• Hochaltar Ältester Flügelaltar der Kunstgeschichte

Arbeitsgemeinschaft Norddeutscher Backsteinbasiliken

Schönheiten der Backsteingotik
Hansekirchen im Ostseeraum
Norddeutsche Backsteinbasiliken
Mittelalterliche Kathedralbauten
Äußere Wucht
Innere Heiligkeit
Erbaut zum Lobe Gottes
Eigenständiger Sakraltypus

Ein einzigartiger Reiz geht von den Backsteinbasiliken Norddeutschlands aus. Monumentalität und Leichtigkeit ergeben in ihrer Mischung von äußerer Wucht und innerer Heiligkeit eine Kombination, die uns in Erstaunen versetzt. 

Hinzu kommt der Kontrast der Farben: das Rot der Steine, oft grüne Dächer und Turmhelme, helle Innenwände mit zum Teil vielfarbiger Bemalung. Das alles ist in dieser Dichte eine Einmaligkeit Norddeutschlands.
Die Backsteinbasilika, wie sie sich von St. Marien zu Lübeck ausgehend im gesamten Ostseeraum verbreitet hat, ist ein eigenständiger Sakral- und Architekturtypus, der sich in die großen Kulturleistungen Europas einreiht.
Entdecken Sie die unverwechselbaren Eigenheiten dieser „Kathedralen“, die zugleich Symbol einer unabhängigen und stolzen Bürgerschaft sind. 

Vertreter der bedeutenden norddeutschen Backsteinbasiliken, manchmal auch als Hansekirchen bezeichnet, gründeten nach der politischen Wende eine Arbeitsgemeinschaft. Die 750 Jahre alte Marienkirche in Lübeck gilt als die Mutter der backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum.

Um die Kathedralbauten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, arbeiten Mitarbeiter mehrerer Kirchgemeinden zusammen. 

Die Arbeitsgemeinschaft befasst sich während der jährlichen Arbeitstreffen mit Fragen der Ausgestaltung des Gemeindelebens, der Präsentation der Kirchenbauten für die Öffentlichkeit, der Lenkung der Besucherströme und nicht zuletzt mit den aufwändigen Bau- und Sanierungsmaßnahmen. 

 

 

St. Marien zu Lübeck

Mutter der backsteingotischen Basiliken

Baubeginn um 1250

Kirche geöffnet

Apr-Sep     10:00-18:00 Uhr
Okt            10:00-17:00 Uhr
Nov-Mär    10:00-16:00 Uhr
Advent      10:00-17:00 Uhr

Gottesdienste: So u. Feiertag 10:00

Schüsselbuden 13, 23552 
Lübeck, Tel.: 0451/397 700
Fax: 0451/397 70 15
www.st-marien-luebeck.de

 

 

St. Nicolai Lüneburg

Schifferkirche an der Alten Salzstraße

Baubeginn 1407

Kirche geöffnet

Jan-Mrz    10:00-16:00 Uhr
Apr-Dez    09:00-18:00 Uhr

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00

Lüner Str. 15, 21335 Lüneburg
Tel.: 04131/2 43 07 70
Fax: 04131/2 43 07 76
www.st-nicolai.eu

 

 

Dom in Schwerin

Bischofskirche am Schweriner See

Baubeginn vor 1270

Kirche geöffnet

Sommerhalbjahr 10 - 17 Uhr
ganzjährig Dom- und Orgelführungen

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00

Am Dom 4, 19055 Schwerin
Tel.: 0385/565014
Fax: 0385/565824
www.dom-schwerin.de

 

 

Wismar St. Nikolai

Großes Zeugnis eines Weltkulturerbes

Baubeginn um 1381

Kirche geöffnet

Mai-Sep    08:00-20:00 So 11:30-20:00 
Apr+Okt    10:00-18:00 So 11:30-18:00 
Nov-Mär    11:00-16:00 So 11:30-16:00 

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00 

Spiegelberg 14, 
23966 Wismar
Tel./Fax: 03841/21 36 24
www.kirchen-in-wismar.de

 

 

St. Georgen Wismar

Ein Wunder des Wiederaufbaus

Baubeginn um 1300 teilzerstört 1945

Besichtigung möglich

Gottesdienst in der Neuen Kirche, 
zu besonderen Anlässen in St. Georgen:
Sonn- und Feiertag 10:00 
Tel. 03841/28 25 49
www.kirchen-in-wismar.de

 

 

Münster in Bad Doberan

Zisterziensische Strenge und kompakte Eleganz

Baubeginn um 1280

Kirche geöffnet

Mai-Sep           09:00-18:00 So 11:00-18:00
Mrz, Apr, Okt   10:00-17:00 So 11:00-17:00 
Nov - Feb        10:00-16:00 So 11:00-16:00
Ganzjährig täglich Führungen u.a. 11 Uhr

Gottesdienst: So und Feiertag 9:30

Klosterstraße 2, 18209 Bad Doberan, Tel. 038203/62716, 
Fax 038203/62528
www.muenster-doberan.de

 

 

St. Marien Rostock

Die thronende Marienkirche - eine Gottesburg 

Baubeginn 1260

Kirche geöffnet

Mai-Sep   10:00-18:00 So 11:15-17:00 
Okt-Apr    10:00-12:15 + 14:00-16:00 
                So 11.00-12:15 

Gottesdienste: So und Feiertag 9:30

Am Ziegenmarkt 4, 18055 Rostock, Tel.: 0381/4923396
Fax: 0381/4973851
www.innenstadtgemeinde.de

 

 

St. Marien Stralsund

Stolze Bürgerkirche mit Ostseepanorama

Baubeginn um 1380

Kirche geöffnet

Mai+Jun+Okt: 10-17, So 11:30-17:00 
Jul-Aug: 9:00-18:00, So 11:30-17:00 
Nov-Apr: Mo-Fr 10-12+14-16 
Sa 10.00-12:00, So 11:30-12:00 Uhr

