, konnte man durch eine im Sargdeckel angebrachte Scheibe die Gebeine und den Schädel des Verstorbenen sehen. Eine Kupferplatte an der Wand berichtete über diese Restaurierung.

André Starck (Bad Doberan)