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00 

Marienstraße 0, 18439 Stralsund
T.: 03831-298965, Fax: -298966 

www.st-mariengemeinde-stralsund.de

 

 

 

St. Nikolai Stralsund

Reiche Kirche von Kaufmannschaft und Rat

Baubeginn 1276

Kirche geöffnet

Jun-Aug: 9:00-19:00, So 13:00-17:00
Apr-Mai+Sep+Okt: 9:00-18:00, So 13-17 
Nov:       10:00-17:00, So 13:00-17:00 
Dez-Mrz: 10:00-16:00, So 13:00-16:00

Gottesdienste: So und Feiertag 10:30

Auf dem St. Nikolaikirchhof 2, 18439 Stralsund, T. 03831/
297199, Fax: 03831/297691
www.nikolai-stralsund.de

 

 

Dom St. Nikolai Greifswald

Roter Backstein und romantische Ansichten

Baubeginn nach 1250

Kirche geöffnet

Mai-Okt:    10:00-18:00 So 11:30-15:00 
Nov-Apr:    10:00-16:00 So 11.00-13:00 

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00

Domstr. 54, 17489 Greifswald
Tel.: 03834/89 79 66 o. 03834/
26 27 Fax: 0 38 34/79 94 22
www.dom-greifswald.de

 

 

St. Petri Wolgast

Licht und Leben über Herzogsgräbern

Baubeginn nach 1350

Kirche geöffnet

Mai-Okt: 10:00-17:00, So 11.15-12:00 
Nov-Apr: nach Bedarf

Gottesdienste: So und Feiertag 10:00

Kirchplatz 7, 17438 Wolgast
Tel.: 0 38 36/20 22 69
Fax: 0 38 36/20 27 19
www.kirche-wolgast.de

 

 

Die Idee zur Gründung der AG Norddeutscher Backstein-Basiliken

Ideen entstehen im Inneren des Menschen, im Kopf oder im Herzen. Gute Ideen und natürlich auch böse. Manchmal wird eine Idee zu einer „Vision". Damit sind selbstverständlich nicht die „Visionen" gemeint, von denen die Bibel erzählt, sondern die ganz schlichten, die vielleicht direkt gar nichts mit dem Glauben zu tun haben.

Eine Idee entstand in mir, als ich noch ganz jung war, aber mich schon sehr für Sakral-Architektur interessierte. Ich entdeckte schon als Schüler, dass es die Marienkirche in Lübeck gab und dass dazu eine ganze Reihe von Bachstein-Basiliken gehörten, die mehr oder weniger mit St Marien in Lübeck „baulich verwandt" waren. Ich staunte über diesen eigenartigen, reizvollen, französisch „angehauchten" und zugleich monumentalen Kirchenbautypus, den es in dieser Form nur an der Ostseeküste und in ihrer Nähe gab. Müsste man nicht alle diese Kirchen irgendwie zusammenbringen? Aber wie? Die meisten von ihnen befanden sich in der damaligen DDR. Da hatte ich in mir zwar eine schöne Idee, vielleicht eine „Vision", die aber von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

Die Jahre vergingen. Ich war seit Sommer 1979 Marienpastor in Lübeck. Es kam das Jahr 1988. Meine Frau und ich erhielten die Genehmigung, unsere Partnergemeinde in Penkun in der Nähe von Stettin besuchen zu dürfen. Auf dieser Reise erfüllte ich mir einen lang gehegten Wunsch: Nämlich all* die Kirchen anzusehen, die ich schon „immer" 'mal besuchen wollte. So waren wir in Stralsund, Rostock, Bad Doberen, Schwerin und Wismar. Diese einzigartige Reise beflügelte meine Idee - es konnte ja gar nicht anders sein - von einer irgendwie gearteten Gemeinschaft aller dieser Kirchen. Aber noch war 1988! Dann kam 1989 und in diesem Jahr die Wende. Nun war eigentlich der Weg frei für die Idee. Aber ob alle Kirchen auch mitmachen würden? In Lübeck gab es große Zurückhaltung und Skepsis. „Wenn Sie denn unbedingt wollen, dann versuchen Sie es halt!" sagte der damalige Propst Hasselmann zu mir. Es dauerte noch eine Weile, und dann versuchte ich es. Ich schrieb Anfang 1993, nachdem ich schon mit einigen Kollegen über meine Idee gesprochen hatte, eine Einladung an alle Kirchen. St. Nikolai Lüneburg ( P. Thamm) sagte sofort zu. Alle anderen folgten dann nach und nach. So hatten wir unser erstes Treffen in Lübeck vom 5. bis 7. November 1993. Zuerst, bei der Begrüßung, war die Atmosphäre noch etwas steif. „Was diese Westler wohl von uns Ostlern wollen?" stand irgendwie ungesagt im Raum. Aber diese Zurückhaltung änderte sich schnell. Alle „tauten" schnell auf. Wir wurden eine sehr schöne Gemeinschaft.

Von da ab besuchten wir uns gegenseitig, tauschten uns aus, teilten unsere gemeinsamen Sorgen und Freuden. Wir merkten, dass wir zusammen gehörten. Zunächst waren wir nur eine Gruppe von Pastoren und einer Pastorin. Später - das ist gut so - kamen Organisten, Küster und Küsterinnen, andere Mitarbeiterinnen, Mitglieder der Kirchengemeinderäte und Interessierte hinzu. So hat sich die AG Norddeutscher Backstein-Basiliken weiter entwickelt mit ihren jährlichen Treffen an verschiedenen Orten und ihrer regelmäßigen Teilnahme auf dem „Markt der Möglichkeiten" bei den Kirchentagen. Im übrigen ist unsere AG eines der ersten „Netzwerke", das Menschen über die ehemaligen Grenzen hinweg in unserer Nordkirche zusammenbrachte.

Marienpastor i.R. F. Volker Schulze,

Königstr. 34-36, D-23552 Lübeck, Lübeck, 3. Februar 2014

 

 

 

 

Themen der Jahrestreffen

Lübeck 1993:

Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Backsteinbasiliken

 

Stralsund 1995:

Erwartungen der Menschen, die in unsere Kirchen gehen

 

Bad Doberan 1996:

Gedanken eines Denkmalpflegers zum Umgang mit unseren Hauptkirchen

 

Lüneburg 1997:

Renovierungsarbeiten an St. Nicolai

 

Wismar 1998:

Architekturform in Wismar und Umgebung

 

Rostock 1999:

Wahrnehmung der Kirchen in de City-Öffentlichkeit

 

Stralsund 2000:

Wechselbeziehungen zwischen Kirche und Stadt am Beispiel Stralsunds

 

Lübeck 2001:

St. Marien: romanisch, frühgotisch, hochgotisch

 

Lüneburg 2002:

Kirchenraumpädagogik mit Kopf, Herz und Hand

 

Wismar 2003:

Liturgische Präsenz in unseren Kirchen

 

Bad Doberan 2004:

Osternacht in unseren Kathedralen

 

Wolgast 2005:

Heilige Räume

 

Stralsund 2006:

Kirche ohne Gemeinde am Beispiel von St. Jakobi

 

Lübeck 2007:

Historische Symbolkirchen – Die Lübecker Situation

 

Rostock 2008:

Liturgische Inszenierungen

 

Greifswald 2009:

Citykirchen – Nichtkirchen entdecken Religion

 

Lüneburg 2010:

Umgang mit alter und moderner Kunst in unseren Kirchen

 

Stralsund 2011:

Didaktische Arbeit mit den Kunstwerken in unseren Kirchen

 

Schwerin 2012:

Ruf und Klang – Unsere Glocken

 

Lübeck 2013:

Neue Nutzungskonzepte für Seitenkapellen

 

Rostock 2014:

Gemeindekirche – Citykirche - Touristenkirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Faltblatt der Arbeitsgemeinschaft

Faltblatt Backsteinbasiliken

Den Weg zu den imposantesten Backsteinbasiliken im Norddeutschen Raum finden Gäste mit dem Faltblatt "Backsteinbasiliken im Ostseeraum". Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft "Norddeutsche Backsteinbasiliken", präsentiert es auf sechs Seiten elf Kirchen in drei Bundesländern - Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. 

Das Faltblatt in den Farben und Gestaltungsempfehlungen des Vereins der Europäischen Route der Backsteingotik, in dem die Arbeitsgemeinschaft Mitglied ist, stellt die Sakralbauten kurz mit je einer Innen- und Außenaufnahme, einem Slogan für die jeweilige Backsteinbasilika, dem Grundriss, den Öffnungszeiten, Gottesdienstzeiten, Erreichbarkeit und der Internetadresse vor. 

Das Faltblatt mit den Hansekirchen im Ostseeraum ist in einer Auflage von 200.000 Stück erschienen und soll auf die elf großen Backsteinkathedralen in Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen aufmerksam machen. Die Auflagengröße wurde durch die freundliche Unterstützung des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern möglich. Die Eigenmittel wurden durch die beteiligten Kirchgemeinden aufgebracht. Das Faltblatt liegt in den Hansekirchen kostenlos aus und kann im Bad Doberaner Münster, Fax 038203/74890, Tel. 038203/16439, bestellt werden. 

 

 

 

Jubiläumstreffen 20 Jahre Ostsee-Hansekirchen in Lübeck

Thematische Arbeit zum Thema "Seitenkapellen"
Nach dem Gottesdienst in St. Marien

Das 20. Bestehen der Arbeitsgemeinschaft der Backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum begingen 25 Delegierte der Mitgliedsgemeinden auf ihrer Novembertagung 2013 in der Marienkirche in Lübeck. Zur „Hansekirchen AG“ gehören St. Marien Lübeck als bauliches Vorbild der großen Backsteinkirchen in den Hansestädten, St. Nicolai in Lüneburg, St. Nikolai und St. Marien/St. Georgen in Wismar, St. Marien und St. Petri in Rostock, das Münster in Doberan, St. Nikolai und St. Marien in Stralsund, St. Nikolai in Greifswald, St. Petri in Wolgast sowie der Dom in Schwerin.

Die Funktion und die Gemeinsamkeiten dieser großen historischen Kirchen und ihre besondere symbolische und kulturelle Bedeutung für das Gemeinwesen zu betonen, das war das Ziel der Gründer der AG in der Zeit nach der Wende. Gleichermaßen galt es, einen Beitrag zur Überwindung der jahrzehntelangen Trennung zu leisten und die Verbindungen im mittelalterlichen Hanseraum hinübernehmen ins neu zusammenwachsende Deutschland und Europa.

Es ist eine nicht geringe Herausforderung, die großen Innenstadtkirchen zu erhalten und mit Leben zu erfüllen, mit Gottesdiensten und Musik, mit Ausstellungen und anderen kulturellen Veranstaltungen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten fand hierzu während der jährlichen Treffen bei wechselnden Gastgebergemeinden ein ständiger Austausch von Erfahrungen und Ideen statt. Pastoren, Kirchenvorstände, Küster und Kirchenmusiker waren daran beteiligt.

Die gemeinsamen Interessen und Felder der Zusammenarbeit reichen von baulichen Problemen und Management über die Aufgaben einer Innenstadtkirche, die Fragen ihrer Nutzung oder der Bedeutung für den Tourismus bis zu der nicht einfachen Frage der Spendeneinwerbung. Die kulturhistorischen Besonderheiten haben natürlich einen erstrangigen Stellenwert.

Jedes Jahrestreffen steht unter einem besonderen Schwerpunktthema. In Lübeck waren es 2013 die Seitenkapellen der Backsteinkirchen. Diese besonderen, von vielen Besuchern nicht sonderlich beachteten und oft auch abgeschlossenen Bereiche in und an den Nebenschiffen hatten in der Vergangenheit eine sehr viel größere Bedeutung. Viele gehörten Patriziern und Zünften, waren zum Teil mit Altar und Grablegen ausgestattet, symbolträchtig ausgemalt oder mit Gestühl möbliert.  Bemerkenswert ist ihre Einbindung in das soziale und religiöse Beziehungsnetz in der spätmittelalterlichen Stadt.

Über neue Nutzungsideen für die Seitenkapellen referierten auf der Hansekirchen-Tagung die Kunsthistorikerin Dr. Antje Heling und Prof. Wolfgang Grünberg vom Fachbereich Praktische Theologie der Universität Hamburg und setzten eine lebhafte Diskussion in Gang. Die beiden Experten regten u.a. an, die Seitenkapellen zugänglicher zu machen, die Bedeutung der lokalen, nur hier vorhandenen Sakralkunst und Architektur zu betonen und diese Räume zu Begegnungen zu nutzen, wie es im Mittelalter gang und gäbe war, als städtische Repräsentanten hier auf Männer der Kirche und Gläubige trafen.

Tibor Ridegh (Lüneburg) 

 

 

 

Gedanken zur „Arbeitsgemeinschaft norddeutscher Backsteinbasiliken"

Ankunft zum Jahrestreffen in Bad Doberan (2004), Thema: "Osternacht"
Jahrestreffen in Lüneburg (2009), Thema: "Moderne Kunstwerke"
Stralsund (2011) Thema „Didaktische Arbeit mit den Kunstwerken unserer Kirchen“, Foto: Detail Hochaltar St. Nikolai
20. Jahrestreffen in Lübeck (2013), Thema: "Seitenkapellen"
Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst in St. Marien Lübeck (2013)

von Folker Thamm, Pastor i.R (von 1987-2007 Pastor in St.Nicolai Lüneburg) im November 2013 anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Arbeitsgemeinschaft

 

 „Schreib doch mal auf, wie alles angefangen hat und was Du noch in Erinnerung hast, Volker Schulze und Fritz Geitner fragen wir auch noch...“, so wurde ich animiert, meine Erinnerungen und Gedanken zu sortieren und ich begann gleich bei der Rückfahrt mit dem Zug von Lübeck nach Hannover nach dem anregenden Treffen anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Arbeitsgemeinschaft am 8./9 (!) u.10.Nov.2013 in St.Marien Lübeck.

 

 

1. Es fügte sich, dass ich im Herbst 1987 Pastor in St.Nicolai Lüneburg wurde. Diese backsteingotische Basilika (1407-1440) ist die kleinste und jüngste der Geschwister, Kinder und Enkeln von St.Marien Lübeck. Die übrigen Innenstadtkirchen von Lüneburg wie St.Johannis und St.Michaelis sind gotische Hallenkirchen, die älter sind als St.Nicolai. Warum, fragte ich mich, wurde St.Nicolai eine Generation später im „altmodischen“ Stil der Basilika errichtet?

Mit dem frischen Blick des Neuen forschte ich nach und erfuhr, dass von 1390 bis 1397 ein Kanal von der Elbe nach Lübeck gebaut worden war. So konnte das Lüneburger Salz billiger als auf der „Salzstraße“ nach Lübeck transportiert werden. Lüneburg wurde so gewissermaßen zum „südlichsten Ostseehafen“ .Wenn man also – bedingt durch das Salz- Monopol - die Preise konstant hielt, wurde der Gewinn größer. Ein Teil dieses Gewinnes wurde nun ab 1407 in den Bau einer backsteingotischen Basilika – der typischen Hansekirche - gesteckt: die Nähe zum Rathaus machte dann St.Nicolai zur Kirche des Rates. Bis heute ist sie Patronatskirche der Stadt. Der Rat der Stadt hatte nach Beratungen mit dem Kirchenvorstand von St.Nicolai mich als Pastor gewählt, nach 600jährigem hanseatischen Recht, das bis heute alle geschichtlichen Wirren überdauert hat. Das fand ich bemerkenswert.

 

 

2. Also: Ich lernte rasch, dass St. Nicolai in einer großen Tradition der backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum steht und wünschte mir, diese anderen Kirchen bald mal kennen zu lernen. Lübeck kannte ich durch verschiedenen Reisen nach Skandinavien, und St.Petri Malmö und den Dom von Uppsala, aber eben nicht Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald und Bad Doberan (wo in der Nähe ein altes Gut der Familie in Westenbrügge lag). Es waren gewissermaßen Sehnsuchtsorte, getrennt durch Mauer und Stacheldraht.

Meine Idee war, dass Lüneburg eine städtische Partnerschaft mit Wismar eingehen sollte, um so einen Brückenschlag zu einer Hansestadt im Bereich der DDR herzustellen.

Aber Dr. Franz Siegfried aus unserer Gemeinde (Richter am Oberverwaltungsgericht, der aus Dessau stammt und nach 1990 dort Bürgermeister wurde) war mir mit seiner Initiative zuvorgekommen. Weil Lüneburg ja auch „Bachstadt“ ist (der junge Joh.Seb.Bach war Schüler an der St.Michaelisschule) wurde 1988 eine Partnerschaft mit der „Bachstadt“ Köthen vereinbart.

Unsere kirchengemeindliche Partnerschaft bezog sich auf ein Kirchspiel im Süden von Leipzig (Rathendorf/Jahnshain) wegen der landeskirchlichen Bezüge zwischen Hannover und Sachsen. (dokumentiert von mir: Begegnungen mit der Partnergemeinde in Sachsen). So war zunächst kein Raum für eine Initiative auf der historischen Schiene der Hanse.

 

 

3. Dann fiel die Mauer im Zusammenhang mit der gewaltfreien Revolution

am 9. Nov.1989. Wir hatten zuvor zeitgleich mit St.Nikolai Leipzig immer montags ein Friedensgebet in St.Nicolai Lüneburg angeboten, das zunehmend besser besucht wurde. So waren wir geistlich und inhaltlich sehr mit dieser aufregenden Zeit in der DDR und in anderen osteuropäischen Ländern verbunden.

Mit einer Delegation von sieben Mitgliedern des ökumenischen Arbeitskreises „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ fuhren wir im Mai 1989 nach Basel zur 1. europäischen ökumenischen Versammlung  „Friede in Gerechtigkeit“ und bekamen Kontakt zu kirchlichen Gruppen aus der DDR und der CSSR. Mit ihnen verabredeten wir das große Elbeprojekt „Ein Schiff für die Umwelt“ – Von Prag nach Cuxhaven (realisiert 1991, mit dem Nachfolgeprojekt „elbelängs“ – mit dem Fahrrad und 200 Teilnehmer aus 5 verschiedenen Ländern von der Elbquelle bis zur Nordsee, 1993). Der Prozess , dass  „zusammenwachsen soll, was zusammengehört“ (Willy Brandt) hatte uns so gepackt, dass wir alle unsere Freizeit und unsere Ferien in diese Projekte investierten. (Alles ist gut in Veröffentlichungen dokumentiert, u.a. von mir zusammengefasst in „Gedanken zur Elbe“ 2013).

 

 

4. Aber die Hansekirchen und St.Nikolai Wismar ließen uns doch emotional nicht los. Sehr bald im Jahre 1990 charterten wir einen Bus und luden Gemeindeglieder zusammen mit Mitgliedern der ALA (Arbeitsgemeinschaft Lüneburger Altstadt) unter Leitung von Curt H.Pomp zu einer Exkursion nach Wismar ein. (Die ALA hatte einige Jahr zuvor die Flächensanierung der westlichen Altstadt in Lüneburg verhindert, die heute ein städtebauliches Schmuckstück ist. Von diesen Erfahrungen wollten wir u.a. in Wismar berichten). Wir waren begeistert von der Stadt Wismar, von der alten (natürlich bröckelnden und grauen) Bausubstanz, von den alten Türen und Fenstern und Türklinken und Beschlägen, alles noch nicht durch Plastikelemente und falsche Baustoffe verschandelt. Und: wir träumten davon, dass es genügend Sensibilität für die sachgerechte Renovierung geben möge und sahen vor unserem inneren Auge schon die bunten Fassaden und renovierten Türen...

Und dann besuchten wir St.Nikolai Wismar und trafen auf Pastor Fritz Geitner und seine Frau Heidrun. Mit großem Engagement präsentierte er uns seine Kathedrale und berichtete von den mühsamen, aber immer wieder erfolgreichen Restaurationsbemühungen. Wir saßen in der Winterkirche, schauten durch die Glasscheiben in den großartigen Kirchenraum, hatten es warm bei Kaffee und Kuchen und bewunderten die ungeheure Energie und Kreativität, mit der in den vergangenen Jahren „vor der Wende“ nicht nur die Winterkirche eingebaut, sondern auch sanitäre Einrichtungen und vieles mehr geschaffen wurde. Das hat uns sehr beeindruckt und die Lust wuchs, weiterhin Kontakt miteinander zu halten. Natürlich erfolgte eine Gegeneinladung.

Beim Kaffeetrinken erzählte uns Pastor Geitner von seinem Gemeindebesuch am 1.Advent 1989 (!) in St.Marien Lübeck. Pastor Volker Schulze hatte ihn und seine Gemeinde eingeladen und sogar einen Bus aus Lübeck nach Wismar geschickt. Der fuhr nun morgens früh los, blieb aber wegen des ungeheuer großen Verkehrs auf der Landstraße Richtung Westen stecken. Da rief Fritz Geitner einfach die Volkspolizei an und bat um Geleit mit der Begründung, man sei in St.Marien Lübeck, der Mutterkirche der backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum, jetzt am 1. Advent um 10 Uhr zum Gottesdienst eingeladen, er – Pastor Geitner von St.Nikolai Wismar solle die Predigt halten, da könne man nicht zu spät kommen!! Das leuchtete dem nettem Vopo ein, er setzte sich mit seinem Dienstwagen vor den Bus, schaltete das Blaulicht ein, alle Verkehrsteilnehmer mussten Platz machen und der Bus kam einigermaßen pünktlich bis zu Grenze. Dort wollte man die Ausweise kontrollieren. Aber Fritz Geitner meinte:„Ich bin hier der Pastor, ich garantiere für alle, die hier im Bus sitzen, dass sie gültige Ausweispapier haben.“ Und der Bus wurde durchgewinkt und um 10.20 Uhr zog eine große Prozession von Gemeindegliedern aus St.Nikolai Wismar in der Marienkirche Lübeck ein. Die Gemeinde in St.Marien hatte die Wartezeit mit dem Singen von Adventsliedern gefüllt.

Und Fritz Geitner predigte über einen Text aus dem Hebräerbrief. Ich erinnere mich, wie er den Text noch auswendig sagen konnte: „...so lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben...,lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er (Gott) ist treu, der sie verheißen hat““ (Hebr. 10,19ff; die Predigt ist im Manuskript bei Fritz Geitner erhalten, sie sollte unbedingt zu den Akten der AG genommen werden).

Diese Geschichte war so toll und dokumentiert so schön und farbig die „Wendezeit“, dass wir sie oft weiter erzählt haben. Und bei jedem Erzählen wurde sie schöner und farbiger...

 

 

5. Nun kam 1992 (?) ein Brief aus Lübeck vom St.Marien-Pastor Volker Schulze, der früher einmal für einige Jahre Pastor in St.Johannis Lüneburg gewesen war: eine Einladung mitzuwirken an einer „Arbeitsgemeinschaft der backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum“. Mein Amtsbruder Wolf-Peter Meyer und ich waren sofort sehr angetan von dieser Idee. Die Elbeprojekte waren weitgehend abgeschlossen, Neues konnte angepackt werden. 1993 trafen wir uns zum ersten Mal in Lübeck. Da feierten wir das Wiedersehen mit Pastor Geitner aus St.Nikolai Wismar, und lernten zunächst kennen: Pastor Volker Schulze aus St.Marien Lübeck, die Pastoren Jürgensohn und Andreas Timm vom Münster aus Bad Doberan, Pastor Paul Ferdi Lange aus St.Nikolai Stralsund. Unvergesslich ist mir ein Ausspruch von Paul-Ferdi Lange „Ihr müsst bedenken: wir lebten zwar hinter der Mauer, aber wir sind nicht doof“. Das war eine gute Basis für die Zusammenarbeit zwischen „Ossis“ und „Wessis“, fanden wir!

Es wurde verabredet, das Volker Schulze der „Senior“ der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft sein sollte und wir uns in den nächsten Jahren reihum einladen wollten, um unsere Kirchen  und Gemeinden vorzustellen, gemeinsame Probleme zu besprechen und Zusammenarbeit zu vereinbaren. Dann kamen u.a. zur AG dazu: Pastor Hanns-Peter Neumann aus St.Nikolai Stralsund (zugleich Jugendpastor), Pastor Christoph Lehnert aus St.Marien Stralsund, Christian Schwarz aus St.Marien/St.Georgen Wismar, und wechselnden Vertreter aus Rostock. Es gelang uns zunächst nicht Greifswald für die AG zu interessieren, aber bald machte Pastor Wolfgang Miether aus St.Petri Wolgast mit. Als Fritz Geitner in den Ruhestand ging, folgte 1998 Pastor Dr.Andreas von Maltzahn in St.Nikolai Wismar (2007 Landesbischof der ev.luth.Kirche in Mecklenburg, jetzt Bischof in der Nordkirche).Wir vereinbarten, dass sich nicht nur Mitglieder des Pfarramtes austauschen sollten, sondern auch Küster, Kantoren und Mitglieder der jeweiligen Kirchenvorstände/ Kirchgemeinderäte wie Annegret Seyfang aus Lübeck eingeladen werden sollten. Die einladende Gemeinde war Gastgeberin, brachte die Gäste bei Mitgliedern der Gemeinde unter; die Anreisenden trugen die Reisekosten. Besondere gemeinsame Projekte (z.B. Ausstellungen) sollten jeweils durch Umlage finanziert werden.

 

 

6. Das Anliegen der AG „Backsteingotische Basiliken im Ostseeraum“ wurde bald ein wichtiger Teil der Gemeindearbeit in St.Nicolai Lüneburg. Küster Klaus-Peter Notzke, Kantor Stefan Metzger-Frey, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Dr.Klaus-Peter Person und später Tibor Ridegh wurden zu tragenden Säulen der Zusammenarbeit. Wir verpassten kein Treffen und lernten bald alle Partnerkirchen gut kennen und lernten viel dabei. Besonders in Baufragen. Da war der Erfahrungsaustausch besonders wertvoll, was Mörtel, Backstein, Restaurierungsfragen etc betrifft. Unsere Kantorei besuchte in jedem Jahr eine der Hansestädte an der Ostsee zu einem Probenwochenende und wirkte dann im Gottesdienst einer Partnergemeinde mit. Gut in Erinnerung blieb ein nächtlicher Taufgottesdienst im Münster von Doberan: ein Mitglied der Kantorei ließ sich taufen nach einer Kerzenprozession in er nächtlichen Basilika. Als alle Basiliken besucht waren, wendeten wir uns Frankreich zu: eine Woche Taizé und anschließend eine Woche von Kathedrale zu Kathedrale ...

 

Auch in der Konfirmanden- und Jugendarbeit spielte die Arbeitsgemeinschaft eine Rolle. Pastor Hanns-Peter Neumann/Stralsund z.B. kam öfter mit seinen Konfirmanden nach Lüneburg. Sie durften eine ganze Nacht in der Kirche verbringen. Auch die Konfirmanden von St.Nicolai-Lüneburg machten sich mit der Backsteingotik in Lübeck vertraut. St.Nicolai Lüneburg wurde Mitglied in der bundesweiten AG Kirchen(raum)pädagogik und präsentierte diese neue Methode anlässlich eines Treffens in Lüneburg. Bausteinelemente für die spielerische Konstruktion von gotischen Gewölben wurden von Schülern der BBS „Holzverarbeitung“ erstellt und an alle inzwischen 10 Mitglieder der AG verschickt. Bei der Aus- und Fortbildung der ehrenamtlichen Mitglieder der Kirchenwache/ Kirchen-Begrüßungsteam spielten Besuche bei Kirchen der AG eine besondere Rolle (wir fuhren auch nach Hamburg und Bremen, um dort die Innenstadtgemeinden kennen zu lernen). Die vielen Anregungen durch andere Gemeinden wurden in Konzepte umgesetzt: die Rumpelkammer Krypta wurde zu einem „Raum der Stille“ umgestaltet, Kirchenführer (farbig DIN A3 beidseitig laminiert) in vielen Sprachen signalisiert Internationalität und Gastfreundschaft, Kirchenmusik („Musik zur Marktzeit“/ „Musik zum Advent“, Gospelkonzerte und – gottesdienste, liturgische Projekte) und Ausstellungen profilierten St.Nicolai in der Stadtkultur und im Kontext der übrigen Innenstadtkirchen. Die Gründung des Orgelbau-Vereins und der „Bürgerstiftung St.Nicolai“ wurde in der AG diskutiert, Erfahrungen im Fundraising und bei Orgelrestaurierungen ausgetauscht. Dieser regelmäßige Konsultationsprozess mit den Kollegen aus den Mitgliedskirchen der AG wurde so zu einem ständigen „Nehmen und Geben“ von Ideen, Anregungen, Projekten. Ein Höhepunkt dieses Prozesses war unser Entschluss, für St.Nicolai Lüneburg ein Nikolaus-Singspiel „Nikolaus in Nicolai“ komponieren zu lassen durch Pit Janssen aus Telgte, der durch den Dt. Ev. Kirchentag berühmt geworden war. Daraus ist eine großartige Aktion geworden, die viele hundert Kinder in einem ökumenischen Projekt am Vorabend des Nikolaustages (also am 6.November) miteinander verbindet: der Bischof Nikolaus kommt in einem Schiff (natürlich aus Myra) und in Begleitung von - verkleideten - Kindern aus aller Welt (und unter dem Schutz der DLRG) im historischen Hafen von Lüneburg an, wird von Knecht Ruprecht und zwei Eseln und vom Posaunenchor der Jugendmusikschule begrüßt, zieht in einer durch die Polizei beschützten Laternenumzug nach St.Nicolai, wo sie alle das Singspiel mit vielen schönen Liedern zum Mitsingen erwartet. Der Schulchor von Heilig Geist und St.Ursula und die LehrerInnen der Förderschule singen begeistert die Lieder, Mitarbeiter von St.Nicolai übernehmen die Rolle der Piraten. Am Ausgang werden dann die Kinder vom Nikolaus mit originalen holländischen Pepernoten beschenkt. Wir hatten gehofft, dass dieses Singspiel bei den St.Nikolai-Kirchen der Arbeitsgemeinschaft übernommen werden würde...Es lohnt sich immer noch!

 

 

7. Mit Blick auf den Dt. Ev. Kirchentag in Leipzig wurde 1997 verabredet, eine Ausstellung der AG zu präsentieren. Es war bekannt geworden, dass Pastor Volker Schulze aus St.Marien Lübeck in seiner Freizeit kunstvolle Modelle der Backstein-Basiliken in gleichem Maßstab erstellt hatte. In einer kleinen Arbeitsgruppe, in der u.a. Folker Thamm, Tibor Ridegh und Klaus-Peter Notzke aus St.Nicolai Lüneburg und Martin Poley aus St.Nikolai Wismar beteiligt waren, wurde das Konzept erstellt: jedes einzelne Modell wird in einer Stele (geschützt durch Plexiglashaube) präsentiert, und jede Kirche jeweils durch zwei Bild-Tafeln charakterisiert. Martin Poley stellte seine hervorragenden Fotos zur Verfügung und Tibor Ridegh verfasste schöne einfühlsame Texte.

In der Mitte der Ausstellung war eine „Spiel- und Kommunikationsfläche“ vorgesehen, wo Alte und Junge auf einem Teppich kniend mit Bausteinen gotische Gewölbe bauen konnten. Das wurde immer zur Attraktion und lockte viele BesucherInnen an: wie funktioniert das mit dem Eckstein, der das Gewölbe der Kirche hält.

 

Man kam sofort ins Gespräch über die Funktion von großen historischen Kirchen in den Innenstädten und ihre besondere symbolische und kulturelle Bedeutung für das Gemeinwesen. Und über die Symbolkraft des Ecksteins als Zeichen für Jesus Christus. Zwischenzeitlich wanderte diese Ausstellung von Kirche zu Kirche (oft zu besonderen Anlässen) und symbolisierte die Eingebundenheit der jeweiligen Kirche in den Kreis der backsteingotischen Basiliken im Osteseeraum. „Wie eine Perlenkette...“, meinte eine Besucherin.  Wenn die Ausstellung gut präsentiert war, mit ausreichend Raum und Lichtverhältnissen, machte sie einen ausgesprochen seriösen Eindruck und beeindruckte deshalb eben auch. Aber ab und an war sie auch etwas lieblos aufgebaut, was dann den Reisenden betrübte, denn die Kirchen der Hansestädte waren auch außerhalb der verabredeten Termine öfter Reiseziel von Mitgliedern der AG. Durch das unermüdliche Engagement und die fotografische Begabung von Martin Poley, dem nun schon fast legendären Küster aus St.Nicolai Wismar, wurden jährlich Kalender der Backsteinbasiliken erstellt, die wir in großen Mengen „unters Volk brachten“. Auch Poster, Spielkarten und anderes ergänzten das Angebot. Parallel zu den Aktivitäten der AG entstand im Rahmen der Dt. Stiftung Denkmalschutz die „Europäische Route der Backsteingotik“, in der natürlich unsere Kirchen eine besondere Rolle spielten. Inzwischen war Martin Heider Mitarbeiter im Doberaner Münster geworden und vernetzte professionell vielerlei Aktivitäten und vertrat unsere AG in vielerlei überregionalen Gremien.

 

 

8. Angeregt u.a. von Prof. Gottfried Kiesow, dem langjährigen Vorsitzenden der Dt.Stiftung Denkmalschutz, entschloss man sich in Wismar zum Wiederaufbau der Ruine der St.Georgenkirche. Dieser Prozeß - von dem Kirchenbaumeister Ferdinand aus Wismar engagiert gestaltet - wurde von der AG in vielfältiger Weise begleitet. Mit einer Exkursion aus St.Nicolai Lüneburg wurde das Projekt auch Teil der Gemeindearbeit. Herr Ferdinand wurde dann wiederum von der Bürgerstiftung St.Nicolai nach Lüneburg eingeladen und begeisterte die Teilnehmer mit seinen Erzählungen vom „Auferstanden aus Ruinen...“. Das Thema „Was machen wir mit Kirchengebäuden, die nicht mehr Gemeindekirchen sind“, stand oft auf der Tagesordnung. Erfahrungen von St.Petri Lübeck wurden eingeflochten in die Konzeptionsbildung von St.Jakobi Stralsund und St.Georgen Wismar. Es blieb aber der Eindruck, dass es besonders in Wismar an personellen Ressourcen, an konzeptioneller Kraft und an Kommunikationsschwierigkeiten mit dem Rathaus liegt, dass man trotz der wunderbaren Fertigstellung der Kirche noch nicht zu einem überzeugendem Nutzungskonzept gekommen ist. Hier liegt noch eine Aufgabe für die AG „Backsteingotische Basiliken im Ostseeraum“. Vielleicht ist ja im Rahmen der neu geschaffenen Nordkirche ein Extra-Projekt „Kulturkirche St.Georgen“ möglich! Vielleicht erinnert sich der jetzige Bischof in der Nordkirche Andreas von Maltzahn (bisher Dom Schwerin) als ehemaliger Pastor von St.Nikolai Wismar an die engagierten Diskussionen, als er Mitglied in der AG war und eröffnet kirchenleitende Perspektiven...

 

 

9. Ich wurde nun überraschenderweise nach St.Marien Lübeck eingeladen zum 20jährigen Jubiläum der „Arbeitsgemeinschaft der backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum“. Dort traf ich viele Weggefährten aus früheren Tagen wieder. Emeriti waren Volker Schulze, Fritz Geitner, Annegret Seyfang und ich. Einige fehlten, was ich schade fand. Aber es geht durch die vielen Jüngeren mit viel Engagement und Erfahrung weiter. Und dazu gekommen ist Albrecht Martins vom Dom von Schwerin. Das war immer ein besonderes Anliegen von Martin Poley, gegen das ich mich immer – mit zugegeben etwas puristischen Argumenten – gewehrt hatte. Ich argumentiert immer: die backsteingotischen Basiliken im Ostseeraum sind „Hanse-Kirchen“ mit der Ausnahme Doberaner Münster.

 

Die Dome zu Lübeck, zu Ratzeburg, zu Schwerin und zu Braunschweig sind „Löwen-Dome“ aus der Zeit von Herzog Heinrich dem Löwen. Die sollten eine eigene AG gründen...Nun ist ja aber der romanische Löwen-Dom in Schwerin inzwischen eine wunderschöne backsteingotische Basilika mit Querschiff und hat u.a. einen neuen Domprediger Albrecht Martins, der sich engagiert in die Diskussion der AG eingebracht hat. (Also: „Willkommen im Club“ kann man da nur fröhlich sagen, auch wenn ich als Hannoveraner nicht mehr dazugehöre...).

 

 

10. Als wir uns vor etwa 10 Jahren je einmal besucht hatten, erwuchs der Gedanke, die Arbeitsgemeinschaft international zu erweitern. Das war auf einer Tafel der Ausstellung durch Tibor Ridegh schon antizipiert worden: backsteingotische Basiliken im gesamten Ostseeraum, und damit die Verbindungen, die es im Mittelalter gab hinübernehmen ins neu zusammenwachsende Europa. Das wurde kontrovers diskutiert, aber man war einverstanden, dass ich erst einmal in Riga, Uppsala und Malmö bei Gelegenheit recherchieren sollte, um das Interesse zu erkunden. Außerdem besprach ich Finanzierungsmöglichkeiten mit Ulrike Wolf-Gebhardt, die Regierungspräsidentin in Lüneburg und Gemeindeglied von St.Nicolai gewesen war, bevor sie Staatssekretärin bei Ministerpräsidentin Heike Simonis wurde. Sie stand dem Projekt der Europäisierung der AG sehr positiv gegenüber.

Unsere europäisch erweitere AG könnte ein regionales Projekt des Lutherischen Weltbundes sein und neben den vielen Basiliken in den baltischen Ländern auch Finnland (Dom zu Turku), Schweden (St.Petri Malmö, Dom zu Uppsala) und ggf. Dänemark einbeziehen. Nach einer Weile könnte man die inzwischen wieder katholischen Basiliken im seit 1945 polnischen Pommern und Danzig mit dazu laden. Gedacht war an einen Rhythmus der internationalen Konferenz von 3 oder 5 Jahren, zwischendurch „normale“ Treffen der deutschsprachigen Mitglieder der AG. Die Realisierung dieser Projektidee wurde aber zunächst verschoben. Inzwischen ist ja der historische „Internationale Hansetag“ wiederbelebt worden und entwickelt sich zu einem Netzwerk, das von der Nord-und Ostseeküste bis ins Binnenland reicht. Welche Rolle spielen darin die Kirchen? Man könnte vielleicht anlässlich des internationalen Hansetages in Lübeck 2014 ein Treffen von Vertretern der backsteingotischen Basiliken im gesamten Ostseeraum integrieren.

 

So, das waren Erinnerungen und Gedanken, die mir bei der Rückfahrt von Lübeck nach Hannover kamen und mir fiel auch noch ein, dass kurz nach meiner Pensionierung 2007 die Landesregierung der Stadt Lüneburg den Titel „Hansestadt Lüneburg“ verliehen hat. So hat sich das Engagement doch irgendwie gelohnt...

 

Folker Thamm (12.11.2013)

Holscherstr.21, 30161 Hannover

 

 

mf.thamm(at)yahoo.de